Maut für LKW Brummis zahlen auch auf Bundesstraßen

Toll Collect
Die Geldeintreiber für die Autobahn
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Von Sascha Meyer
Ab heute müssen LKW auch auf 1135 Kilometern Bundesstraße Maut bezahlen. Verkehrsminister Peter Ramsauer hofft, dass die Brummis damit quasi marode Brücken und löchrige Straßen reparieren - und Dörfer befürchten, dass LKW jetzt über ihre Straßen donnern.

Es gibt keine Bildschirme, auf denen sich Lastwagen als kleine Lichtpunkte blinkend über die Verkehrsadern der Republik bewegen wie Jets auf den Monitoren der Fluglotsen. Und überhaupt fällt der Start zur Ausdehnung der Lkw-Maut auf große Bundesstraßen in Deutschland eher nüchtern aus. «Alles, was wir heute machen, ist symbolisch», sagt Hanns-Karsten Kirchmann, Chef der Betreiberfirma Toll Collect, als er Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer in der Berliner Unternehmenszentrale begrüßt. Nach einem Computer-Countdown drücken beide um Punkt 0.00 Uhr auf einen roten Knopf - künftig soll das ganz reale Millionensummen in die klamme Bundeskasse lenken.

Seit Mitternacht wird die Maut von durchschnittlich 17 Cent je Kilometer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auch auf 84 Bundesstraßen-Abschnitten berechnet. Diese schließen direkt an Autobahnen an und haben zwei Fahrspuren pro Richtung. Insgesamt betrifft das 1135 Kilometer, zahlen müssen in- und ausländische Lkw ab zwölf Tonnen Gesamtgewicht. Auf den 13.000 Kilometer langen Autobahnen gilt die Maut bereits seit sieben Jahren. Zuletzt brachte sie rund 4,5 Milliarden Euro im Jahr in den Bundeshaushalt.

Durch die Bundesstraßen-Maut erhofft sich Verkehrsminister Peter Ramsauer zusätzlich 100 Millionen Euro. Die chronische Geldnot bei milliardenteuren Modernisierungsprojekten für marode Brücken und strapazierte Fahrbahnen soll das wenigstens etwas mildern. «Jeder, der jetzt zusätzlich diese Lkw-Maut bezahlt, hat unmittelbar einen Nutzen davon», versichert Ramsauer gleich am frühen Morgen noch einmal.

Dörfer fürchten LKW auf Nebenstraßen

Dabei könnte es noch mehr sein. Umwelt- und Verkehrsverbände fordern, Lastwagen auf dem gesamten, knapp 40.000 Kilometer langen Bundesstraßennetz zur Kasse zu bitten. Oder gleich auf allen Straßen. Sie beklagen eine Benachteiligung des Schienenverkehrs. So kritisierte der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter (Grüne), auf weiten Teilen des Straßennetzes dürften Lkw noch immer mautfrei fahren, «während Güterzüge für jeden Kilometer auf der Schiene eine Nutzungsgebühr zahlen müssen».

Ramsauer argumentiert, angesichts der komplexen Technik sei es sinnvoll, sich «auf solidem Fundament Stück für Stück voranzubewegen». Und die aktuelle Ausweitung um fast ein Zehntel der mautpflichtigen Kilometer, «das ist doch schon etwas.»

Von Anfang an beruhigen will der Minister besorgte Kommunen, die nun Lärm durch tonnenschwere Lkws fürchten, wenn Brummis von neuen Maut-Bundesstraßen auf kleinere Gratis-Routen ausweichen. Es sei doch «praktisch ausgeschlossen», dass ein Lkw, der die letzen fünf oder zehn Kilometer zur Autobahn über eine vierspurige Bundesstraße muss, «dann einen großen Bogen macht und durch Dörfer kurvt».

Im Supermarkt kommen Maut-Kosten kaum an

Bei den Verbrauchern dürfte die Maut-Ausdehnung aus Sicht des Handelsverbands HDE nur mit gering steigenden Preisen im Supermarkt ankommen. Natürlich gingen die Kosten für Speditionen und Vertrieb in die Höhe, sagte HDE-Geschäftsführer Kai Falk. «Eins zu eins kann das aber nicht an die Verbraucher durchgereicht werden.» Der Wettbewerb in der Branche sei so stark, dass Preiserhöhungen nur in geringem Maße möglich seien. Die Speditionsbranche geht davon aus, dass die Maut-Kosten an Handel und Industrie weitergegeben werden dürften.

In der Mautzentrale in Berlin zieht Toll-Collect-Chef Kirchmann für seinen Auftraggeber noch ein Gebührenticket für 11,99 Euro aus einem Automaten, der - ganz symbolisch - im Kopierraum steht. So können es auch Lkw-Fahrer an Tankstellen machen. Mehr als 720.000 Lastwagen haben aber automatische Bordcomputer, die neuen Strecken wurden dort schon aufgespielt. Kurz nach der Auftaktzeremonie wird es dann auch doch schon real: Von Bundesstraßen im nachtdunklen Land laufen Daten der ersten 1391 durchfahrenen Kilometer ein.

iwi/news.de/dpa

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