Zoff um Kino-Doku Halmich fühlt sich «arglistig getäuscht»

Regina Halmich ist sauer. Ohne ihr Wissen kam ein Film über sie, der ursprünglich fürs TV geplant war, in die Kinos. Nun befasst sich das Oberlandesgericht Karlsruhe mit dem Streit zwischen der Ex-Boxweltmeisterin und der Produzentin - bisher ohne Einigung.

Schadenersatzstreit um Halmich-Doku vor dem Oberlandesgericht (Foto)
Regina Halmich hat gegen eine Kino-Doku über ihr Leben geklagt. Bild: ddp

Der Schadenersatzstreit um den Dokumentarfilm Königin im Ring über Ex-Boxweltmeisterin Regina Halmich ist auch in zweiter Instanz nicht beigelegt worden. In der Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe kam am Mittwoch trotz eines Vergleichsvorschlags des Gerichts keine gütliche Einigung zwischen Halmich und den Filmproduzenten zustande. Das OLG will sein Urteil nun am 1. September verkünden - es sei denn, die beiden Parteien einigen sich bis dahin doch noch gütlich.

Königin am Ring war am 3. Juni ins Kino gekommen, obwohl Halmich eine Kinovorführung verhindern wollte. Nach ihrer Auffassung war vereinbart, dass der Film über ihr Leben nur im Fernsehen laufen sollte. Sie sieht eine «arglistige Täuschung» und einen Eingriff in ihr Persönlichkeitsrecht - das Recht am eigenen Bild.

«Zweifel» am Standpunkt der Produzenten

Das Landgericht Karlsruhe hatte in erster Instanz entschieden, dass die Produzenten verpflichtet seien, Halmich sämtlichen Schaden zu ersetzen, der ihr mit der kommerziellen Verwertung der Filmbiografie im Kino entstanden sei und künftig noch entstehe. Die Produzenten legten dagegen Berufung ein, über die nun das Oberlandesgericht verhandelte. Dabei machte der Vorsitzende Richter mehrfach deutlich, dass das OLG «Zweifel» am Standpunkt der Produzenten habe.

Die Dokumentation von Regisseurin und Produzentin Simone Jung war im August 2009 im Fernsehsender Arte gezeigt worden. Im Zentrum der 90-minütigen Doku stehen die harte Welt des Boxsports und das private Umfeld der Sportlerin.

Halmich war bei der OLG-Verhandlung nicht anwesend. Die 33-jährige Karlsruherin hatte am 30. November 2007 die Boxhandschuhe an den Nagel gehängt - nach zwölf Jahren als ungeschlagene Box-Weltmeisterin.

Dem Landgerichts-Urteil zufolge hatte Halmich mit den Produzenten zunächst einen Vertrag über ihre Mitwirkung und die Sendung des Films im Fernsehen unterzeichnet. Für den Fall der weiteren Verwertung, insbesondere im Kino, sollte noch ein branchenüblicher Verwertungsvertrag abgeschlossen werden.

Halmich fühlt sich getäuscht

Später sei Halmich eine Zusatzvereinbarung vorgelegt worden, mit der sie auf einen Verwertungsvertrag verzichtete. Halmich unterschrieb diese Erklärung, focht sie aber in der Folge mit der Begründung wieder an, ihr sei vorgetäuscht worden, dass es sich bei der Vereinbarung um eine bloße Formalie zur Erlangung staatlicher Fördergelder handle. Das Landgericht erklärte die Zusatzvereinbarung schließlich für unwirksam.

Der OLG-Richter sagte nun, das Vorgehen der Produzenten könnte «ein Indiz dafür sein, dass man Halmich überrumpeln wollte». Die Zusatzvereinbarung sei «sehr verklausuliert» gewesen. Dem hielt der Produzenten-Anwalt entgegen, Halmich sei als gelernte Rechtsanwaltsgehilfin mit juristischen Dingen vertraut und «keine unbedarfte Person». Falls das OLG nicht im Sinne der Produzenten entscheide, werde man voraussichtlich vor den Bundesgerichtshof gehen, sagte er.

Der Vergleichsverschlag des OLG sah die Zahlung von 40.000 Euro an Halmich vor. Die Produzenten wollten allerdings zugleich festgeschrieben haben, dass Halmichs Rechte damit umfassend abgegolten wären. Eine solche weitgehende Einwilligungserklärung lehnte Halmichs Anwalt ab, weil nicht abzusehen sei, welche anderen Verwertungsmöglichkeiten des Films es in Zukunft noch geben könnte.

car/news.de/ddp

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