Später Start für Favoriten Heiße Phase für Oscar-Nominierungen beginnt

Vorweihnachtlicher Stress für die Mitglieder der Oscar-Akademie. In den nächsten Wochen entscheiden sie darüber, welche Filme bei der Verleihung am 22. Februar eine Nominierung erhalten. Kinofans in den USA fiebern derweil dem Dezember entgegen.

Wer liegt im Oscar-Rennen vorn? (Foto)
Roboter Wall-E studiert die Formel für den Oscar-Erfolg Bild: dpa

In diesem Jahr kommt die Oscar-Bescherung wohl erst kurz vor Weihnachten, denn die heißen Kandidaten treten ungewöhnlich spät auf die Leinwand. Das Historienepos Australia mit Nicole Kidman und Hugh Jackman läuft Ende November in den US-Kinos an, Der Vorleser am 10. Dezember. Fans von Brad Pitt in The Curious Case of Benjamin Button müssen sich bis zum 25. Dezember gedulden. Einen Tag später sind die Titanic-Stars Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in dem Drama Zeiten des Aufruhrs zu sehen.

Nach den Vorschriften der Oscar-Akademie müssen Filme vor dem Jahresende in US-Kinos angelaufen sein, um sich für eine Nominierung zu qualifizieren. Am 22. Januar, einem Donnerstag, werden die Nominierungen für den Filmpreis verkündet, zwei Tage später als sonst. Hollywood lässt Washington diesmal den Vortritt, denn am 20. Januar wird Barack Obama als US-Präsidenten feierlich vereidigt. Die Vergabe der Filmtrophäen geht dann am 22. Februar zum 81. Mal über die Bühne.

Mit Großanzeigen und Action-Trailern trumpft Walküre schon Wochen vor dem US-Kinostart am 26. Dezember auf, allerdings wird der Thriller mit Tom Cruise als Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg kaum als Oscar-Anwärter ernst genommen. Die Signale aus der Film-Blogger-Gemeinde sind gemixt. Cruise spreche nicht einmal mit einem deutschen Akzent. Andere sind von dem breiten Grinsen unter der Augenklappe genervt.

Zeichentrickfilme und Action-Streifen kommen in der Sparte «Bester Film» gewöhnlich nicht zum Zug, doch in diesem Jahr machen die Publikums-Favoriten Wall-E - Der Letzte räumt die Erde auf und das Batman-Abenteuer The Dark Knight Wirbel. Die jeweiligen Studios Walt Disney und Warner schicken ihre Blockbuster mit einer Werbeoffensive ins Oscar-Rennen. Erst einem Animationsfilm - Die Schöne und das Biest (1991) - ist es bisher gelungen, für den Haupt-Oscar nominiert zu werden.

The Dark Knight profitiert von dem Kritikerlob für den Joker- Darsteller Heath Ledger, der posthum eine Nominierung als bester Nebendarsteller gewinnen könnte. Zerschlagen haben sich aber schon die Hoffnungen des deutschen Filmkomponisten Hans Zimmer, der zusammen mit James Newton Howard den von Kritikern gepriesenen Soundtrack für den Film komponierte. Die Oscar-Akademie hat die Musik für den Batman-Streifen bereits aus dem Rennen ausgeschlossen, weil auch noch andere Komponisten an dem Score beteiligt waren. Nach Oscar-Regeln dürfen maximal zwei Nominierte den Hauptteil der Arbeit geleistet haben.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Oscar-Chancen «Der Baader-Meinhof-Komplex» hat

In diesem Jahr könnte es «Pop Oscars» geben, frotzelte unlängst die New York Times mit Blick auf die mögliche Nominierung der Kassenschlager. Bei der letzten Oscar-Verleihung waren das düstere Drama There Will Be Blood und der brutale Western No Country for Old Men die Favoriten, von den Kritikern geliebt, aber vom US- Publikum an den Kinokassen kaum gewürdigt. So schauten im Februar auch nur 32 Millionen US-Bürger bei der Preisverleihung am Bildschirm zu, verglichen mit über 55 Millionen Amerikanern, die 1998 den Goldregen für den Filmhit Titanic mitverfolgten.

Neben Dark Knight und Wall-E gibt es in dieser Oscar-Saison ein ausreichendes Angebot mit Tiefgang. Ende November bringt Gus Van Sant das Drama Milk heraus, mit Sean Penn in der Rolle des ersten offen schwulen US-Politikers Harvey Milk, der 1978 erschossen wurde. Ron Howard inszenierte Frost/Nixon über das legendäre Interview des Journalisten David Frost mit Richard Nixon. Clint Eastwood holte Angelina Jolie in Der fremde Sohn als Mutter eines entführten Kindes vor die Kamera. Der Vorleser mit Kate Winslet und David Kross in den Hauptrollen dreht sich um die heimliche Liebe zwischen einem Schüler und einer deutlich älteren Frau, die später bei einem Kriegsverbrecherprozess auf der Anklagebank sitzt. Winslet ist auch neben Leonardo DiCaprio in dem Drama Zeiten des Aufruhrs über ein zerbrochenes Ehepaar in den 1950er Jahren zu sehen. Oscar-Chancen hätte auch Meryl Streep als intrigante Nonne in dem Drama Doubt.

Erste Anhaltspunkte, wer auf eine Nominierung hoffen darf, gaben kürzlich acht Mitglieder der Oscar-Akademie in einem Gespräch mit der Los Angeles Times. Sieben von ihnen stimmten darin überein, dass Frost/Nixon eine Nominierung als Bester Film erhalten wird. Exzellente Chancen haben auch David Finchers The Curious Case of Benjamin Button sowie Gus Van Sants Milk mit jeweils sechs Stimmen.

Hervorragende Aussichten in der Kategorie «Bester männlicher Hauptdarsteller» haben nach Einschätzung der Academy-Mitglieder Mickey Rourke (The Wrestler) und Frank Langella (Frost/Nixon). Ebenfalls gut im Rennen: Sean Penn (Milk). Bei den Damen liegen Meryl Streep (Doubt) und Anne Hathaway (Rachel Getting Married) mit sieben Stimmen vorn. Berechtigte Hoffnungen könen sich anscheinend auch Angelina Jolie (Der fremde Sohn) und Kate Winslet (Zeiten des Aufruhrs) machen.

Der Baader Meinhof Komplex hat bereits die erste Hürde auf dem Weg zum Oscar geschafft. Der heiß diskutierte Kinofilm über die Bluttaten der Roten Armee Fraktion (RAF) von Regisseur Uli Edel geht als deutscher Kandidat ins Rennen um den Auslands-Oscar. Allerdings gibt es diesmal eine Rekordbeteiligung von 67 Ländern. Das Filmblatt Variety mäkelte bereits, dass der deutsche Film überfrachtet ist. LA Weekly klagte, dass gedanklicher Tiefgang hinter den vielen Action-Szenen zu kurz gekommen sei. «Oscar-Buzz», der wenig Hoffnung macht.

tko

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