«Tandoori Love» Fondue mit Chili

Tandoori Love (Foto)
Die Kellnerin Sonja (Lavinia Wilson) verdreht dem indischen Koch Rajah den Kopf. Bild: ddp

Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Bollywood im Berner Vorland – kann das gut gehen? Oder umgekehrt: Ein Heimatfilm mit lauter Ausländern – passt das? Tandoori Love wagt den Versuch. Regisseur Oliver Paulus verbindet darin seine Vorlieben für Indien und fürs Kochen. Und das Ergebnis ist durchaus charmant.

In einem kleinen Ort in der Schweiz dreht ein Team aus Indien einen Film. Rajah (Vijay Raaz), der am Set für die Verköstigung der Stars zuständig ist, verliebt sich dann aber im Supermarkt in Sonja (Lavinia Wilson), die Kellnerin aus der Dorfgaststätte «Zum Hirschen». Um sie für sich gewinnen zu können, heuert Rajah als Koch im «Hirschen» an. Das Lokal floriert – doch die Filmcrew darbt so sehr, dass schon bald die ganze Produktion vor dem Aus steht. Und Sonjas Verlobter Markus, dem das Gasthaus gehört, ahnt nichts davon, dass er sich nicht nur einen Meisterkoch, sondern auch einen Nebenbuhler ins Haus geholt hat.

«Vijay ist ja nicht der klassische Schönling. Aber er hat mich und uns alle mit seinem Charme überzeugt», erzählt Hauptdarstellerin Lavinia Wilson über die Dreharbeiten zu der Komödie. In einem Plot, dessen Verlauf ziemlich früh auf der Hand liegt, ist sie zwar fast ein bisschen unterfordert. Trotzdem vermag sie es mit ihrem Spiel, die Figur der Sonja in eine Dimension jenseits der Klischees zu führen und sie als Frau auf der Suche nach sich selbst zu zeigen.

Lavinia Wilson
Talentiert, ehrgeizig und wandelbar

Doch Charaktere und Handlung sind hier gar nicht das Entscheidende. Es geht vielmehr um das Spiel mit Formen. Ganz ähnlich wie Fatih Akin im durchaus geistesverwandten Soul Kitchen versteht es Paulus dabei, kulturelle Schranken und rassistische Vorurteile auf beiden Seiten mit großer Leichtigkeit vorzuführen. Dazu hat er in Tandoori Love ein paar sehr nette Schmankerl eingebaut: Die zickige indische Diva am Set besteht darauf, wie Heidi leben zu wollen. Die Stammtisch-Schweizer preisen, umringt von tanzenden Kühen, die Vorzüge von Käse und Schokolade. Und der indische Regisseur verlangt von seinen Darstellern immer nur eins: «Mehr Tränen!»

Paulus zeigt damit nicht nur, dass er das eigene Metier auch mit einem Augenzwinkern zu betrachten versteht. Er sieht diesen Running Gag von Tandoori Love auch als «Appell für mehr Mut zum Kitsch». Und gerade dieser Mut ist das reizvollste an seinem Film. Es gibt kitschige Balladen vor malerischer Bergkulisse. Völlig unvermittelt beginnen mitunter psychedelische Tanzeinlagen. Und nicht zuletzt sind da betörende Inszenierungen der Kochszenen – seit 9 ½ Wochen wurden Lebensmittel nicht mehr so verführerisch fotografiert.

Alles, was Kino ausmacht, wird hier übergroß gefeiert: Effekte, Farben, Zauber. Wer Bollywood mag (oder Filme, in denen das Kino mit sich selbst spielt), der kommt dabei auf seine Kosten. Für alle anderen bleibt eine mutige, wenn auch nicht umwerfende Komödie.

Titel: Tandoori Love
Regie: Oliver Paulus
Darsteller: Lavinia Wilson, Martin Schick, Vijay Raaz, Shweta Agarwal, Verena Zimmermann
Produktionsland: Schweiz/Deutschland/Österreich 2008
Laufzeit: 92 Minuten
FSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 27. Mai 2010

ruk/news.de

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