DVD-Tipps Im Labyrinth erotischer Gefühle

Von den news.de-Mitarbeitern Lutz Granert und Katharina Bott
Eifersucht, Liebe, unterdrückte Gefühle: Das Kinodrama Chloe widmet sich zeitlosen Themen. Und der TV-Film Live is Life - Die Spätzünder nähert sich dem Thema «Leben im Alter» auf ganz unkoventionelle Weise. Beide Filme liegen jetzt auf DVD vor.

Chloe

Der kanadische Regisseur Atom Egoyan, der mit Das süße Jenseits (1997) und Simons Geheimnis (2008) schon äußerst intensive Psychodramen inszenierte und auch selbst schrieb, griff für den Kinofilm Chloe auf ein fremdes Drehbuch zurück. Chloe ist das Remake des französischen Erotikdramas Nathalie – Wen liebst du heute Nacht?, in dem sich die Dreiecksgeschichte zwischen Gérard Depardieu (Mammuth), Fanny Ardant und Emmanuelle Béart entspinnt. Die erotische Ausstrahlung von Emmanuelle Béart als angeheuerte Prostituierte und Treuetesterin ist darin unwiderstehlich: In ihrer Unnahbarkeit ebenso rätselhaft wie in ihren Gesten verführerisch ist sie der Inbegriff eines Vamps.

Chloe
Eskalation der Eifersucht

Anders als das Original

Amanda Seyfried (Briefe an Julia) kann ihr in derselben Rolle nicht das Wasser reichen. Zwar vermag auch sie eine attraktive Verführerin mit großen Augen und noch größeren, sinnlichen Lippen zu verkörpern, doch verbergen sich im Inneren ihres hübschen Köpfchens nur jene Ansätze einer psychotischen Charakterzeichnung, wie sie im Hollywood-Mainstreamkino üblich sind. Dies wirkt zu lieb, zu weichgespült, zu romantisiert.

Auch wie sich die Geschichte um Eifersucht, Liebe und Libido entspinnt, scheint, zumindest zunächst, alles andere als überzeugend. Die Gynäkologin Catherine (Julianne Moore) plant für ihren Mann, den Dozenten David (Liam Neeson, 96 Hours) zu seinem Geburtstag eine Überraschungsparty. Als er jedoch seinen Flieger verpasst und sie später verräterische SMS auf seinem Handy entdeckt, vermutet sie die Untreue ihres Gatten. Durch einen Zufall macht sie Bekanntschaft mit der Escort-Dame Chloe (Amanda Seyfried) und beauftragt diese, ihren Mann auf sich aufmerksam zu machen. Immer mehr Erlebnisse, immer weiter fortschreitende erotische Abenteuer weiß Chloe ihr zu berichten, bis Auftraggeberin und Verführerin körperlich und emotional Gefallen aneinander finden.

Tiefere Bedeutungsebenen

Chloe spielt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers über den Ausgang der Geschichte, stellt Fragen nach der Wahrheit hinter den Erzählungen, Bildern, Vorstellungen, die allesamt unreflektiert wahrgenommen werden. Diese vordergründige Wahrnehmung, unter der sich Tiefergehendes verbirgt, wird visualisiert durch glatte Oberflächen jeglicher Art: Spiegel, Fenster, Handydisplays. Diese trennen die Figuren sowohl physisch als auch psychisch voneinander, lassen an der Stelle Untreue vermuten, wo sich nur Eifersucht befindet, lassen dort an Liebe glauben, wo sich nur aufgestaute Lust entlädt. Die Figur der Catherine ist dabei der Inbegriff dieser unbewussten Doppelbödigkeit des eigenen Wesens, das sich über Chloe definiert. Julianne Moore gelingt es großartig, diese Figur hin- und hergerissen zwischen Verletzlichkeit und Entfremdung, Erregtheit und Verzweiflung zu verkörpern.

Dies ist die eigentliche, wenig vordergündige Thematik des mit kleinen, aber verzeihlichen Schwächen behafteten Erotikdramas. Der Macht der Suggestion durch ein einziges ästhetisches Element ist im Bonusmaterial der DVD von Chloe ein interessantes Feature gewidmet. Dort bekommt man neben dem üblichen Making Of und Interviews zwei alternative Enden präsentiert, die sich nur durch den Off-Kommentar voneinander unterscheiden – und doch sehr unterschiedlich wirken.

Titel: Chloe
Regie: Atom Egoyan
Darsteller: Julianne Moore, Amanda Seyfried, Liam Neeson, Max Thieriot, Nina Dobrev
Spielzeit: 92 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Preis: ca. 14 Euro
Veröffentlichungsdatum: 7. Oktober 2010

Live is Life - Die Spätzünder

Rocco muss 100 Tage Sozialdienst in einem Altenheim ableisten. Dort trifft er auf ruhiggestellte und vom Personal schikanierte und von ihren Kinder teilweise abgeschobene Senioren. Bis eben Möchtegern Rockstar Rocco auftaucht, die Tabletten verschwinden lässt, die Alten durch Musik zurück ins Leben holt, mit ihnen eine Band gründet.

Schließlich kommt es zur Revolution im Heim – und Revolte und Rockmusik gehen ja gern Hand in Hand und sind ein unterhaltsames Paar. Live is Life - Die Spätzünder ist ein deutscher Gute-Laune-Filmspaß, der die Mundwinkel zwangsläufig nach oben zieht. Vor allem Joachim Fuchsberger und Bibiana Zeller versprühen als rockende Newcomer und Kern der Uralt-Band einen silbergrauen Charme, dem man sich einfach nicht entziehen kann.

Ein Film, der einfach nur Spaß macht

Als die ARD am 3. Februar 2010 die SWR-Produktion Die Spätzünder zum ersten Mal ausstrahlte, bewies sie, dass sie gutes Zielgruppenfernsehen doch noch kann. Die TV-Komödie mit Jan Josef Liefers als zum Sozialdienst im Altersheim verurteilten Musiker Rocco, der die Senioren zu einem Bandcontest ermutigt, macht nämlich einfach nur Spaß. Kein sozialkritisches Porträt abgeschobener Alter, sondern eine mit leichter Hand erzählte, fluffige Komödie über Jung und Alt - über «Rocco und die Herzschrittmacher» - wird uns hier geboten. Die Spätzünder - nun auch auf DVD - zeigen, dass man bei Filmen über alte Menschen nicht notgedrungen die Moralkeule schwingen muss.

Titel: Live is Life - Die Spätzünder
Regie: Wolfgang Murnberger
Hauptdarsteller: Jan Josef Liefers, Ursula Strauss, Joachim Fuchsberger
Spielzeit: 120 Min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Preis: 9, 99 Euro
Veröffentlichung: 24. September 2010


 

car/news.de

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