Von news.de-Redakteurin Juliane Ziegengeist - 23.03.2014, 09.00 Uhr

Geisterfahrer-App: So wird das Smartphone zum Verkehrswarngerät

Es ist der Albtraum eines jeden Autofahrers: Plötzlich kommt ihnen ein Falschfahrer entgegen. Nicht selten endet das in folgenschweren Unfällen. Eine neue Smartphone-App will rechtzeitig vor der Gefahr warnen. Doch bis zur Martkreife könnte es dauern.

Immer wieder kommt es auf deutschen Autobahnen zu verheerenden Unfällen aufgrund von Geisterfahrern. Rund 1.800 Falschfahrer-Meldungen gibt es jährlich, etwa 80 führen zum Unfall - mit teils schweren Folgen. In etwa jedem sechsten Fall kommt mindestens eine Person zu Tode.

Die Diskussionen, wie die Gefahr gebannt werden könnte, blieben bisher meist ohne konkreten Folgen. Nicht selten waren zu hohe Kosten der Grund dafür. Genau hier setzt ein Studenten-Projekt an der TU Clausthal an, demzufolge jeder ein potenzielles Warngerät vor Falschfahrern in der Hosentasche trägt.

Tödliche Geisterfahrer-Unfälle
Gefahr auf der Autobahn
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Das Smartphone als Frühwarngerät

Die Rede ist vom Smartphone, das mittlerweile nicht mehr nur zum Telefonieren und SMS schreiben taugt, sondern uns als Multifunktionsgerät zu Fuß, zu Rad oder im Auto durch die Gegend navigiert. Und genau hier schlummert ungenutztes Potenzial. Mit einer Falschfahrer-App wollen die Clausthaler Studenten diese Lücke füllen.

Auf der diesjährigen Cebit wurde der Prototyp bereits vorgestellt. Er soll die Zeit, die vergeht, bis eine Warnmeldung potenziell Betroffene meist über das Radio erreicht, erheblich verkürzen. Zu diesem Zweck kommuniziert die App, sofern der Autofahrer sie auf seinem Smartphone installiert hat, mit den orangenen Notrufsäulen, die im Zwei-Kilometer-Abstand jede Autobahn säumen.

Falschfahrer-App warnt innerhalb einer Sekunde

Diese sollen «als Standpunkte für Infrastruktur-Hardware» dienen, wie es auf der Homepage der TU Clausthal heißt. Ihr Netz sei eng genug, um die Autobahnen vollständig mit Wlan abzudecken. Die vom Handy gesendeten GPS-Positionsdaten könnten dortgesammelt und ausgewertet werden.

«Erkennt das computergestützte System, dass ein Auto in falscher Richtung unterwegs ist, klingelt und blinkt binnen einer Sekunde das Handy in den Fahrzeugen der Umgebung sowie beim Geisterfahrer», so die Erklärung des Instituts für Informatik. Mit dieser Warnung könnten alle Beteiligten entsprechend schnell und angemessen reagieren, um Unfälle zu vermeiden.

FOTOS: Punktlandung Das ändert sich für die Autofahrer 2014

Infrastruktur vorhanden, Investitionen nötig

Voraussetzung dafür: Die Falschfahrer-App muss auf allen Smartphones installiert sein, denn nur dann kann im Ernstfall eine Warnung erfolgen. Der Großteil der Infrastruktur, nämlich Handys und Notrufsäulen, wären bereits vorhanden, um das ambitionierte Projekt zu realisieren. Letztere müssten noch mit Wlan ausgestattet werden.

Ob das System, an dem Software-Ingenieure der Firma c4c Engineering mitarbeiten, jedoch jemals zum Einsatz kommt, steht in den Sternen. Denn nicht jeder Autofahrer besitzt ein Smartphone. Gerade bei weniger technikaffinen und älteren Menschen, die statistisch gesehen häufiger zu Geisterfahrten neigen, müsste ein Äquivalent gefunden werden.

Und selbst dann könnte eine Falschfahrt nicht verhindert werden. Schließlich schlägt App erst dann Alarm, wenn der Geisterfahrer schon unterwegs ist.

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zij/news.de

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