Autokauf im Internet Online kühlen Kopf bewahren

Wer sich einen Gebrauchtwagen anschaffen will, der schaut zuerst ins Internet. Mittlerweile werden mehr als 90 Prozent der Fahrzeuge dort gehandelt. Unbestritten bietet das Web Vorteile, was das Angebot und das Preisgefüge betrifft. Doch ein Schnäppchen auszumachen, ist mitunter schwierig.

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Autos ohne Ende, und das ganz bequem per Mausklick: Die Suche im Internet nach dem neuen Flitzer war nie angenehmer. «Schnäppchen aber lassen sich dabei nur noch selten machen», dämpft Andreas Halupczok vom TÜV Süd in München die Hoffnungen auf den ultimativen Kauf. In den großen Internetbörsen seien die Preise sehr ähnlich. Oberstes Gebot beim digitalen Kauf ist laut Halupczok, das Angebot immer genau auf Plausibilität zu untersuchen. Im Netz klafften Realität und Schöne-Bilder-Welt oft auseinander.

Die Crux mit den Abkürzungen

Wer im Web stöbert, findet regionalbedingt ein Überangebot an Fahrzeugen bestimmter Marken. Werksangehörige stellen sie ein, was wiederum zu niedrigeren Preisen führt. Die Mitarbeiter der Autohersteller und -importeure erhalten vielfach sehr hohe Rabatte auf Neuwagen und finanzieren so den Kauf ihres neuen Fahrzeugs. Für Interessenten bedeutet dies allerdings, dass eine Inzahlungnahme meist nicht möglich ist.

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Bei den diversen Offerten wimmelt es oft von Kürzeln wie Dachr. und DR für Dachreling oder eFH für elektrische Fensterheber. «Bevor sich Interessenten auf den Weg zu einer Besichtigung machen, sollten alle im Inserat genannten Angaben geklärt sein», rät Hans-Ulrich Sander vom TÜV Rheinland und nennt ein Beispiel: alle KD. Das soll heißen, dass alle Kundendienste regelmäßig durchgeführt wurden. «Wirklich aussagekräftig ist aber nur ein lückenloses Serviceheft», sagt der TÜV-Fachmann.

Noch besser sei es, wenn die dazugehörigen Rechnungen der Servicearbeiten vorliegen, bestenfalls von einem Kfz-Meisterbetrieb. «Einträge vom Besitzer selbst sind ohne Belang», betont Sander. Vor einer Besichtigung sollte man also nachfragen, ob ein lückenlos geführtes Serviceheft vorliegt. Das gelte auch für den letzten Prüfbericht von Haupt- und Abgasuntersuchung, der bei der Zulassung vorgelegt werden muss.

Bevor sich der potenzielle Käufer auf eine lange Reise macht, sollte ein weiterer Punkt geklärt sein, wie GTÜ-Mitarbeiter Hans-Jürgen Götz mahnt: «Unbedingt nach Vorschäden fragen.» Wichtig sei es, die Formulierungen «Unfallfreiheit» und «ohne Vorbeschädigungen durch Unfall oder sonstige Beschädigungen» schriftlich im Vertrag zu fixieren. Der Hinweis «ohne erkennbare Unfallschäden» reiche nicht aus. Im Falle eines Vorschadens empfiehlt der Fachmann, die Reparaturbelege sich aushändigen zu lassen - zur Vorlage beim Wiederverkauf.

Nach Gründen für Verkauf fragen

«Weicht der Anbieter beim Unfallthema schon am Telefon aus, Finger weg», empfiehlt TÜV-Experte Halupczok. Zudem solle man sich erkundigen, warum der Wagen verkauft werde. «Wird gedruckst, Angebot wechseln», rät Halupczok. Wichtig sei, dass Verkäufer und letzter eingetragener Vorbesitzer identisch seien, sonst habe man es vielleicht mit einem Händler zu tun, der die Gewährleistungspflicht umgehen wolle.

Am Wunschfahrzeug angekommen, heißt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich nicht blenden zu lassen. Als Erstes sollte die Fahrgestellnummer des Gebrauchtwagens mit den Fahrzeugpapieren verglichen werden. So merkt der Verkäufer gleich, dass der Interessent Sachverstand mitbringt. Respekt erzeugt auch, wer sich alle Fragen notiert und die erforderlichen Nachweise vorlegen lässt.

Problem Tachostand

Skepsis bereitet erfahrungsgemäß die Kilometerlaufleistung. Wie weit das Auto wirklich schon gefahren ist, machen die Einträge im Serviceheft plausibel. Die Angabe «abgelesener km-Stand laut Tacho» im Vertrag sagt nichts über die Gesamtfahrleistung aus. Der Rat des TÜV-Experten lautet: «Besser ist der Vertragszusatz, dass die Gesamtfahrleistung dem angezeigten km-Stand laut Tacho entspricht.»

Erhöhter Verschleiß von Pedalgummis, Lenkradummantelung oder Türgriffen sind mögliche Hinweise auf eine hohe Laufleistung. In diesem Zusammenhang sollte unbedingt gefragt werden, ob der Wagen noch den Originalmotor hat. Wurde ein Austauschaggregat eingebaut, sollten dazu lückenlos Belege und Rechnungen vorliegen. Kfz-Betriebe vermerken diese Arbeiten im Serviceheft.

Ein oft übersehener Stolperstein beim Gebrauchtwagenkauf ist das Kapitel Fahrzeugschlüssel. «Alle Originalschlüssel müssen vorliegen», sagt Halupczok. Fehlen Schlüssel, gefährde man etwa im Fall eines Fahrzeugdiebstahls später den eigenen Versicherungsschutz.

sca/loc/news.de/dapd

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