Der Rubel rollt Moskau Motorshow 2012

Der europäische Automarkt hat derzeit wenig Erfreuliches zu bieten. Da blickt die Autoindustrie lieber denn je nach Russland. Hier sind Steigerungsraten und satte Erträge vorprogrammiert.

Der Rubel rollt (Foto)
Bentley Continental GT Speed Bild: pi

Die Moskau Motorshow auf dem jungen Messegelände Crocus Expo ist längst zu einer der wichtigsten Automessen auf dem europäischen Kontinent geworden. Während in Südeuropa die Verkäufe wegbrechen und die Hauptmärkte Deutschland, England, Frankreich und Italien bestenfalls Verdrängungen zu bieten haben, ist in Russland mehr denn je möglich. Nachdem der Markt im Jahre 2009 ins bodenlose stürzte und sich auf rund 1,7 Millionen Neuzulassungen reduzierte, geht es seit 2010 wieder steil nach oben. 2011 wurden wieder rund 2,5 Millionen Autos verkauft. Das passt den internationalen Autoherstellern prächtig ins Geschäft, denn schließlich müssen die meisten die südeuropäischen Verluste ausgleichen.

Da kommt die Moskau Motorshow gerade recht, die in diesem Jahr bis zu 1,2 Millionen Zuschauer erwartet. Die Höhepunkte der Messe können sich sehen lassen. Mazda zeigt erstmals seine neue Mittelklasselimousine Mazda 6. Das Design der Studie Takeri wurde bei dem 4,87 Meter langen Viertürer weitgehend übernommen. Mit modernen Triebwerken soll der japanische Sechser bei leicht gewachsenen Dimensionen nun die internationale Mittelklasse mit einem Motorenspektrum von 145 bis 192 PS jagen. Eine Nummer kleiner, aber immer noch üppig dimensioniert präsentiert sich in Moskau die Stufenheckversion des Opel Astra, der zusammen mit den modellgepflegten Astra-Varianten erstmals auf einer Messe zu sehen ist. «Seit 2009 wachsen wir in Russland doppelt so stark wie der Markt», erläutert Alfred Rieck, bei Opel verantwortlich für Verkauf und Marketing, «gerade für die Astra Limousine ist einer der Hauptmärkte hier in Russland.» Letztes Jahr haben die drei GM-Marken in Russland 243.000 Fahrzeuge verkauft. 2012 dürften es rund 300.000 Stück sein.

Der Rubel rollt: Moskau Motorshow 2012

Nicht zuletzt Sportwagen und Crossover geben auf den 120.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche der Moskau Motorshow den Ton an. Audi präsentiert offen wie geschlossen seinen frisch überarbeiteten R8 - endlich mit einem ebenso schnell wie komfortabel schaltenden Doppelkupplungs-Getriebe, Porsche zeigt den sportlichen Porsche Cayenne GTS und Bentley lässt mit dem Continental GT Speed sein schnellsten Modell von der Leine. Der 626 PS starke Allradler macht das Luxuscoupé aus Crewe bis zu 329 km/h schnell. Genau das richtige Fahrzeug für den luxusverwöhnten russischen Markt. «2011 stiegen unsere Verkäufe in Russland um 45 Prozent, womit Bentley zur meistgekauften Luxusautomarke aufstieg», so der scheidende Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer, «die erst kürzlich erfolgte Einrichtung einer neuen, exklusiven Vertriebsgesellschaft, Bentley Russland, bringt unsere Ambitionen zum Ausdruck, unsere Präsenz auf dem Markt zu stärken und auszubauen.»

Da will die BMW Group nicht zurückstehen und zeigt an der Mockba nicht nur seinen überarbeiteten 7er BMW als Topmodell der BMW-Familie, sondern auch den neuen BMW X6 M. «Unsere X-Familie ist einer der Gründe, weshalb wir hier in Russland so stark im Markt sind», erklärt BMW-Russland-Chef Peter Kronschnabl, «wir haben dieses Jahr bis Ende Juli mehr als 20.000 Fahrzeuge verkauft. Ein Plus von mehr als 30 Prozent.» Ebenfalls im Crocus Expo Center zu bestaunen: das Rolls-Royce Ghost Coupé Aviator, das erst vor zwei Wochen in Pebble Beach für Aufsehen gesorgt hatte. Wer es sportlicher mag: auch Mini zeigte auf der Moskau Motorshow mit dem Mini John Cooper Works GP seinen neuesten Renner mit 218 PS und Renntrimm. Bei Jaguar gibt es auf der Moskau Motorshow erstmals den lange erwarteten Allradantrieb für die Modelle XJ und XF zu sehen, der zum Jahresende in den Verkauf geht. Statt des neuen Range Rover strahlt auf dem Messestand der Jaguar-Konzernschwester zumindest der verjüngte Land Rover Freelander.

Keine russische Automesse ohne den Marktführer Lada. In Deutschland allenfalls müde belächelt ist der Renault-Ableger in Russland eine große Nummer; stellt mit Lada Kalina und Lada Priora zwei ebenso erfolgreiche wie wenig sehenswerte Fahrzeuge für die breite Masse. Mit dem neuen Lada Granta lag ein drittes Lada-Modell im ersten Halbjahr unter den besten zehn verkauften Fahrzeugen. Stark im Kommen ist auch der Kombi Lada Largus, der in Zentraleuropa als Dacia Logan MCV verkauft wird.

Doch wer in Russland und besonders den Metropolen Moskau und Sankt Petersburg etwas auf sich hält, ist entweder mit einem Sportwagen, einer Luxuslimousine oder einem Geländekreuzer aus deutscher, britischer oder amerikanischer Produktion unterwegs. Der Rubel rollt und so sind insbesondere veredelte Versionen von AMG, der M GmbH, Mansory oder Brabus heißt begehrt. Eines eint die Märkte in Deutschland und Russland. Geländewagen und Crossover haben nach wie vor die größten Steigerungsraten. Kein Wunder, dass auf der Moskau Motorshow Fahrzeuge wie Ford Explorer, Nissan Patrol oder Chevrolet Tahoe eine nennenswerte Rolle spielen. Oder vielleicht gleich doch ein lokales Produkt wie den Gelände-Evergreen UAZ Hunter. Immerhin ein Konkurrenz für die legendäre Mercedes G-Klasse - hier neu als G 63 AMG.

pi/news.de

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