«Surrogates» Stirb doppelt

Surrogates (Foto)
Ausnahmsweise mal nicht blutverschmiert: Bruce Willis in Surrogates. Bild: Touchstone Pictures

Wir kennen ihn als raubeinigen Raufbold mit Glatze auf der Leinwand. In Surrogates zeigt sich Bruce Willis nun mit Modelgesicht - und Haaren. Ansonsten bleibt der Film eine oberflächliche, aber solide Comic-Verfilmung.

«Ein makelloses Ich, ­ was könnte daran falsch sein?» Die Werbebotschaft ist eindeutig, und die Menschen im Boston der nahen Zukunft finden Gefallen daran; Gefallen an einer scheinbar idealen Welt.

Keine Verbrechen und keine Krankheiten, dafür grenzenlose Schönheit und hemmungsloser Sex ohne Konsequenzen. Alles ist möglich, dank der Surrogates. Diese Roboter sind getunte Abbilder ihrer Besitzer und lassen sich bequem vom Wohnzimmer aus per Gedanken fernsteuern. Doch die schöne, neue Welt gerät ins Wanken, als ein Mord geschieht, der erste seit 15 Jahren. Als ihre synthetischen Stellvertreter in einer dunklen Gasse zerstört werden, sterben auch die mit ihnen vernetzten Besitzer. FBI-Agent Tom Greer (Bruce Willis) steht vor einem Rätsel. Denn technisch sollte das unmöglich sein.

«Surrogates»
Jeder steuert sein zweites Ich
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Straffe Schnitzeljagd

«In unserem Film repräsentieren diese ‹Ersatzmenschen› die absolute Freiheit: Ob Job, Einkauf, Thrill oder sexuelles Vergnügen, die Surrogates erledigen das, ­ man muss sich nur Zuhause einstöpseln», erklärt Regisseur Jonathan Mostow (Terminator 3 ­ - Rebellion der Maschinen).

Die Geschichte basiert auf der Graphic Novel The Surrogates (2005) von Robert Venditti und Brett Weldele. Autor Venditti entwickelte sie fasziniert von Menschen, die selbst im Alltag völlig in ihren Alter Egos bei Online-Rollenspielen wie Second Life aufgehen. «Sie haben sich so sehr mit ihnen identifiziert, dass sie darüber ihre Jobs verloren und ihre Ehen ruinierten, ­ nur weil sie sich von ihrem Spiel, der Person, die sie ‹geschaffen› hatten, nicht mehr trennen konnten», sagt er. Mostow machte aus dem Stoff mit dem actionlastigen Science-Fictionfilm Surrogates - Mein zweites Ich eine straffe Schnitzeljagd, die allerdings selten einen Blick zur Seite wagt.

«Surrogates»
Kein Risiko, keine Gefahr
Video: Touchstone Pictures

Bei ihren Ermittlungen kommen Greer, der zunehmend an seinem künstlichen Leben zweifelt, und seine Kollegin Jennifer Peters (Radha Mitchell) nach und nach einer Verschwörung auf die Spur. Einer der beiden Toten, ein junger Student, ist der Sohn des Surrogates-Erfinders. Lionel Canter (James Cromwell) hatte sie ursprünglich entwickelt, um kranken und körperlich behinderten Menschen Heilung zu bringen. ­ Er selbst ist an den Rollstuhl gefesselt. Die Roboter entpuppen sich aber zunehmend als «Heilsbringer» für Militär und Industrie. Greer und Peters sind wie die meisten Menschen in Abhängigkeit von der Technik geraten. Sie leben isoliert, gehen kaum mehr vor die Tür und verbringen den ganzen Tag in hochtechnisierten Liegestühlen mit ihren Steuerungseinheiten. Zum Arbeiten, in die Disco, an die Front werden die Kopien geschickt.

Kritik an nur oberflächlicher Kritik

Ein paar wenige Menschen kämpfen gegen das Diktat der Technologie und ziehen sich unter ihrem Führer, dem sogenannten Propheten (Ving Rhames), in Ghettos zurück. Dort sucht Greer nach der geheimnisvollen Waffe, mit der die beiden Surrogates und ihre Besitzer angegriffen wurden. Als er selbst seinen Surrogate verliert und vom Dienst suspendiert wird, ermittelt er auf eigene Faust ­ und vertraut erstmals seit Jahren auf seinen eigenen, von den Jahren der Isolation gezeichneten Körper in einer ihm fremd gewordenen Welt.

Mostow hat einen gefälligen Action-Streifen geschaffen, der das Potenzial des Plots allerdings zu wenig nutzt. Die Kritik an der zunehmenden Abhängigkeit von Technik, Realitätsflucht und Entfremdung der Menschen bleibt meist an der Oberfläche. Nach der Veröffentlichung der ersten Trailer stürmte die Graphic Novel die New York Times-Bestsellerliste. Ein ähnlicher Erfolg wird dem Film wohl verwehrt bleiben. In den USA hat Surrogates - ­ Mein zweites Ich reichlich Kritik einstecken müssen und so das erhoffte laute Klingeln an den Kassen ausbleiben lassen.

voc/bla/news.de/dpa

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