Ford: Test Ford Fiesta EcoBoost - Die 1.0-Liter Kanonenkugel

FOTOS: Ford Test Ford Fiesta EcoBoost - Die 1.0-Liter Kanonenkugel

Es ist ein paar Jahre her, als ich das letzte mal das Vergnügen mit einem Ford Fiesta hatte. Mittlerweile ist viel passiert, der kleine Kölner hat ein Facelift erhalten und einen neuen - hochgelobten Dreizylinder an Bord. Gründe sind mehr also genug vorhanden, sich den Ford Fiesta erneut mal zur Brust zu nehmen.

Mit der Einführung

der aktuellen Modellgeneration des Fiesta hat Ford den Kleinwagen zum echten Hingucker gemacht. Schnittige Proportionen, dazu freche Farben. Zum Facelift hat Ford dem Fiesta dieses erneut nachgeschärft und dem Serien-Fiesta die Optik des sportlichen Ford Focus ST verpasst. Klar, dass dem Fiesta sein Lack in „Race-Rot“ extrem gut steht. Dem entgegen steht auf den ersten Blick die Motorenpalette die von 65 - 125 PS eher gutbürgerlich anmutet -  vom 182 PS starken Fiesta ST mal abgesehen. Für alle, die es nicht ganz so sportlich wollen - und die vor allem auf fünf Türen Wert legen - muss der 1.0-Liter Dreizylinder Eco-Boost mit 125 PS reichen. Und genau der werkelte auch in meinem Testwagen.

Alles beim Alten

Im Innenraum hat sich beim Fiesta zum Facelift hin - zumindest erkennbar - nichts verändert. Noch immer ist das unübersichtliche Sony-Radio mit einer Unmenge an Knöpfen und (heutzutage) viel zu kleinem Display an Bord. Technisch ist dieses - je nach Ausstattung -

jedoch mittlerweile mit der sprachgesteuerten Kommunikationstechnologie Ford SYNC Technologie ausgestattet. Mit per Bluetooth gekoppeltem Handy hat man so bereits einen Notrufassistenten an Bord und kann bequem die eigene Musikbibliothek oder Internetradio über die überraschend gute Fahrzeug-Anlage streamen. Das Platzangebot ist im kleinen Fiesta der Klasse angemessen, nur die Übersicht nach hinten ist durch die kleine Heckscheibe recht eingeschränkt. Durch die kompakten Abmessungen bräuchte ich jedoch nach kurzer Eingewöhnung auch die verbaute Rückfahrkamera eigentlich nicht mehr wirklich.

Fahreindruck

So viel zum eher schlichten jedoch funktionalen Innenraum. Viel gespannter war ich beim Ford Fiesta auf den verbauten 1.0-Liter Ecoboost mit 125 PS. Denn über den zweifachen "Motor des Jahres" habe ich bisher viel Gutes gelesen und nur ein paar Minuten im Focus gefahren. Auf einem ausgiebigen Wochenendtrip sollte der Dreizylinder nun zeigen was er kann, wobei mich vor allem interessiert, wie sich das Downsizing beim Ford auf den Verbrauch auswirkt. Denn viele kleine

Aggregate wirken schnell überfordert und werden dabei schnell vom „Sparfuchs“ zur „Saufkuh“. Freitags verlasse ich zum Feierabend um 17:30 Uhr das Büro und setze mich ans Steuer des Fiesta. Mit dem Schlüssel in der Tasche lassen sich die Türen des Kleinwagens bequem über einen Knopf am Griff der Fahrertür öffnen und wieder verriegeln. Auch danach kann der Schlüssel in der Tasche bleiben, denn der Fiesta startet auch schlüssellos per Knopfdruck.

Das Aggregat klingt rauer, als man das von einem Vierzylinder gewohnt ist. Das unangenehme Schnarren manch anderer Dreizylinder hat Ford ihm jedoch ausgetrieben. Beim dritten Ampelstopp hat der Motor im Ford Fiesta Betriebstemperatur erreicht und ist kaum noch zu hören. Der Verbrauch, den der Bordcomputer nach dem Reset zunächst deutlich im zweistelligen Bereich angegeben hat - typisch Kaltstart - fällt ebenfalls rapide und geht nach Verlassen des Stadtgebiets weiter auf Talfahrt. Kurz vor der Autobahnauffahrt nähert er sich mit 4,7 Litern pro 100 km sogar dem Normverbrauch, den Ford mit 4,3 l/100 km angibt.

Dynamische Qualitäten

Ich ordne mich in den fließenden Verkehr ein und beschleunige auf Richtgeschwindigkeit. Mit 130 km/h schnurre ich gemütlich im Wochenendverkehr auf der A9 Richtung Süden. Da der Fiesta für die Klasse überraschend gut gegen Störgeräusche von außen gedämmt ist, kommt die ebenfalls überdurchschnittliche Soundanlage im Fiesta gut zur Geltung. Nach knapp 80 Kilometern auf der Autobahn setze ich den Blinker und checke kurz den Verbrauch: 6,1 l/100 km und das obwohl ich wirklich gemütlich unterwegs war. Autobahn scheint dem Fiesta nicht wirklich zu liegen, vor allem da Ford dem Fiesta lediglich 5 Gänge spendiert. Die sind zwar ordentlich übersetzt, doch ein 6. Gang zum dahin gleiten würde dem Fiesta gerade auf Autobahn-Passagen gut zu Gesicht stehen. Überland sind die 5 Gänge hingegen wieder mehr als ausreichend, um den Fiesta sehr sparsam zu bewegen. Zumindest wenn man denn wollte. Denn in einer zügig angefahrenen S-Kurve habe ich dynamischen Qualitäten des kleinen Kölner entdeckt, der sich knackig auch um enge Kehren zirkeln lässt. Hinzu kommt ein mächtig kerniger Motor-Sound, der über einen Soundgenerator in den Innenraum des Fiesta weiter leitet.

Dadurch ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich den Fiesta-Motor bei jeder Ortsausfahrt erst schön hoch drehe und den kernigen Sound genieße, bevor ich in den 5. Gang schalte und mit 100 km/h weiter cruise. Trotzdem wirkt sich das natürlich extrem negativ auf den Verbrauch aus. Meine Bilanz nach grob 160 km fallen daher mit 7,4 l/100 km ernüchternd aus.

Da es mittlerweile auf 21 Uhr zu geht, ich jedoch noch über 100 km Reststrecke vor mir habe und die A71 komplett leer ist, schalte ich vorübergehend mein grünes Gewissen ab und will sehen, wo die Grenzen des Dreizylinders liegen. Also rauf auf die Bahn, Blinker links und gib ihm.

Auf der abschüssigen Autobahn kommt der Fiesta schnell in Fahrt. Nicht nur ich bin überrascht, sondern auch der Fahrer eines Mercedes E-Klasse Kombis, als ich mit knurrendem Motor bei knapp 190 km/h an ihm vorbei ziehe. Ich bin beeindruckt. Selbst bergauf reicht die Power des kleinen Motors, die Tachonadel stets über 170 km/h zu halten. Doch auch bei so hohen Geschwindigkeiten ist der Fiesta die Ruhe selbst, bleibt unbeeindruckt von Fahrbahnunebenheiten und liegt extrem gut in der Spur. So viel Power hätte ich dem 1.0-Liter großen Benziner wirklich nicht zugetraut.

Fazit

Vorweg das Negative: Schade, dass das Facelift des Fiesta nicht so weit ging, dem Kleinwagen aus Köln bereits ein neues Infotainment-System zu spendieren. Fahrdynamisch zeigt der Fiesta so manchem Konkurrenten die Rücklichter, liegt der kleine Kölner doch extrem satt auf der Straße und dabei zu hart zu wirken. Überrascht hat mich der 125 PS starke Dreizylinder. Beim Verbrauch lag er in meinem Test erwartungsgemäß über dem Normverbrauch. (6,1 l/100 km statt 4,3 l/100 km). Schuld daran ist jedoch die unerwartete Dynamik, die der Motor mit entsprechender Drehzahl entwickelt, gepaart mit einem kernigen Sound der an den 5-Zylinder im großen Bruder Focus aus vergangenen Tagen erinnert. Der Schwachpunkt bei meinem Test war also eindeutig der Faktor Mensch. Denn hält man seinen

Gasfuß etwas besser im Zaum als ich dies tat, lässt sich der Durchschnittsverbrauch noch locker um 1,0 Liter nach unten drücken.

Mein Fazit zum viel gelobten Motor: Ganz so sparsam, wie der Dreizylinder sein möchte, ist er nicht. Trotzdem ist klar, warum Ford den Titel „Engine of the Year“ damit gleich zwei mal einfahren konnte. Denn im Gegensatz zu anderen Zwei- und Dreizylindern, ist beim Ford Fiesta tatsächlich ein - wenn auch kleiner - Verbrauchsvorteil gegenüber vergleichbaren Vierzylindern erkennen. Hinzu kommt, dass die 125 PS Version auch noch überraschend spritzig ist und der Verbrauch auch bei rasanter Fahrweise nicht ausartet. Einzig auf der Autobahn zeigt sich der Motor zu durstig, allerdings wohl auch weil Ford dem Fiesta hier keinen 6. Gang gönnt. Abgesehen davon ist der frisch geliftete Fiesta eine echte Empfehlung, noch dazu eine sehr günstige.

Bewertung Ford Fiesta 1.0 EcoBoost Titanium

Exterieur-Design

1,7

Interieur-Design 2,2
Multimedia 2,6
Fahrbetrieb 1,8
Verbrauch 2,2
   
Kosten pro Jahr*  
   
Anschaffungspreis Testfahrzeug 19.230 Euro
Kraftstoffkosten** 1.509,75Euro
Steuern 20,00 Euro
Wertverlust 2.884,50 Euro
Gesamtkosten pro Jahr:   
4.414,25 Euro
   
Testergebnis/Gesamtprädikat:  
1,7
   

*Kosten pro Jahr setzen sich zusammen aus Kraftstoffkosten, Kfz-Steuer, errechnetem Wertverlust (15 Prozent p. a.)
**Kraftstoffkosten bei 1.65 Euro/Liter Super-Benzin und einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern

Technische Daten Ford Fiesta 1.0 EcoBoost Titanium

Fünftüriger, fünfsitziger Kleinwagen
   
Länge/Breite/Höhe (m): 3,97/1,97/1,50
Radstand (m):  
   
Motor:
Dreizylinder Benziner
Hubraum: 1.0-Liter
Leistung: 92 kW/125 PS bei 6.000Umdrehungen pro Minute
max. Drehmoment: 170 Newtonmeter von 1.400 - 4.500 Umdrehungen pro Minute
Höchstgeschwindigkeit: 196 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h:
9,4 s
   
Test-Verbrauch: 6,1 l/100 km
Verbrauch Hersteller: 4,2 l/100 km
CO2-Ausstoß Hersteller: 99 g/km
Schadstoffklasse: Euro 5
Energieeffizienzklasse: B
   
Ausstattung
(Serie, Auswahl):
Antiblockiersystem ABS mit elektr. Bremskraftverteilung (EBD), Außenspiegel elektrisch einstell- und beheizbar, Berganfahrassistent, Elektr. Sicherheits- und Stabilitätsprogramm (ESP) mit Traktionskontrolle (TCS), elektr. Fensterhebr vorn, Zentralverriegelung
   
Gewichte/Zuladung  
Leergewicht: 1.091 kg
zul. Gesamtgewicht: 1.555 kg 
Kofferraumvolumen: 295 - 979 l
   
Preis ab 8.850 Euro
Preis Testwagen: 19.230 Euro

auto.de

Empfehlungen für den news.de-Leser