«The Green Hornet» Mit Waltz im Coolness-Gerangel

«The Green Hornet» (Foto)
Britt Reid (Seth Rogen) und Kato (Jay Chou) in The Green Hornet. Bild: Sony

Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Große Posen fürs Ego: In The Green Hornet legen sich zwei erwachsene Jungs mit Christoph Waltz an. Der ist so schön böse wie in Inglourious Basterds, muss im neuen Film aber auch eine ordentliche Midlife-Crisis meistern.
 

Scheppernd fliegt der Fernseher aus dem Fenster. Britt Reid stößt seinen Kopf durch ein minimalistisches Gemälde und schießt eine Champagnerfontäne durch den Raum. Der Partyhengst hat nichts gelernt - aber er weiß, wie man feiert. Und das genügt auch erst einmal, denn während Reid (Seth Rogen) Prickelwasser seine Kehle herunterlaufen lässt und leicht bekleidete Damen auf Nobelkarossen befummelt, schafft sein Vater die Millionen in die Haushaltskasse.

Das Verhältnis zwischen Erzeuger und Sprössling ist entsprechend, nun ja: gestört. «Versuchen ist wertlos, wenn man immer nur versagt», ist die Weisheit, die der Geschäftsmann seinem Kind einimpft, während er der heiß geliebten Actionfigur den Kopf abrupft. Sich und der Welt will der mittlerweile erwachsen gewordene Britt beweisen, dass er dennoch das Zeug zum Superhelden hat.

«The Green Hornet»
Mit Charme und großem Kaliber
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Der Arthouse-Regisseur Michael Gondry (Vergiss mein nicht!, Science of Sleep) hat sich mit seinem aktuellen Kinofilm The Green Hornet an einen Blockbuster-Stoff gewagt. Die Story orientiert sich an einer gleichnamigen Comicreihe, die von 1940 bis 1993 erschien. Die Geburtsstunde der grünen Hornisse reicht aber bis zur Radioserie von George W. Trendle und Fran Striker in den 1930er Jahren zurück.

Seit den 1990er Jahren gab es immer wieder Versuche, den Stoff zu verfilmen, als Hauptdarsteller waren Eddie Murphy, George Clooney, Mark Wahlberg und Jake Gyllenhaal im Gespräch, die Regisseure Kevin Smith und Stephen Chow hatten sich schon an den Stoff gewagt – einen Film gab es aber bislang nicht. Es ist eine lange Vorgeschichte, die dieser Film wie einen Mühlstein hinter sich herschleift.

«The Green Hornet»
Angriff der Insekten
Video: amg/news.de/Sony

Verlässliche Blockbuster-Rezepte

Gondry versucht sich mit demonstrativ luftiger Komik davon zu befreien, das gelingt ihm mitunter auch ganz gut, doch wer von ihm einen ambitionierten Arthouse-Ansatz erwartet, wird enttäuscht. Gondry hält sich diesmal lieber an verlässlichen Blockbuster-Rezepten fest.

Als ein Bienenstich Britts Vater dahinrafft, muss Playboy Britt plötzlich das Familienimperium regieren. Nebenbei entdeckt er, dass Kato, der Mechaniker seines Vaters, ein «menschgewordenes Schweizer Taschenmesser» ist. Er macht nicht nur den weltbesten Cappuccino, sondern motzt Autos mit «Ben-Hur-Scheiß» auf: Aus den Radkappen schießen Krallen hervor, ein grüner Schleim pustet platte Reifen wieder auf und unter der Motorhaube hat er Großkaliber versteckt. Meister der spektakulären Kampfkunst ist er auch noch. Mithilfe des Tüftlers will Reid seinem Leben jetzt endlich eine Mission geben: Als Superheld ohne Superkräfte, aber mit dem schmissigen Namen «Green Hornet», legt er sich erst einmal mit der Unterwelt an.

Und da kommt die Person ins Spiel, auf die besonders das deutsche Kinopublikum gespannt sein dürfte: Oscarpreisträger Christoph Waltz spielt den Gangsterbaron Chudnofsky. Der ringt mit einer Midlife-Crisis, sorgt sich, nicht gruselig genug zu sein, ballert aber ansonsten herrlich lakonisch auf lästige Zeitgenossen. Waltz spielt den Schurken mit vorgerecktem Kinn und süffisantem Blick, dabei blitzt immer wieder seine oscarprämierte Rolle des Hans Landa aus Inglourious Basterds hervor. Mit Unschuldsmine und ausladender Dirigentengeste drückt er Fernzündungen, verfällt dann aber gleich wieder in Grübeleien, wie er zu einem Gangsterlook kommt. Schade nur, dass Waltz hier so selten zum Zuge kommt.

Helden mit infantilen Zügen

Die männlichen Figuren in The Green Hornet sind wie große Jungs: Mit kindlicher Freude piesacken sie sich, freuen sich kichernd über Triumphe, lassen sich aber auch schnell verunsichern. Dabei bemühen sie sich redlich, nicht den Klischees von «Gut» und «Böse» zu entsprechen. «Weißt Du, was die dämlichste Sache ist, die alle Superhelden gemein haben?», fragt Reid seinen Sidekick Kato und erklärt ihn: «Jeder weiß sofort, wer gut ist.» Das wollen sie anders machen und damit reiht sich der Film in einen Trend ein, der sich mit den Filmen Ich – Einfach unverbesserlich und Megamind schon abzeichnete: Die Grenzen zwischen Gut und Böse werden traktiert und die Helden entwickeln infantile Züge.

Auch wenn Reid sich mit dem Titel «Green Hornet» schmückt, so ist der Held im Grunde ein Konstrukt aus drei Figuren: Reid bringt Gesicht und Charisma ein, Kato sorgt für die Technik und der Grips kommt von einer Frau. Die weiß davon allerdings erst einmal nichts: Reid stellt Lenore (Cameron Diaz) als Sekretärin im Zeitungsimperium seines Vaters ein und lässt sie spekulieren, was Green Hornet als Nächstes tun könnte. Während sich die Männer um sie herum in kindliche Scharmützel verstricken, behält sie den Überblick. Klar, dass alle scharf auf sie sind und es deshalb Zickereien unter den Jungs gibt. Und das, obwohl sie sich als «Frau im Herbst» verhöhnen lassen muss.

Der Film erzählt seine Story mit Tempo, verheddert sich dabei aber auch ganz gern. Die Dialoge sind leider etwas flach geraten: «Oh, Mann – jetzt stecken wir in 'ner Verfolgungsjagd», seufzt Reid und spricht damit nur aus, was ohnehin völlig offensichtlich ist.

In visueller Hinsicht ist der Stoff eine Spielwiese und die Macher haben auch interessante Einfälle: Katos Denkprozesse sind von rotem Licht durchströmt, Autos vervielfältigen sich, die Bilder verdichten sich zu Collagen. Das Geld für ein 3D-Ticket kann man sich aber getrost sparen: Die Tiefeneffekte sind enttäuschend, manche Räume völlig verzerrt und merkwürdige Spiegelungen stören den Sogeffekt des Films. Hier sorgt 3D nicht für eine zusätzliche Illusion, es öffnet die Räume zu weit, sodass die Ebenen verloren herumstehen, statt ein dichtes Bild zu liefern. Eine spanndende Idee sind allerdings dreidimensionale Splitscreens, deren Segmente sich unter- und übereinander schieben. Das sieht hier zwar nicht spektakulär aus, zeigt aber eine gute Idee, die ein anderer vielleicht aufgreifen wird.

Auch die etwas hektisch geratenen Actionszenen, die mitunter völlig verwischt statt ausbuchstabiert sind, stören den Filmgenuss. Dennoch: The Green Hornet ist solide Kinounterhaltung.

Titel: The Green Hornet
Regie: Michel Gondry
Darsteller: Seth Rogen, Jay Chou, Cameron Diaz, Christoph Waltz
Filmlänge: 119 Minuten
FSK: ab 12 Jahren beantragt
Verleih: Sony
Kinostart: 13. Januar 2011

pfj/reu/news.de

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