Interview mit Denzel Washington «Böse Buben haben mehr Spaß»

Cop, Anwalt, Bürgerrechtler: Denzel Washington spielt oft Rollen, die Macht und Autorität ausstrahlen. In Pelham 123 gerät er in eine Geiselnahme. News.de verrät der US-Star, was er als Kind in U-Bahnen trieb und wem er seinen Oscar verdankt.

Denzel Washington gerät in dem Kinofilm «Pelham 123» in eine Geiselnahme (Foto)
In dem Film «Pelham 123» hat es Denzel Washington als Fahrdienstleiter der New Yorker Subway mit einem eiskalten Geiselnehmer zu tun. Bild: dpa

Wann sind Sie zum letzten Mal mit der U-Bahn gefahren?

Washington: Ich lebe schon seit etlichen Jahren in Los Angeles, da wäre die U-Bahn für mich nicht sehr praktisch. Nach New York komme ich meist nur wegen der Arbeit – und da bekommt man einen Fahrer gestellt. Es ist also schon eine ziemliche Weile her, dass ich U-Bahn fuhr.

Als Kid aus New York haben Sie aber wohl genügend Erinnerungen an die U-Bahn?

Washington: Ich bin in New York aufgewachsen und habe damals jeden Tag den Zug Nummer 2 genommen. Als Junge habe ich zwischen den Stationen immer die Waggons gewechselt und bin an den Seiten des Zuges entlang geschlichen. Er konnte gar nicht weit genug fahren. Ob mir das U-Bahn-Gefühl heute fehlt? Absolut nicht! (lacht)

Denzel Washington: Ein ausgezeichnetes Arbeitstier

Für den Film sind Sie immerhin mitten im U-Bahn-Geschehen...

Washington: Der Dreh war kein Kinderspiel, wir mussten ein umfangreiches Sicherheitstraining absolvieren, bevor wir die Gleise betreten durften. Wir sahen Bilder von Leuten, die mit der Stromführung in Berührung kamen – das ist kein angenehmer Anblick. Ich habe sogar selbst einmal eine U-Bahn gesteuert – ein Kindheitstraum für mich wäre allerdings nicht Lokführer, sondern einmal am Steuer eines Maserati zu sitzen.

Die Vorlage für Ihren Film ist ein echter Klassiker, Remakes haben selten einen guten Ruf – was halten Sie von Neuauflagen auf der Leinwand?

Washington: Der Autor Brian Helgeland hatte seine ganz eigene Idee für einen Geiselnahme-Thriller. Er wusste, dass das Sony-Studio die Rechte am Originalfilm besaß und schlug ihnen deswegen eine Neuauflage vor – die Sache mit dem Remake war also nur ein Trick, um so schneller sein Projekt verwirklichen zu können.

«Filmemachen ist nicht schwierig»

Aus Alt mach’ Neu – wo liegen die Unterschiede zum Original?

Washington: In unserem Film spielt das Thema Wallstreet eine ganz wichtige Rolle – davon konnte im Original zwangsläufig noch keine Rede sein. Auch das Dilemma, in dem meine Figur steckt, ist von aktuellen Ereignissen inspiriert, von einem realen U-Bahn-Angestellten, der sich beim Einkauf von Zügen korrupt verhielt.

Für Regisseur Tony Scott ist New York wie eine eigene Figur im Film – wie sehen Sie das?

Washington: Das ist eher die Sache des Regisseurs als des Schauspielers. Tony hat die Schauplätze ausgesucht und sich für einen bestimmten Stil seiner Inszenierung entschieden. Für meinen Job war es dagegen kaum relevant, ob die Stadt einen eigenen Charakter darstellt – dadurch würde sich meine Art des Spielens ja nicht verändern.

Macht Ihnen eine gebrochene Figur mehr Spaß als der Saubermann?

Washington: Ich sagte Tony von Anfang an, dass ich diesmal keinen Cop spielen möchte, denn diese Rolle habe ich schon oft genug gespielt. Dass dieser U-Bahn-Angestellte in diese Geiselnahme gerät, ist reiner Zufall, auch irgend jemand sonst hätte diesen Anruf entgegennehmen können. Das war einfach Schicksal.

In der ersten Hälfte sehen Sie Ihren Gegner, den von John Travolta gespielten Kidnapper, gar nicht. Wie schwierig ist es, gegen solch ein Phantom zu spielen?

Washington: Schwierig sind andere Dinge: nach Irak zu gehen in den Krieg zum Beispiel. Filmemachen ist nicht schwierig. Unsere Arbeit ist ja nur die bloße Illusion – und man kann jederzeit aufhören, wenn man möchte. Mir macht mein Job jedenfalls großen Spaß. Und wenn man sein Gegenüber nicht sieht, kann man viel mehr auf seine Vorstellungskraft setzen.

«Die passenden Drehbücher gibt es selten für mich»

Hätten Sie auch den Kidnapper spielen können?

Washington: Ich hatte sogar die freie Auswahl für die Rolle. Auf meinen Vorschlag hin kam dann schließlich John Travolta an Bord. Ich glaube allerdings nicht, dass das Studio mich unbedingt gerne in der Rolle des Bösewichts gesehen hätte. Beim Drehen habe ich mir manchmal gewünscht, die andere Rolle zu spielen – denn die bösen Buben haben im Film schließlich den meisten Spaß.

Warum spielen Sie dann nicht öfter den Bösewicht?

Washington: Weil man die passenden Drehbücher dazu benötigt, und die gibt es selten für mich. Ursprünglich wollte ich nicht einmal Training Day machen, erst mein Sohn hat mich dazu überredet – ohne ihn hätte ich den Oscar also nie gewonnen.

Hören Sie öfter auf Ihre Kinder?

Washington: Tatsächlich hat mein Sohn mich auch überredet American Gangster zu machen. Bei meinem nächsten Projekt wird er dann auch als assoziierter Produzent dabei sein. Sein Job ist zwar Football-Spieler, aber er hat sehr viel Ahnung vom Film – wie alle meine Kinder. Wenn mein Sohn seine Sport-Karriere beendet, wird er wohl schnell mein Boss werden. (lacht)

Was macht einen Stoff interessant für Sie?

Washington: Das kann ich gar nicht so eindeutig sagen. Es gibt immer verschiedenen Komponenten, die je nach Stimmung wechseln. Manchmal ist der Regisseur das überzeugende Moment, und bisweilen ist entscheidend, ob man von zu Hause weg möchte und den Drehort mag.

«Ich will mit Obama Basketball spielen»

Was war der bislang schönste Moment Ihrer Karriere?

Washington: Ich blicke nie zurück, sondern immer nach vorn – das ist ein guter Ratschlag, den mir mein Lehrer im Theater-College gegeben hat. Auch wenn ich im Fernsehen zufällig auf einen Film mit mir stoße, schaue ich allenfalls ein paar Szenen davon an, aber sicher nie den ganzen Film. Den einzigen Film, den ich mehr als einmal gesehen habe, war Training Day, weil ich das als Vorbereitung für meine eigenen Regie brauchte.

Was hat sich seit Barack Obama in Amerika verändert?

Washington: Ich wuchs in einer Generation auf, in der ich bestimmte Geschäfte nicht betreten oder Brunnen nicht benutzen durfte. Nun einen schwarzen Präsidenten zu erleben, ist natürlich großartig. Für meine Kinder ist das anders, da geht es weniger um Rasse als um den Wandel. Gerade unter jungen Leuten gab es diesen Wunsch nach einem Wechsel – aber der vollzieht sich nicht an einem Tag, das ist ein Prozess. Obama ist Präsident, aber er ist kein Zauberer.

Würden Sie Obama gerne einmal spielen wollen?

Washington: Ich würde gerne einmal Basketball mit ihm spielen. (lacht)

Denzel Washington (54) gilt als einer der renommiertesten Schauspieler von Hollywood und hat mehr als 30 Filme gedreht. Er wagte sich mit Philadelphia einst in den ersten Aids-Film von Hollywood. In Malcolm X und Schrei nach Freiheit zeigte er politisches Engagement. Für Training Day (bester Hauptdarsteller) und Glory (bester Nebendarsteller) bekam er den Oscar. Nun kommt Washington im Remake des Geiselnahme-Thrillers Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 ins Kino (Start in Deutschland: 24. September).

car/iwi/news.de

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