Christina Aguilera Der Preis des Ruhms

Christina Aguilera ist eine neue Frau. Dass sie damit nicht nur ihre Rolle in Steven Antins Musicalfilm Burlesque meint, verrät sie im Gespräch mit news.de. Und außerdem, warum Cher nie ohne Netzstrumpfhose aus dem Haus geht.

Christina Aguilera (Foto)
Christina Aguilera sieht sich in ihrem Leben an einem Wendepunkt. Bild: dapd

Aufreizende Mädchen in knappsten Kostümen. Soll Burlesque vor allem Männer ins Kino locken?

Aguilera: Wer Frauen, die sich in ihrer Haut wohlfühlen, nur als Objekt für Männer sieht, für den kann ich nur mein Bedauern ausdrücken. Wenn eine Frau die Bühne betritt und soviel Kraft und Schönheit ausstrahlt, macht sie das vor allem für sich selbst. Es ist eine sehr männlich dominierte Sichtweise, Frauen einzureden, dass sie das nur machen, um den Männern zu gefallen. Ich finde Frauenkörper so traumhaft und wunderschön. Außerdem haben die Männer im Film viel weniger an als die Frauen. Cam hielt in einer Szene nur eine Kekspackung in der Hand, um sich zu bedecken. (lacht) Am unfairsten ist es doch, dass uns als Frauen von einem jungen Alter an immer eingeredet wird, dass wir uns für irgendwas schämen müssten.

«Burlesque»: Freizügige Diven ganz züchtig

Sie haben gesagt, dass Sie ein «girly girl» sind, eine Frau, die es genießt, fraulich zu sein und zu leben. Trifft das auch auf Ihre Filmpartnerin Cher zu?

Aguilera: Ich denke ja. Schauen Sie sich ihre Karriere an. Sie ist ein Chamäleon. Sie liebt es, sich in Schale zu schmeißen. Sie werden Cher bestimmt niemals ohne ihre Netzstrumpfhose antreffen.

Sie kannten sich vorher nicht. Was waren Ihre Erwartungen an den Superstar?

Aguilera: Ich habe keine Erwartungen, wenn ich jemanden zum ersten Mal treffe. Denn sonst müsste ich Angst haben, enttäuscht zu werden. Ich bin ihr sehr offen begegnet, mit einem offenen Herzen. Ich bin so froh, dass sie zugestimmt hat, Tess zu spielen. Denn es gibt einfach keine bessere Besetzung. Wenn ich aber Erwartungen gehabt hätte, hätte Cher alle übertroffen. Sie ist so warmherzig und unterstützend. Wenn sie einen Hinweis oder ein Kompliment ausspricht, weißt du genau, dass sie das auch so meint.

Haben Sie irgendwas von ihr gelernt?

Aguilera: Viele Dinge, persönlich und beruflich. Wir hatten viele Gespräche auf dunklen Sofas in irgendwelchen Ecken während des Drehs. Wenn das Licht neu gesetzt wird oder die Kamera, hat man einfach viel Zeit am Filmset. Sie hat mir viele Ratschläge gegeben. Ein Zitat ist mir noch besonders in Erinnerung. Sie sagte: «Weißt du, Ehemänner kommen und gehen, aber letzten Endes bin ich immer noch Cher.» (lacht) Es bedeutet einfach, dass du als Frau keinen Mann brauchst, um dir einen Sinn zu geben.

Und Chers Ratschläge für die Karriere?

Aguilera: Die gab's eigentlich nicht. Wir sind beide geborene Künstlerinnen. Wir beide müssen die Menschen unterhalten, um für uns selbst Erfüllung zu finden. Das macht uns glücklich. Ich finde es allerdings auch traurig, wie oberflächlich, kommerziell und politisch dieses Business sein kann. Ich denke, dass das definitiv eine Enttäuschung ist, wenn man erstmal im Geschäft drin ist und was ganz anderes erwartet hat. Ich persönlich bin jedoch dankbar, das mit der Welt teilen zu können, was ich tue. Und so war auch beruhigend für mich, mit jemandem zu sprechen, der eine ähnliche Leidenschaft hat. Chers Karriere hat der Zeit getrotzt. Sie war schon da, bevor überhaupt an Madonna zu denken war.

Für die Berühmtheit zahlen Sie ja auch einen hohen Preis ...

Aguilera: Ja, ich habe kaum mehr Privatsphäre. Aber ich bin eigentlich eine sehr private Person. Sie werden mich nie in einer Reality-TV-Show sehen. Das ist sicher.

Mögen Sie auch dieses ganze Drumherum an der Musik und am Film, die PR-Arbeit, die Interviews?

Aguilera: Ja, ich habe mich ja während der Dreharbeiten selbst verleugnet. Ich war meine Figur Ali, ich habe als diese andere Person gelebt. Es war auch schwierig für mich, nicht alles in mein Tagebuch aufzuschreiben oder einen Song zu machen. Ich war ja nur auf den Film konzentriert und bin nicht wie sonst regelmäßig ins Studio gegangen, um meine Gefühle und Gedanken aufzunehmen. Andererseits sind mir durch die Arbeit auch Flügel gewachsen. Jemand zu sein, der so anders ist als ich, für so viele Monate, hat mich stärker gemacht.

Cher und Sie singen beide im Film. Wie sieht's mit einer Kooperation aus?

Aguilera: Es gab schon Gespräche wegen eines gemeinsamen Songs. Wir waren aber so beschäftigt mit dem Film, dass ich noch nicht näher darüber nachgedacht habe. Aber ich bin für diese Idee sehr offen.

Sie lesen bereits wieder neue Drehbücher. Werden das auch Musicals? Muss ein Gesangspart dabei sein?

Aguilera: Ich bin für alles offen. Ich wollte eigentlich gar nicht zwingend ein Musical machen. Ich schätze auch Filme wie Durchgeknallt und das schauspielerische Können von Winona Ryder und Angelina Jolie. Ich würde gern so eine Figur spielen, deren Charakter an den Haaren herbeigezogen oder kompliziert ist.

Nehmen Sie Schauspielunterricht?

Aguilera: Dafür war ich leider bisher zu beschäftigt mit diesem Film. Aber ich würde sehr gern das Handwerk besser verstehen und lernen.

Wäre nur noch Schauspiel auch eine Möglichkeit für Sie?

Aguilera: Ich könnte absolut nicht ohne Musik leben. Ich bin zur Musik gekommen, als ich sehr jung war, als eine Art der Befreiung. Damals habe ich noch keine Ahnung davon gehabt, was es bedeutet, ein Star zu sein und damit Geld zu verdienen. Ich habe Musik als eine Art der Flucht aus meiner Kindheit genutzt, denn ich bin in einem sehr chaotischen Umfeld groß geworden.

Und wie geht es jetzt mit der Musik weiter?

Aguilera: Ich bin gerade an einem Wendepunkt in meinem Leben. Ich bin zurzeit eher nachdenklich und werde mein neu gewonnenes Selbstvertrauen, die neue Frau, die ich geworden bin, in ein Album einfließen lassen.

Christina Aguilera (30) ist eine der erfolgreichsten Popsängerinnen der Welt. Die vierfache Grammy-Gewinnerin versucht sich mit Burlesque an ihrem ersten Kinofilm. Schalgzeilen machte sie in den vergangenen Monaten durch ihre Trennung von ihrem Ehemann, dem Musikproduzenten Jordan Bratman

amg/ivb/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • moptop
  • Kommentar 1
  • 20.12.2010 13:03

"Ich bin eine neue Frau" - ob XTina damit wohl ihre Schönheits-OPs meint?

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