The Doors Tanz mit dem Teufel

When You're Strange (Foto)
Regisseur Tom DiCillo durfte in alten Archivmaterialen wühlen und hat daraus eine beachtenswerte Musikdokumentation geschaffen. Bild: Arthaus

Von news.de-Mitarbeiter Ronny Janke
Sie waren Freigeister und wollten Musik machen, die sich nicht an den Charts orientiert: The Doors. Jetzt gibt es den Dokumentarfilm When You're Strange aus dem Jahr 2009, der das Leben der Band zeigt auf DVD und Blu-ray. Und der zeigt Aufstieg und Fall einer Band, die durch ihre Musik ewig leben wird.

Die 1960er Jahre waren geprägt vom Vietnam-Krieg, der Gegenbewegung durch die Hippie-Kultur und dem generellen Aufbegehren einer noch jungen Generation. Diese fand Trost und Verständnis in der Musik einer Band, die auch heute noch nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat. Vier Männer stießen mit ihrem Sound die Türen zur Ewigkeit auf und nannten sich vielleicht auch deshalb «The Doors». Im Film The Doors – When You're Strange setzt der Regisseur Tom DiCillo dem Mythos der Band ein würdiges Denkmal. Jetzt ist die Dokumentation auf DVD erschienen.

Fast 40 Jahre ist es her, dass der rebellische Frontmann der Band, Jim Morrison, verstarb und so, nach dem knapp viereinhalb-jährigen Bestehen der Doors, für ein jähes Ende sorgte. When You're Strange erzählt die Geschichte dieser einzigartigen Band, die sich im Sommer 1969 gründete und sich 54 Monate später schon wieder trennen sollte.

Bisher unbekanntes Filmmaterial wird zum roten Faden

Regisseur Tom DiCillo verbrachte mehrere Wochen damit, Archivmaterial der Band zu sichten, das sie auf und hinter der Bühne, aber auch in privaten Momenten zeigte. Es dauerte einige Zeit, bis DiCillo wusste, welchen roten Faden er durch seine geplante Dokumentation ziehen kann. Erst als er einen bisher unbekannten Kurzfilm von Morrison zu sehen bekam, den der Doors-Sänger während seines Studiums angefertigt hatte und mit einem «genügend» bewertet bekam, hatte Regisseur DiCillo die rettende Idee: In Morrisons Kurzfilm war dieser nämlich selbst zu sehen, während er über eine Landstraße durch eine karge Wüstenlandschaft lief. DiCillo war beeindruckt von diesen Bildern, weil sie Morrison zeigten, als er noch jung war und dabei aussah, als würde es sich um den Geist des viel zu früh verstorbenen Rock-Poeten handeln.

Immer wieder sind es diese Bilder, die die chronologisch erzählte Band-Historie durchbrechen. Es ist, als würde der junge Morrison den Zuschauer an die Hand nehmen und ihm zeigen, wie es war. Damals, zu einer Zeit, als Jim Morrison bei den ersten Auftritten vor dem Publikum noch Angst hatte und deshalb etwas tat, was sich heute kein Musiker mehr erlauben würde: Der Sänger drehte dem Publikum den Rücken zu und hatte so während der ersten Auftritte, wie auch bei den Proben, seine Band im Blickfeld. Anfangs brauchte er diese Form der Beruhigung, aber schon bald lernte Morrison mit den Fans umzugehen und genoss den Ruhm, den Rummel, die Show und die Extase. So sehr, dass er auch den Drogen, dem Alkohol und deren gefährlichem Rausch erlag. Morrison zerstörte sich selbst, driftete immer mehr ab, in eine Welt, die nicht die der anderen Bandmitglieder und Fans war und besiegelte so ungewollt das frühe Ende der Band.

Nicht nur für Fans der Band interessant

Als Erzähler dieser einzigartigen Geschichte der Popkultur konnte Schauspieler Johnny Depp gewonnen werden. In der deutschen Version übernimmt diese Aufgabe passenderweise auch die deutsche Synchronstimme Depps. Ruhig und in vornehmer Zurückhaltung werden dem Zuschauer Interpretationen und Analysen mancher Ereignisse aus der Zeit der Band präsentiert. Nachdem die erste Single der Doors nicht so recht zünden wollte, entschied sich deren Manager für den Song Light My Fire als zweite Single-Veröffentlichung, die der Band binnen kürzester Zeit den verdienten Erfolg bescherte.

Was den Film besonders sehenswert macht, sind die Konzertszenen der Band. Morrison tobt, zuckt, springt, kreischt und singt sich in zahlreiche Höhepunkte, die beim Betrachter für Gänsehaut sorgen - egal, ob man Fan der Band ist oder nicht. Ihre Musik, eine Kombination aus Jazz-, Blues- und Flamenco-Elementen, war der Klangteppich, den Jim Morrison mit seinen poetischen und von Drogen beeinflussten Texten beschritt.

The Doors wollten Musik machen, keinem Trend hinterherjagen, verzichteten dabei auf bunte Lichtershows und beeindruckten nur mit den Stimmungen, die deren Lieder bei den Fans auslösten. Am Ende ist The Doors - When You're Strange wie ein Tanz mit dem Teufel, der einen atemlos zurücklässt. Und selbst wenn man die Geschichte der Rolling Stones Amerikas schon kennt, wie man die Doors auch umschreiben könnte, erreicht dieser Dokumentarfilm noch etwas anderes. Er schafft es, eine Band wieder lebendig zu machen, die genau das erreichen wollte: durch ihre Musik ewig zu leben.

Titel: The Doors - When You're Strange
Spieldauer: 82 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Bereits erschienen

ruk/news.de

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