Oscars Das blaue Wunder fällt aus

Ben Stiller als einer der Charaktere von Avatar. Es half nichts. Der Fantasie-Film setzte sich nicht (Foto)
Ben Stiller als einer der Charaktere von Avatar. Es half nichts. Der Fantasie-Film setzte sich nicht gegen das Kriegsdrama durch. Bild: ap

Wann war eine Oscar-Verleihung eigentlich so spannend wie diese? Und wann wurde sie zuletzt von solchen Gegensätzen bestimmt? Ein Überblick über die Gewinner und Verlierer der Oscars-Verleihung 2010.

Bei der 82. Vergabe der weltweit bekanntesten Filmpreise galten James Cameron, Schöpfer des Fantasy-Films Avatar, und Kathryn Bigelow mit ihrem Irakkrieg-Drama The Hurt Locker als die beiden großen Favoriten. Faszinierend war dieser Wettstreit nicht nur, weil die beiden einmal ein Ehepaar waren.

Ihre Filme, jeweils neunmal nominiert, verkörpern auch zwei gegensätzliche Konzepte: Hier ein visionäres 500-Millionen-Dollar-Spektakel mit blauhäutigen Trickfiguren, das sich in kürzester Zeit zum erfolgreichsten Film aller Zeiten entwickelte, dort ein kompromissloses, sperriges Kriegsdrama, das nur kurz im Kino lief und bis jetzt gerade eine Million Dollar mehr einbrachte, als es kostete.

Die Allerwenigsten hatten wohl erwartet, dass Bigelow, die in der Zuschauerreihe vor Cameron saß, mit insgesamt sechs zu drei Oscars die Nase so weit vorne haben würde. Kaum hatte sie sich von der Verleihung des Oscars für die beste Regie erholt, als ihr auch schon der Oscar für den besten Film in die Hand gedrückt wurde. Der Ex wahrte jedoch die Fassung und gratulierte ihrem Team umgehend. Im Trubel ging fast unter, dass Bigelow als erste Frau einen Regie-Oscar erhielt.

Oscars 2010
Die Gewinner
Sandra Bullock. (Foto) Zur Fotostrecke

«Das weiße Band» ging wider Erwarten leer aus

Enttäuscht wurden auch die deutschen Hoffnungen. Zwar holte der Österreicher Christoph Waltz gleich zu Beginn der Show, mit leicht zitternder Stimme und ganz ohne sein markantes schiefes Haifischgrinsen, den Oscar für seine wahnwitzig gute Nebenrolle eines zynischen Nazis in Quentin Tarantinos deutsch-amerikanischer Koproduktion Inglourious Basterds ab. In der Kategorie des besten fremdsprachigen Films siegte dagegen der argentinische Film El Secreto de Sus Ojos über den haushohen deutschen Favoriten Das weiße Band.

Zum Glück hatte Regisseur Michael Haneke zuvor auf dem roten Teppich angemerkt, dass für ihn die bereits errungene Goldene Palme in Cannes eine größere künstlerische Anerkennung bedeute als ein eventueller Oscargewinn. Auch den Preis für die beste Kamera gewann nicht sein nominierter Kameramann Christian Berger, sondern das Avatar-Team.

Sandra Bullock
Mehr als nur «Miss Undercover»
Video: news.de

Die anderen Favoriten unter den diesmal von fünf auf zehn Kandidaten erhöhten Nominierungen für den besten Film, darunter Up in the Air, A Serious Man, An Education und District 9, gingen leer aus. Lediglich das Sozialdrama Precious wurde mit einem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch sowie für die weibliche Nebenrolle, Mo'nique, ausgezeichnet. Der Trickfilm Oben, ebenfalls als bester Film nominiert, gewann den Oscar für den Animationsfilm und für Filmmusik. Der Dokumentarfilm-Oscar ging an The Cove, ein Enthüllungsfilm von Tierschützern über das Delfinschlachten in Japan.

Recht schadenfroh hielten die Kameramänner auf das versteinerte Gesicht von George Clooney, als Jeff Bridges statt seiner den Hauptrollen-Oscar überreicht bekam. Fünfmal war der ewig Unterschätzte bisher nominiert, mit der Rolle eines heruntergekommenen Countrysängers in Crazy Heart hat es endlich geklappt. Der Dude zeigte sich bei der Preisübergabe so heiter-entspannt, wie man es seit seinem Komödienhit The Big Lebowski von ihm gewohnt ist.

Sandra Bullock ist die Königin der Herzen

Doch es wurde auch viel geweint: Besonders Sandra Bullock, die noch am Vorabend mit souveräner Selbstironie die «Goldene Himbeere» als schlechteste Darstellerin für ihren Film Verrückt nach Steve entgegengenommen hatte, vergoss Tränen, als ihr für Blind Sight die Trophäe überreicht wurde. Der begeisterte Applaus bewies, dass der Preis selten jemand so gegönnt wurde wie dieser Königin der Herzen, die zum ersten Mal zur Wahl stand und vom Publikum geliebt, von der Kritik aber meist abgewatscht wird. Auch bei Gabourey Sidibe, der schwergewichtigen Heldin von Precious, kullerten die Tränen, als sie von Oprah Winfrey bei der Vorstellung der nominierten Schauspielerinnen in höchsten Tönen gelobt wurde.

Die Moderation teilten sich Steve Martin und Alec Baldwin, die vor kurzem noch in der Komödie Wenn Liebe so einfach wäre um die Gunst von Meryl Streep wetteiferten. Für ihre Komödie Julie & Julia war Streep, natürlich, auch nominiert, zum 16. Mal - und musste deshalb einige Witze über sich ergehen lassen. Aufgelockert wurde die Show zudem von kabarettistischen Einlagen der Moderatoren, die zum Beispiel wie im Horrorfilm Paranormal Activity gemeinsam im Bett zu sehen waren.

Modisch war die Oscarverleihung in diesem Jahr eher unergiebig; im Jahr eins nach der Wirtschaftskrise dominierten klassisch-dezente Roben in Edelgrau oder in Pastell- und Hautfarben. Lediglich Gabourey Sidibe trug ein wunderschönes, leuchtendes Avatar-Blau.

tfa/bla/reu/news.de/ap

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige