Interview mit Simon Verhoeven «Til hat sich nicht als Star aufgeführt»

Simon Verhoeven (Foto)
Simon Verhoeven legt mit Männerherzen seine zweite Regiearbeit vor. Bild: ddp

Von news.de-Mitarbeiter Dieter Oßwald
Mit 100 Pro gab Simon Verhoeven 2003 sein Regiedebüt, nun präsentiert der Sohn von Michael Verhoeven und Senta Berger seinen zweiten Streich: Männerherzen. Mit news.de spricht er über Til Schweiger, die männliche Sicht auf die Liebe und berühmte Eltern.

Kann man Ihren Film Männerherzen als eine Art Sex in the City für Männer verstehen?

Verhoeven: Das könnte man fast so sagen (lacht). Unser Grundgedanke war tatsächlich, dass romantische Komödien bislang immer etwas frauenlastig sind in ihrer Sichtweise, wie ein Mann zu sein hat. Mich interessiert die Sicht der Männer auf die Liebe. Die Position der Männer heutzutage ist ziemlich unklar. Die alten Rollenbilder sind zerstört, es gibt kein Patentrezept zum Glück und keine Prototypen zur männlichen Identität mehr oder besser gesagt: Es gibt zu viele.

John Wayne würde wohl vom Sattel fallen ...

Verhoeven: Das hoffe ich sehr! Wobei John Wayne natürlich nichts umgehauen hat. Aber vielleicht hätte er immerhin ein gewisses Lächeln auf den Lippen.

Simon Verhoeven
Sohn berühmter Eltern
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Ist Männerherzen ein Film für Männer oder für Frauen?

Verhoeven: Die Testvorstellungen haben gezeigt, dass der Film nicht nur bei Männern, sondern erstaunlicherweise auch bei Frauen gut ankommt, was uns ebenso überrascht wie auch gefreut hat. Frauen verspüren offensichtlich eine diebische Freude daran, einmal die Männerseite mit all ihren Nöten und Problemen zu erleben. Auffallend war, dass Frauen an ganz anderen Stellen lachen als Männer. Ironisch gesagt geht es hier ein bisschen um Das Leben der Anderen.

Die beiden oscargekrönten Produzenten Quirin Berg und Max Wiedemann vom originalen Das Leben der Anderen haben auch Ihre Männerherzen produziert – ist man als Jungfilmer dabei auf gleicher Augenhöhe?

Verhoeven: Ihren Status haben mich die beiden nie spüren lassen, ich musste jedenfalls morgens nicht vor dem Oscar niederknien (lacht). Die beiden sind ganz normale Jungs mit einer großen Leidenschaft für das Kino. Ihr Interesse an dem Projekt kam daher, weil sie das Thema «Männliche Lebensplanung im Jahr 2009» persönlich sehr interessierte – das war mein Glück!

Ihre Schauspieler - Til Schweiger, Christian Ulmen, Nadja Uhl - sind keine unbekannten – wie gibt man als Jungfilmer einem Tarantino erprobten Til Schweiger erfolgreich Regieanweisungen?

Verhoeven: Davor hatte ich am Anfang ganz ehrlich etwas Bammel. Beim ersten Gespräch hat sich die Angst allerdings schnell gelegt. Wir haben uns ganz normal unterhalten, ohne dass Til sich als Star aufgeführt hat. Beim Dreh muss man sich allerdings schon trauen, ihm etwas zu sagen – aber das möchte er auch. Er respektiert es, wenn ein Regisseur weiß, was er will, und er kann es nicht leiden, wenn Leute vor ihm kuschen.

Endet das Spiel mit Klischees nicht sehr leicht selbst im Klischee?

Verhoeven: Den Klischeevorwurf könnte man jedem Film machen, wenn man will. Komödien funktionieren immer situativ, über Typen und über Gegenüberstellungen von Interessen und Menschen. Es kommt doch darauf, wie ein Film mit Klischees spielt, ob er sie bricht, ob er sie eindimensional oder widersprüchlich präsentiert. Wir wollten eine leichte Komödie machen, mit Figuren, die als Prototypen männliche Eigenschaften verkörpern, aus denen am Schluss wie in einem Mosaik so etwas wie ein Gesamtcharakter entsteht. Wobei wir unsere Archetypen stets mit Selbstzweifeln und augenzwinkernd präsentieren.

Gab es den Song zum Film nicht schon vor vielen Jahren von Herbert Grönemeyer mit Männer?

Verhoeven: Grönemeyer schrieb einen genialen Text, der Männer mit viel Humor und Gefühl in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit zeigt. Eine ähnliche Tonalität findet sich sicher auch in Männerherzen. Aber natürlich will ich mir nicht anmaßen, mich mit Grönemeyer zu vergleichen – seine Männer sind ein Song für die Ewigkeit, unser Film bietet zunächst mal Gelegenheit für einen schönen Kinoabend.

Ist es eher Fluch oder Segen, wenn man als Künstler berühmte Eltern hat?

Verhoeven: Fluch wäre vielleicht zu hart formuliert, aber man wird eben leider stets als Sohn wahrgenommen, selbst wenn man längst seinen eigenen Weg geht. Diese Frage nach den Fußstapfen kommt fast in jedem Gespräch auf mich zu. Andererseits habe ich durch meine Eltern schon früh erfahren, dass Film vor allem Handwerk und Arbeit ist – und eben nicht nur nett lächeln und über den roten Teppich laufen.

Simon Verhoeven, 1972 in München geboren und Sohn von Schauspielerin Senta Berger und Regisseur Michael Verhoeven, begann nach seinem Abitur eine Schauspielausbildung am Lee Strasberg Theatre Institute in New York. Dann studierte er Jazzkomposition und Filmmusik in Boston und später, erneut in New York, Filmregie. Als Schauspieler war er unter anderem 2008 in dem Film Mogadischu über die Flugzeugentführung der Landshut von 1977 zu sehen. Mit Männerherzen legt er seine zweite Regiearbeit vor; der Film startet am 8. Oktober in den Kinos.

car/bla/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Mareike
  • Kommentar 1
  • 07.10.2009 13:01

Verhoeven ist ein sympathischer Typ. Vor allem aber kann er wirklich gute Filme machen. Mein Freund und ich hatten einen gestern wunderbaren Kinoabend... wir haben uns schief gelacht! Männerherzen ist die schönste und lustigste, deutsche Komödie seit langer Zeit. Danke!

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