Nach dem Brückeneinsturz in Genua: Brösel-Alarm! Die 10 baufälligsten Brücken Deutschlands

Wie sicher sind Deutschlands Brücken? Diese Frage stellen sich viele nach den Horror-Bildern der eingestürzten Brücke in Genua. Wir klären auf, wie es um den Zustand der Bauwerke in Deutschland bestellt ist.

Bauwerksprüfingenieure kontrollieren die Busanbrücke in der Hamburger Speicherstadt auf mögliche Schäden. Bild: Christian Charisius / dpa

Nach dem Einsturz der Morandi-Brücke im italienischen Genua mit mehreren Toten stellt sich die Frage nach dem Zustand von Brücken in Deutschland. Nach jüngsten Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) gibt es hierzulande fast 40.000 Brücken an Bundesfernstraßen - das heißt Autobahnbrücken und Brücken an Bundesstraßen mit Ortsdurchfahrten.

Ist wirklich nur jede achte deutsche Brücke in gutem Zustand?

Ja, nach Angaben der BAST ist der Zustand der Brückenflächen bei über 12 Prozent "sehr gut" oder "gut", bei etwa 75 Prozent "befriedigend" oder "ausreichend". Bei fast 11 Prozent ist der Zustand "nicht ausreichend", bei knapp 2 Prozent gar "ungenügend".

Die Zustandsnote bildet nach BAST-Angaben die Grundlage für die weitere Erhaltungsplanung. Eine Zustandsnote "nicht ausreichend" bedeute aber nicht zwangsläufig eine Nutzungseinschränkung des Bauwerkes, sondern sei vielmehr ein Indikator dafür, dass in näherer Zukunft eine Instandsetzungsmaßnahme zu planen sei.

Sind schlecht bewertete Brücken automatisch ein Unglücksherd?

Nein, ein "ungenügender" Zustand weist zwar auf eine beeinträchtigte oder nicht mehr gegebene Stand- oder Verkehrssicherheit hin, kann aber auch lediglich auf Schäden an den Gitterstäben des Geländers zurückzuführen sein. Wenn bei der Bauwerksprüfung eine Sicherheitsbeeinträchtigung festgestellt wird, so werden der BAST zufolge sofort entsprechende Maßnahmen getroffen, um die erforderliche Sicherheit weiterhin zu gewährleisten.

Welche Brücken sind die baufälligsten Brücken in Deutschland?

10 Brücken bekamen von der Bundesanstalt für Straßenwesen in ihrem Bericht vom März 2018 die Tiefstnote 4 (ungenügender Zustand). Dabei handelt es sich von Nord nach Süd um:

  • Brücke der B 189 bei Osterburg in der Altmark
  • Autobahnbrücke (A 43) bei Appelhülsen
  • Brücke der B 233 über die Lippe bei Bergkamen
  • Brücke der B 184 über die Bahngleise bei Roitzsch
  • Brückenauffahrt zur B 236 in Dortmund
  • Rheinbrücke (A 40) in Duisburg-Neuenkamp
  • Fuß- und Radweg-Brücke über die B 56 bei Geilenkirchen-Tripsrath
  • Rechenhausbrücke der B 283 bei Bockau
  • Klingenthalbrücke bei Eppelborn
  • Geh- und Radwegbrücke neben der B 471 bei Ismaning

Woher rührt der schlechte Zustand der Brücken?

Die meisten baufälligen Brücken befinden sich im Westen Deutschlands. Sie wurden überwiegend in den 60er und 70er Jahren gebaut und sind dementsprechend gar nicht für den heutigen Verkehr ausgelegt. Vor allem die immer schwerer werdenden LKWs und der stetig zunehmende Verkehr lassen so manche alte Bauwerke ächzen und treiben deren Tragfähigkeit an ihre Grenzen. Dementsprechend werden die Brücken auch regelmäßig auf ihren Erhalt hin überprüft.

Wie werden die Brücken in Deutschland überprüft?

Grundsätzlich ist das Aufgabe von Bund und Ländern. Die beauftragen Brückenprüfer – etwa von den Technischen Überwachungsvereinen (TÜV). Alle drei Jahre führen die eine einfache Prüfung durch. Alle sechs Jahre nehmen sie die Brückenbauwerke in einer Hauptprüfung eingehender in Augenschein. Zudem werden die Brückenprüfer auch nach besonderen Vorfällen losgeschickt: Etwa wenn es Unfälle auf der Brücke gegeben hat, Schiffe oder Autos gegen tragende Elemente gekracht sind oder ein schweres Unwetter die Brücke getroffen hat.

Wie werden Mängel ausgeräumt?

Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die kostenaufwändigste Form wäre die Vollsperrung und Komplettsanierung der Brücke – mit unabsehbaren Folgen für den Verkehrsfluss in der Region. Häufiger kommen vorübergehende Maßnahmen zum Einsatz. Während dieser wird beispielsweise die Geschwindigkeit beim Überfahren der Brücke begrenzt oder spezielle Fahrzeugtypen (meist LKWs) werden vom Überfahren ausgeschlossen. Die Verkehrsberuhigung ist dann die Grundlage für begleitende Reparaturmaßnahmen.

Problematisch ist vielmehr, das für derartige Maßnahmen häufig sowohl das Geld als auch die Fachkräfte fehlen.

FOTOS: Bilder Brückeneinsturz Italien Horror in Genua! Fotos zeigen Ausmaß der Katastrophe

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pap/loc/news.de/dpa/BAST

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