Michael Schumacher: Wie sind Schumis Chancen auf Genesung? Das sagen Ärzte!

Seit 29. Dezember 2013 liegt Michael Schumacher nach seinem schweren Ski-Unfall in den französischen Alpen im Koma - fünf Monate bereits. Wie ist der aktuelle Zustand des Ex-Formel-1-Stars? Schumis Genesungschancen sinken immer weiter, so Experten. Die Stimmen der Mediziner im Überblick.

Beim Formel-1-Rennen am 8. Juni in Montreal ist Michael Schumacher mit dabei - in den Köpfen seiner Rennfahrer-Kollegen Sebastian Vettel und Fernando Alonso und Tausender Fans.

Michael Schumacher - Sein schwerster Kampf - Koma-Doku auf RTL am 8. Juni 2014 beim Formel 1-GP von Kanada

RTL überträgt ab 20 Uhr den Großen Preis von Kanada und zeigt gleich im Anschluss daran um 22.15 Uhr die 30-minütige Dokumentation «Michael Schumacher - Sein schwerster Kampf», in der die drei Monate nach Schumis schwerem Skiunfall in Meribel beleuchtet werden.

Koma-Zustand von Schumi nach Skiunfall aktuell

Der aktuelle Zustand von Formel-1-Legende Michael Schumacher ist seit Wochen unverändert: Schumi liegt nach seinem schweren Skiunfall am 29. Dezember 2013 noch immer im Koma. Seit dem 13. April, als Schumis Managerin Sabine Kehm zu Gast bei Günther Jauch war, gibt es keine neue Stellungnahme mehr.

Immer wieder haben sich seit dem tragischen Unglück medizinische Experten zu Schumis Schicksal geäußert: über aktuelle Behandlungsschritte, Fehler in der Versorgung sowie seine Überlebens- und Genesungschancen. Wir bieten einen Überblick:

Prof. Andreas Raabe, Direktor der Universitätsklinik für Neurochirurgie in Bern: Über die Maßnahmen beim Aufwachprozess sagte er der «Berner Zeitung»: «Die Ärzte werden versuchen Augenkontakt mit Michael Schumacher herzustellen, werden überprüfen ob er Dinge erkennen und Worte formulieren kann.»

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Das planen die Ärzte, wenn Schumi aus dem Koma aufwacht

Prof. Günter Seidel, Facharzt für Neurologie, Asklepios-Klinik Hmaburg erklärte in der «Bild»-Zeitung, was passiert, wenn Schumi aufwacht: «Das Herz-Kreislauf-System funktioniert in der Regel ganz gut, insbesondere in Ruhestellung. Probleme gibt es, wenn der Patient sich aufrichtet, da das Blut in den unteren Teil des Körpers sacken kann. Das belastet den Kreislauf, kann zu Schwindel und Herzrasen führen.» Eine Aussage darüber, ob Schumacher vollständig gesund wird, wollte er indes nicht abgeben.

Prof. Heinzpeter Moecke, Leiter des Institutes für Notfallmedizin der Asklepios Klinik Hamburg: «Wenn der Patient aufwacht, testen Ärzte seine Reflexe, um zu prüfen, ob die Nervenleitung ins Gehirn und zurück in den Muskel funktioniert. Für den Lidreflex hält man zum Beispiel ein Wattestäbchen an die Wimpern und schaut, ob sich das Auge schließt. Die Nerven würden im besten Fall die Information ‹etwas stört das Auge› ans Hirn weiterleiten und dieses dann dem Muskel am Lid signalisieren: schließen. Wenn diese Reflexe funktionieren, kann der Arzt weitere neurologische Tests durchführen», sagte er der «Bild»-Zeitung zur Frage, was passiert, wenn Schumi aus dem Koma aufwacht.

Die Ereignisse um den tragischen Schumacher-Unfall
Formel-1-Legende Michael Schumacher im Koma
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Schumis Überlebenschance zwischen 20 und 30 Prozent

Gary Hartstein (Professor für Anästhesie und Notfallmediziner des Krankenhauses Lüttich/Belgien): Nachdem Michael Schumacher sechs Wochen im künstlichen Koma lag, schrieb Hartstein in einem Blog-Eintrag vom 24. Februar, betrage die Chance auf das Aufwachen noch etwa 20 Prozent, die Patienten seien dann oft körperlich und geistig stark beeinträchtigt.

In seinem Blog hatte er kritisiert, dass bei der Beurteilung von Michael Schumachers Zustand in der anfänglichen Behandlung «offensichtliche Fehler» begangen worden seien. Diese Einschätzung habe Hartstein aus zuverlässiger Quelle. Nachdem diese Nachricht für viele Diskussionen um Michael Schumachers aktuellen Zustand gesorgt hatte, erklärte sich Hartstein zwei Tage darauf genauer. Er habe nicht die Klinik in Grenoble gemeint und wolle auch nicht die Notfallmediziner auf der Piste und beim Transfer von Schumi von Moutiers nach Grenoble kritisieren.

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zurück Weiter Niki Lauda verunglückte 1976 beim Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring schwer. Er zog sich schlimmste Verbrennungen und Verätzungen der Lunge zu. (Foto) Foto: dpa/David Ebener Kamera

«Ich kritisiere ganz klar ein System, dass es erlaubt, Patienten mit Kopfverletzungen in Krankenhäuser ohne Neurochirurgie zu bringen», schreibt Hartstein. Zudem sei die Behandlung vor dem Abtransport mit dem Hubschrauber genauso wenig ausreichend wie die Erfahrung des Personals unter schwierigen Umständen.

Prof. Philippe Azouvi, französischer Neurologe und Spezialist für Gehirnverletzungen zu Michael Schumachers Genesungschancen: «Das einzige, was wir sagen können, ist dass sich statistisch gesehen 30 Prozent der Patienten gut von einer schweren Gehirnverletzung erholen, 50 Prozent von ihnen behalten leichte Beeinträchtigungen und 20 Prozent von ihnen tragen schwere Behinderungen davon und bleiben auf ständige Hilfe angewiesen», sagte Azouvi dem «Focus».

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zurück Weiter Endlich! Am 16. Juni 2014, Nach fünfeinhalb Monaten im künstlichen Koma, gibt Schumi-Managerin Sabine Kehm die ermutigende Nachricht bekannt: Michael Schumacher ist wach und wurde in einer Schweizer Klinik verlegt, um an der Rehabilitation zu arbeiten. (Foto) Foto: Marcus Brandt/dpa Kamera

Wenn er aufwacht: Muss Schumi neu sprechen lernen?

Prof. Peter Hutchinson (Cambridge University, Neurosurgery Unit): Der britische Mediziner sagte dem «Daily Record», dass ein harter Weg vor Schumi läge, wenn er aufgewacht ist. Laut Hutchinson wird Schumi das Laufen, Reden und Essen wieder völlig neu erlernen müssen. «Es ist nicht so, als würde man einfach wieder das Licht anschalten und der Patient ist vollkommen da», sagt der Professor, «er wird in eine Welt zurückkehren, die er nicht kennt».

Prof. Andreas Zieger (Chefarzt der Klinik für Neurohabilitation, Evangelisches Krankenhaus Oldenburg) zum Thema Schumi: «Wie schnell ein Patient mit einer Hirnschädigung aus einem künstliches Koma wieder aufwacht, kann individuell nicht vorhergesagt werden! Je länger die Aufwachphase dauert, so darf man schlussfolgern, je schwerwiegender ist die erlittene Hirnschädigung gewesen. Es gibt bestimmte Teile im Gehirn, bei deren Verletzung ein Aufwachen (auch ohne Narkose) unwahrscheinlicher wird, je länger das Koma dauert. Aber selbst auch dann, kann man gerade bei jüngeren Patienten noch nach vielen Monaten auf ein Aufwachen aus dem Koma/Wachkoma hoffen, gerade, wenn es sich um eine Schädel-Hirnverletzung gehandelt hat.»

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Prof. Josef Zentner, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums in Freiburg, antwortete auf die Frage, ob Michael Schumacher nach dem Aufwachen aus dem Koma das Reden neu lernen müsse: «Nicht unbedingt. Wenn die Sprachregion im Gehirn nicht geschädigt ist, kommt das Reden automatisch wieder, wenn die Medikamente abgeklungen sind. Da muss man nur die entsprechende Zeit warten. Wenn die Schädigungen auch die Sprachregion miteinbeziehen, kann es sein, dass er das Sprechen wieder lernen muss.»

An seine Leidenszeit erinnern könne sich Michael Schumacher im Falle des vollständigen Erwachens nicht: «In der Regel ist die Erinnerungslücke so groß, dass sie auch das Unfallgeschehen miteinbezieht. Wenn unmittelbar nach dem Unfall das Koma eintritt, dann ist die ganze Phase in Vergessenheit geraten.»

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Video: afp
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kru/news.de/dpa

16 Kommentare
  • eramsu

    03.06.2014 14:57

    Als medizinischer Laie darf ich mich nicht darüber äussern, wie es um Schumachers Zukunft aussehen könnte. Wenn jemand schon so lange Zeit im Koma liegt, dürfte das sicher Folgen für den Patienten haben, die wir als Aussenstehende nicht vorhersagen können. Ich denke da nur an den Handballspieler Deckarm, der zeitlebens an den Folgen eines Zusammenstosses mit einem anderen Spieler zu leiden hat. Gilt nur zu hoffen, dass der Patient wieder einigermassen genesen wird, mehr kann man dazu nicht sagen. Auch die Medien sollten sich mit vagen Vermutungen zurückhalten.

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  • R.Schmidt

    29.05.2014 08:05

    In den letzten Monaten war ich wegen Problemen mit dem Herzen in 4 Kliniken über einen Zeitraum von 9 Wochen. Durch verschiedene Ärztinnen/Ärzte habe ich immer wieder andere Meinungen zur Diagnose (Teilbereiche des Krankheitsbildes) und Therapieanordnungen erfahren. Oft innerhalb weniger Stunden. Mein Fazit: es ist sehr gut wenn man selbst so weit möglich, über sein Krankheitsbild informiert ist. Eine wirklich gute Behandlung kann man,nach meiner Meinung, nur von Therapeuten erfahren die einen genau kennen. Ein ständiger Wechsel von Ärzten (Unikliniken z.B.) ist i.d.R. sehr schädlich !

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  • Mary Rose

    28.05.2014 01:28

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