«Fair Game» Irakkrieg im Ehebett

Eine CIA-Agentin findet heraus, dass der Irak keine Atomwaffen hat, George W. Bush steht dumm da, die Agentin wird enttarnt. Der Kinofilm Fair Game erzählt mit Naomi Watts und Sean Penn einen Politthriller nach einem realen Fall.

«Fair Game» (Foto)
Ehe auf dem Prüfstand: Valerie Plame (Naomi Watts) und Joseph Wilson (Sean Penn) in Fair Game. Bild: Tobis

Nur wenige Monate sind vergangen, seit Terroristen die Flugzeuge ins World Trade Center lenkten. Die amerikanischen Geheimdienste rotieren, sie sollen die Drahtzieher finden und künftig Terroranschläge vereiteln. Die Welt ist in Aufruhr, Aktionismus tobt. Mitten in diesem Orkan aus Panik ist die CIA-Agentin Valerie Plame eines der Rädchen im Getriebe. Ihr Auftrag: Sie soll Saddam Husseins Waffenprogramm unter die Lupe nehmen. Nur ihr Ehemann, der Diplomat und Botschafter Joseph Wilson, und ihre Eltern wissen, dass sie eine Agentin ist, selbst die engsten Freunde sind davon überzeugt, dass sie als Risikoanlegerin arbeitet.

Die Geschichte, die Regisseur Doug Liman (Die Bourne Identität) mit Fair Game verfilmt hat, basiert auf einem Fall, der 2003 ans Licht kam und in Anlehnung an den spektakulären Politskandal «Watergate» unter dem Begriff «Plamegate» gehandelt wird. Plame und Wilson hatten kurz vor den Bombenangriffen auf den Irak herausgefunden, dass der Staat nicht wie von US-Präsident George W. Bush behauptet, Massenvernichtungswaffen besitzt. Der Film stürzt sich aber nicht ausschließlich auf die brisanten Details dieser Affäre, sondern dröselt vor der politischen Matrize eine Beziehungskrise zwischen der Agentin und ihrem Mann auf.

«Fair Game»: Eine Ehe im Kreuzfeuer der Politik

Valerie Plame (Naomi Watts) ist Perfektionistin, fokussiert, zuverlässig und effizient. Sie ist Fassade in Vollendung: Das Kostümchen sitzt perfekt, ihr Gemüt ist ausgeglichen und freundlich – ob sie den Kindern das Pausenbrot zusteckt oder mit einem Geschäftsmann verhandelt. Nie würde Valerie aus der Rolle fallen. Bislang verlief ihr Leben in einer sauberen, geraden Linie, doch das soll sich ändern: Der Faden verheddert und verknotet sich.

Eine Ehe auf Post-its

Der Knacks ist schon da, das Paar führt eine Ehe auf Post-its – nachts schlüpft die Agentin aus dem Ehebett ins Taxi, ihrem Mann muss ein Klebezettelchen auf dem Kühlschrank als Erklärung reichen. Mit Valerie Plame und Joseph Wilson zeigt der Film außerdem zwei Arten, auf diesen Konflikt zu reagieren. Ihre unterschiedlichen Charaktere sind der Sprengstoff, der Zünder dazu ist die politische Ungerechtigkeit.

Trailer «Fair Game»: Stolperfalle Irak
Video: Tobis

Wilson (Sean Penn) ist ein Hitzkopf, wenn es um Ideale und Politik geht, kämpft er mit dem Flammenschwert. So manch ein herzliches Essen mit Freunden ist über eine politische Diskussion aus dem Ruder gelaufen, weil er Höflichkeit nicht über seine Überzeugung stellen mag. Als er erkennt, dass George W. Bush die Behauptung, Saddam Hussein habe Atomwaffen, für ein Bombardement auf den Irak instrumentalisiert, brennen bei Wilson die Sicherungen durch. Er selbst hatte im Auftrag der CIA im Niger herausgefunden, dass an den Gerüchten, der Diktator habe atomwaffenfähiges Uran in Afrika gekauft, nichts dran ist. Wilson mag sich nicht wie seine Frau unter dieser Ungeheuerlichkeit wegducken, er schreibt einen Artikel für die «New York Times». Daraufhin fliegt die Tarnung seiner Frau auf. Die CIA lässt ihre Mitarbeiterin fallen.

Als Agentin hat es Plame gelernt, zu schweigen, auch wenn ihr das Adrenalin in die Adern schießt. Sie spult ein Programm ab, für sie hat die Sicherheit ihrer Familie Priorität. Ihr Mann sieht das anders, er kämpft für Gerechtigkeit, reibt sich an seiner Empörung auf, hält flammende Reden, rebelliert, rennt mit dem Kopf gegen die Wand. Irgendwo dazwischen geht es auch um seine Eitelkeit, die Aufmerksamkeit, die er plötzlich bekommt, schmeichelt ihm, die Diffamierungen ärgern ihn.
Sean Penn spielt die Rolle des Joseph Wilson mit energiegeladener Souveränität und auch mit Naomi Watts hat Regisseur Liman die Rolle seiner Hauptdarstellerin klug besetzt. Sie schafft es, der kühl kalkulierenden Valerie Plame bestechende Kompetenz und emotionale Tiefe zugleich abzuringen.

Kühle Bilder für eine hitzige Affäre

Mit angenehm unaufgeregten Bildern begleitet dieser Film, der als einziger US-Beitrag im Wettbewerb der 63. Filmfestspiele in Cannes lief, die hitzige Affäre und emotionsgeladene Ehekrise. Kleine Realitäts-Spritzen injiziert der Regisseur seinem Film, indem er Originalaufnahmen aus den Nachrichten in die Story schneidet.

Die Handlung ist vielschichtig, arbeitet sich zügig voran und fordert vom Zuschauer volle Aufmerksamkeit. Die Drehbuchautoren Jez und John-Henry Butterworth haben ein spannendes Script entwickelt, das um die Frage kreist, welchen Stellenwert Ideale einnehmen, wenn die persönliche Sicherheit gefährdet ist. Es geht um Zivilcourage, Verantwortungsbewusstsein und den Stellenwert des privaten Glücks. Dabei hechtet die Agentin nicht etwa wie Angelina Jolie in Salt von einer Actionszene zur nächsten, sondern kalkuliert strategisch.

Leider merkt man dem Drehbuch aber sehr deutlich an, dass die Plame-Affäre noch immer nicht vollständig aufgeklärt ist und die CIA ein wachsames Auge darauf hat, was Plame an die Öffentlichkeit bringt. «Als wir mit der Entwicklung des Projekts begannen, erkannten wir, dass unsere Absicht durch eine Reihe von Faktoren deutlich erschwert wurde, nicht zuletzt, weil große Teile von Valeries Arbeit für die CIA auch heute noch streng geheim sind», erzählt die Produzentin Janet Zucker. Deshalb haben die Drehbuchautoren eigene Recherchen angestellt, nicht alles, was der Film zeigt, ist auch tatsächlich so geschehen.

Vielleicht haben sich die Filmemacher aus gerade deshalb dazu entschlossen, sich auf die Ehekrise zwischen Plame und Wilson zu konzentrieren. Im Grunde ist das keine schlechte Idee, doch leider tritt so die politische Ungeheuerlichkeit zu sehr in den Hintergrund. Ehekrisen gibt es viele, aber das Spannende an dem Stoff ist doch, wie sich ein Präsident einen Krieg erschlichen hat. Und das verliert hier hinter der Folie des privaten Dramas leider an Sprengkraft.

Titel: Fair Game
Regie: Doug Liman
Darsteller: Sean Penn, Naomi Watts, Sam Shepard, Noah Emmerich, Michael Kelly u. a.
Filmlänge: 108 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Tobis
Kinostart: 25. November 2010

wie/reu/news.de

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