Irak gegen Pandora Spannendes Kräftemessen beim Oscar

Cameron (Foto)
James Cameron beim Lunch der Nominierten in Beverly Hills. Bild: dpa

Von Barbara Munker
James Cameron und sein Epos Pandora gelten als große Favoriten auf einen Oscar. Doch möglicherweise stehlen ihm einige kleinere Produktionen in diesem Jahr die Show.

Rein rechnerisch kann James Cameron im Rennen um die wichtigsten Oscars einpacken. Nicht sein Science-Fiction- Spektakel Avatar – Aufbruch nach Pandora, sondern das Irak-Kriegs- Drama Tödliches Kommando – The Hurt Locker – von Camerons Ex-Frau Kathryn Bigelow inszeniert – hatte im Januar den Spitzenpreis der Hollywood-Produzenten gewonnen. In den vergangenen 20 Jahren setzten die Produzenten und die Mitglieder der Oscar-Akademie immerhin dreizehn Mal auf denselben Film, auch 2009, als das Sozialdrama Slumdog Millionär beide Trophäen abkassierte.

Auch als «bester Regisseur» hat Cameron bei den diesjährigen Oscars statistisch gesehen schlechte Karten. Der Verband amerikanischer Regisseure (DGA) zeichnete Bigelow in diesem Jahr aus. Seit 1950 holten alle DGA-Gewinner – bis auf sechs – auch den Regie-Oscar. Bei der Golden-Globe-Vergabe im Januar hatte Cameron das pikante Kräftemessen des geschiedenen Ehepaares dagegen klar gewonnen. Der Oscar-Preisträger (Titanic) räumte mit seinen blauen Außerirdischen vom Planeten Pandora gleich doppelt ab, als bester Regisseur und für den besten Film. Dafür musste der 55-jährige Kanadier kürzlich bei der Verleihung der britischen Bafta-Filmpreise zuschauen, wie Bigelow sechs Preise holte, während Avatar mit zwei Trophäen in den eher unwichtigen Kategorien bestes Produktionsdesign und beste Spezialeffekte abgespeist wurde.

Die Endrunde in der Oscar-Nacht dürfte spannend werden, denn es sind auch noch schwergewichtige Mitstreiter im Spiel. Neben Avatar und The Hurt Locker mit jeweils neun Nominierungen treten Quentin Tarantinos Inglorious Basterds mit acht Anwartschaften in den Ring, gefolgt von Precious und Up in the Air mit je sechs Gewinnchancen. Der Oscar-Experte Tom O'Neil von der Los Angeles Times prophezeit einen Überraschungssieg der Nazi-Satire Inglourious Basterds als bester Film und für das Original-Drehbuch.

Erste Frau mit einem Regie-Oscar?

Der «Oscar-Buzz» dreht sich vor allem um den Kampf David gegen Goliath: Das 3D-Spektakel Avatar verschlang ein Budget von 500 Millionen Dollar und spielte weltweit – als erfolgreichster Film aller Zeiten – schon etwa 2,5 Milliarden Dollar ein. The Hurt Locker kostete gerade mal 15 Millionen Dollar, machte aber an den Kinokassen die Ausgaben kaum wett. Cameron zog alle Register ausgefeilter Spezialeffekte, während Bigelow auf menschliche Emotionen und brutale Kriegs-Realität setzte. Nach seinem elffachen Oscar-Sieg mit dem Schiffsuntergangsdrama Titanic trumpfte Cameron vor zwölf Jahren als «König der Welt» auf, Bigelow war nie zuvor für einen Oscar nominiert worden. Gewinnt sie in diesem Jahr, so würde die 58-Jährige als erste Frau mit einem Regie-Oscar in die Geschichte eingehen.

Erstmals seit der 16. Oscar-Verleihung im Jahr 1943 sind statt der üblichen fünf Filme jetzt wieder zehn Produktionen im Rennen um den Oscar in der Königskategorie «bester Film». Nach dem neuen Verfahren werden die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences die nominierten Filme in einer Rangfolge von eins bis zehn bewerten. Durch das neue Abstimmungsprinzip erhalten auch zweit- und drittplatzierte Filme im Falle eines knappen Wahlausgangs mehr Gewicht bei der Ermittlung des Siegers. Unter den Top Ten ist der Animationsfilm Oben aus der Trickfilmschmiede Pixar und das rührselige Sport-Melodrama Blind Side – Die große Chance, das Sandra Bullock den ersten Oscar bescheren könnte.

Komödien-Star Bullock, die in Blind Side eine wohlhabende Hausfrau spielt, die einen vernachlässigten schwarzen Teenager in ihre Familie aufnimmt, gilt als Favoritin für die Trophäe. Die Golden-Globe-Gewinnerin würde damit Helen Mirren (Ein russischer Sommer), Carey Mulligan (An Education), Gabourey Sidibe (Precious) und Meryl Streep als Starköchin Julia Child in Julie & Julia ausstechen. Als saufender Country-Musiker in Crazy Heart könnte Jeff Bridges nach vier vergeblichen Anläufen seinen ersten Oscar gewinnen. Mit ihm gehen George Clooney (Up in the Air), Morgan Freeman (Invictus), Colin Firth (A Single Man) und Jeremy Renner (The Hurt Locker) in das Rennen um den Hauptrollen-Oscar.

Hoffen auf 55 Millionen Zuschauer

Christoph Waltz sollte unbedingt eine Dankesrede parat haben. Nachdem der 53-jährige Österreicher für seine Inglourious-Basterds-Nebenrolle als SS-Mann bereits jeden erdenklichen Filmpreis gewonnen hat, ist ihm Oscar quasi sicher. Die Komödiantin Mo'Nique könnte mit ihrer Nebenrolle als tyrannische Mutter in dem beklemmenden Sozialdrama Precious ihren Siegeszug in Hollywood fortsetzen.

Auch die Oscar-Akademie möchte als Gewinner glänzen, sprich mehr Zuschauern bei der dreistündigen Gala vor den Bildschirm locken. Mit dem Blockbuster Avatar im Rennen träumen die Veranstalter von Einschaltquoten wie im Jahr 1998, als 55 Millionen Zuschauer den Titanic-Triumph mitverfolgten. Knapp 37 Millionen Menschen schauten sich im vergangenen Jahr den Sieg des weniger bekannten Dramas Slumdog Millionär an. Mit Steve Martin und Alec Baldwin als Moderatoren führen gleich zwei Stars durch die Oscar-Nacht.

Show-Produzent Adam Shankman, der Filme wie Hairspray und Wedding Planner – Verliebt, verlobt, verplant inszenierte, verriet schon vorab, dass die Star-Komödianten Steve Carell, Tina Fey, Ben Stiller und Sacha Baron Cohen Trophäen verteilten werden. Zu dem Staraufgebot gehören auch Kate Winslet, Penélope Cruz und Sean Penn. Erstmals werden die Twilight-Stars Kristen Stewart und Taylor Lautner auf der Oscar-Bühne stehen, ein Lockmittel für jüngere Zuschauer. Der amerikanische Musiker Joel Madden, Frontmann der Gruppe Good Charlotte, soll der Oscar-Gala als DJ Schwung verleihen. «Ich möchte für Party-Stimmung sorgen und sicher stellen, dass jeder im Saal gute Laune hat», kündigte Shankman vor dem Countdown für die Trophäen-Show an.

tfa/news.de/dpa

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