Reese Witherspoon «Jetzt klinge ich, als wär ich irre, oder?»

Kino (Foto)
Ein gutes Team vor der Kamera: Reese Witherspoon und Paul Rudd. Bild: ddp

Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann, Berlin
Die Schöne und der Wortgewaltige: Reese Witherspoon und Paul Rudd plaudern im Interview mit news.de über Softballunfälle und Wutausbrüche von Jack Nicholson. Und sie verraten, bei welcher Gelegenheit sie Stimmen hören.

Im aktuellen Kinofilm Woher weißt du, dass es Liebe ist? flirten Reese Witherspoon und Paul Rudd, bis die Funken fliegen. Ob die beiden auch in der Realität ein gutes Team sind, verraten sie im Interview mit news.de.

Frau Witherspoon, für Ihre Rolle in der romantischen Komödie
Woher weißt du, dass es Liebe ist? mussten Sie lernen, wie man Softball spielt. Am Anfang des Films gibt es eine Szene, in der ein Junge einen Schlag vermasselt und ein kleines Mädchen den Ball souverän über das Feld schlägt. War ihr erster Schlag wie der des Jungen oder des Mädchens?

Witherspoon: Oh, ich fürchte, ich war so schlecht wie der Junge. Aber ich hab mit einem Softballcoach zusammengearbeitet, der mich fünf Monate lang trainiert hat. Im Film sieht man mich dann aber gar nicht richtig spielen und da hab ich nur gedacht: «Oh, mein Gott! All die Zeit, die ich investiert habe, um Softball zu lernen.»

Romantische Komödie
Zwischen Chaot und Egomane
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Hat das Training denn wenigstens Spaß gemacht?

Witherspoon: Ja und es war trotzdem gut für meine Rolle, dass ich viele Athleten getroffen habe. Das sind sehr spezielle Menschen, sie sind so fokussiert und konzentrieren sich sehr auf ihre Karriere, sodass sie kaum Privatleben, geschweige denn Zeit für Romantik haben. Es war völlig neu für mich, Frauen in ihren späten 20ern oder frühen 30ern zu treffen, die noch nie einen Freund hatten.

Haben die Sie mitspielen lassen?

Witherspoon: Nein (lacht). Ich habe kein Spiel mit ihnen gemacht. Sie haben mir nur einige Kniffe gezeigt und dann hab ich ihnen beim Spiel zugesehen. Mir hat das Training großen Spaß gemacht, aber einmal hab ich einen Softball ins Auge bekommen, das war nicht so lustig. Das hat ganz schön wehgetan. Danach habe ich dann so eine Obsession entwickelt: Ich habe mir ständig YouTube-Videos angesehen von Menschen, die einen Baseball an den Kopf bekommen.

Rudd: Oh, ja - das ist großartig! Ich liebe diese Videos, in denen ständig jemand stürzt, seine Hose verliert oder sich auf dumme Art verletzt. Ich muss immer lachen, da bin ich ein hoffnungsloser Fall.

Frau Witherspoon, es heißt, dass Sie, wenn Sie sich für ein Script entscheiden, auf eine Stimme in Ihrem Kopf hören, stimmt das?

Witherspoon: Ja, das stimmt. Seit ich das mal gesagt habe, denken die Leute, ich bin verrückt.

Was hat Ihnen die Stimme zu Woher weißt du, dass es Liebe ist? gesagt?

Witherspoon: Die Stimme spricht nicht zu mir. Sie weiß nur, wie die Charaktere klingen werden. Es ist die Stimme der Charaktere ... oh, jetzt klinge ich wirklich, als wäre ich irre, oder?

Rudd: Ich weiß genau, was Du meinst! Bei manchen Scripts ist es so, dass man sich den Film beim Lesen schon bildlich vorstellen kann, und dabei kann man auch hören, wie die Figuren klingen würden.

Witherspoon: Ja, genau!

Rudd: In einem guten Drehbuch treten die Figuren schon beim Lesen plastisch hervor. Meinst Du das?

Witherspoon: Ja, bei mir ist es nur nicht bildlich, sondern akustisch. Ich kann die Figuren beim Lesen sprechen hören. Dann weiß ich, ob ich mir vorstellen kann, diese Rolle zu spielen. Lisa in Woher weißt du, dass es Liebe ist? hat eher maskuline Qualitäten, sie schlägt den Kerlen auf die Schulter, das hat mir gefallen.

Und wie war es bei Ihnen, als Sie das Drehbuch gelesen haben, Herr Rudd?

Rudd: Die Rolle ist mir ja nicht angeboten worden, sondern ich habe vorgesprochen. Das Buch habe ich im New Yorker Sony-Büro am Schreibtisch gelesen und um ehrlich zu sein: Ich hatte es nicht richtig verstanden. Ich war krank und hatte Fieber. Ich musste das Script lesen und sofort zum Vorsprechen mit James Brooks gehen, ich war völlig hinüber. Brooks sagte nachher nur «Danke schön» und mir war klar, dass ich es vermasselt hatte. Ich wusste aber, dass er nach Los Angeles kommen würde und so sagte ich ihm: Ich würde es gern noch einmal versuchen, wenn es mir wieder besser geht. Ein paar Wochen später hat es dann tatsächlich geklappt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, wie sich Paul Rudd von Jack Nicholson anschreien ließ ...

Obwohl es schon so viele romantische Komödien gibt, sehen sich die Menschen offenbar immer wieder gern diese Filme an. Was glauben Sie, warum sind romantische Komödien so beliebt?

Witherspoon: Ich denke, es liegt daran, dass jeder Fragen zu Liebe, Romantik und Beziehungen hat: Bin ich in der richtigen Beziehung oder passt jemand anderes vielleicht besser zu mir?

Rudd: Jeder will doch eine Partnerschaft, die so ist wie in einer romantischen Komödie, nur leider klappt das eben nicht immer so.

Witherspoon: Ja, es ist verrückt, wie wir mit romantischen Komödien aufwachsen und dann glauben, unsere Beziehungen müssten so sein wie in diesen Filmen. Das sind ja idealisierte Beziehungen.

Rudd: Ja, wie bei Romeo und Julia, ich vergesse nur immer, dass die beiden am Ende sterben.

Herr Rudd, in Woher weißt du, dass es Liebe ist, spielen Sie den Sohn von Jack Nicholson. Wie war es für Sie, mit ihm zusammenzuarbeiten?

Rudd: Ich war total elektrisiert und so nervös, ihn zu treffen. Das ist womöglich der ikonenhafteste Schauspieler Amerikas. Es war für mich die größte Überraschung, wie viel Energie er in seine Arbeit steckt. Unsere erste Probe dauerte acht Stunden, weil er so viele Fragen gestellt hatte.

Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an die Dreharbeiten mit Nicholson denken?

Rudd: Das Komische war, dass mir, während ich mit ihm drehte, immer wieder all die Filme einfielen, die er gemacht hat. In unserer ersten Szene kam er ganz nah an mein Gesicht und schrie mich an und plötzlich dachte ich: «Oh, mein Gott: Das erinnert mich an «China Town»!»

Was haben Sie von diesem Urgestein Hollywoods für Ihre eigene Karriere gelernt?

Rudd: Eine Menge! Das Wichtigste ist aber: Er hat so ein unglaublich gutes Gespür für die Kameraperspektive und die ganz kleinen Dinge. Einmal, als eine Nahaufnahme von meinem Gesicht gemacht wurde, hat er sich hinter die Kamera gestellt und mich ohne erkennbaren Grund angeschrien und genau da ist etwas Einzigartiges in meinen Augen passiert – eine authentische Reaktion, die mir bislang nicht bewusst war.

Mit Reese Witherspoon haben Sie schon einmal als Sprecher des Animationsfilms Monsters vs Aliens zusammengearbeitet, Sie sind ein gutes Team, oder?

Rudd: Ja, es ist großartig, mit Menschen wie Reese zu arbeiten, und es war toll, dass wir jetzt wieder zusammen einen Film gemacht haben. Das erste Mal, als ich ihr beim Drehen zugesehen habe, dachte ich: «Meine Güte, sie ist so gut!»

Witherspoon: Und ich dachte: «Er ist so lustig, werde ich wohl jemals zu Wort kommen?»

Rudd: Hmm, ich denke, dieses Interview beantwortet die Frage. (Beide lachen)

Reese Witherspoon ist eine der bestbezahltesten Schauspielerinnen Hollywoods. 2005 erhielt die 35-Jährige, die im US-Bundesstaat Louisiana aufgewachsen ist, einen Oscar für ihre Rolle der June Carter Cash im Film Walk the Line und seit dem 1. Dezember 2010 ziert ein Stern mit ihrem Namen den «Walk of Fame» in Hollywood.

Paul Rudd spielt immer wieder Rollen in romantischen Komödien: Mit Jennifer Aniston drehte er Liebe in jeder Beziehung, außerdem war er in Clueless - Was sonst! zu sehen und spielte in Hauptsache verliebt den jungen Liebhaber von Michelle Pfeiffer. Nebenbei ist der 43-Jährige Bühnenschauspieler am Broadway.

Beide sind derzeit in dem Kinofilm Woher weißt du, dass es Liebe ist zu sehen. Hier geht es zu unserer Kinorezension.

roj/reu/news.de

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