Verkehr Feste Gurte, weiche Polster: Passender Kindersitz fürs Rad

Feste Gurte, weiche Polster: Passender Kindersitz fürs Rad (Foto)
Feste Gurte, weiche Polster: Passender Kindersitz fürs Rad Bild: dpa

Bremen/Bonn - Sicher gesessen ist gut gefahren: Wenn Mama und Papa ihre Kleinen auf dem Rad mitnehmen, benutzen sie dafür häufig einen fest montierten Kindersitz.

Bei der Auswahl sollten Eltern wählerisch sein: Weiche Polster und gute Gurte sind ein Muss.

In Großstädten verzichten viele Eltern auf das Auto als Familienkutsche und steigen stattdessen aufs Fahrrad. Ein Klassiker zum Mitnehmen von Kindern, die noch nicht selbst fahren können, ist dabei der auf dem Rad montierte Kindersitz. So wird der Nachwuchs zum Kindergarten, zum Kuchenessen bei Oma oder zum Arztbesuch gefahren. Doch bei der Auswahl und Montage des Sitzes gibt es einiges zu beachten. Außerdem muss das Fahrrad stabil genug sein.

Generell dürfen Kinder im Alter von neun Monaten bis sechs Jahren auf dem Rad mitgenommen werden. «Zunächst muss ich entscheiden, ob das Kind vorne oder hinten sitzen soll», sagt Roland Huhn vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Soll das Kind vor dem Fahrer sitzen, wird eine Sitzfläche ohne Lehne auf die Rahmenstange, die Lenker und Sattelrohr verbindet, montiert. «Aus Holland kommen auch Sitze, die am Lenker eingehängt werden», berichtet Huhn. Diese dürfen in Deutschland aber nicht benutzt werden. Der Sitz muss an unbeweglichen Teilen des Rades fest montiert sein und darf nicht nur lose aufhängen. «Außerdem muss das Kind genug Abstand zum Lenker haben, damit es in Kurven nicht von der Gabel getroffen wird.»

Hierzulande sitzen die Kinder meist hinter dem Radfahrer. «Man hat sie dann nicht im Blick, sie sind aber besser vor Wind und Regen geschützt», sagt Huhn. Der Sitz wird dann auf dem Gepäckträger oder am Sattelrohr - nicht an der herausziehbaren Sattelstütze - angebracht. «Die Befestigung am Sattelrohr sorgt meist für eine bessere Federung», erklärt Andreas Bergmeier vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). «Besonders auf Kopfsteinpflaster oder unebenen Wegen ist das für Kinder wichtig.»

Bis zu einem Körpergewicht von 22 Kilogramm dürfen Kinder hinten mitfahren, vorne auf dem Rad beträgt das Maximalgewicht 15 Kilogramm. Der Sitz selbst sollte nicht mehr als drei Kilo wiegen.

Damit es die Kleinen bequem haben, braucht der Sitz weiche Polster. «Zum Waschen sollte man diese herausnehmen können», rät Martin Hofmann von der Stiftung Warentest. Gute Sitze bestehen aus Stahlrohren mit Verkleidung oder festem Plastik. Weil Kinder schnell wachsen, seien Modelle für die Heckmontage mit höhenverstellbarer Rückenlehne von Vorteil. Für Sicherheit sorgen feste Gurte mit Verschlüssen, die Kinderhände nicht öffnen können. Huhn empfiehlt eine Kombination aus Becken- und Hosenträgergurt.

Auch Fußstützen, am besten höhenverstellbar und mit zusätzlichen Gurten, sind nach Expertenmeinung ein Muss. «Die Kleinen zappeln gerne mit den Füßen, die dabei in die Speichen geraten können», warnt Huhn. Sitzen Kinder hinten, gehört auf freiliegende Sattelfedern eine Abdeckung - «sonst klemmen sie sich eventuell die Finger ein».

Eltern sollten darauf achten, dass der Sitz auch in Kurvenlage und bei höherem Tempo nicht verrutscht und ein eingeschlafener Sprössling nicht zur Seite wegkippen kann. Daher sollte der Sitz seitliche Kopfstützen haben, die noch dazu bei einem Unfall zusätzlich schützen. «Das ersetzt aber nicht den Helm, den Kinder immer tragen sollten», sagt Hofmann. Er empfiehlt, das Fahrrad beim Kauf des Sitzes immer mitzunehmen. Einige Gepäckträger können das Gewicht des Kindes plus Sitz nicht tragen. Einige Räder hätten außerdem zu dicke oder zu kantige Rahmenrohre. Bei Pedelecs, also Rädern mit elektrischem Zusatzantrieb, könnte der Motor im Weg sein.

Wenn möglich, sollte auch das Kind beim Sitzkauf dabei sein, rät Bergmeier. «Dann sieht man direkt, ob das Kind im Sitz verschwindet oder der Gepäckträger gefährlich ächzt.» Als Entscheidungshilfe beim Kauf dienen Testberichte oder auch das GS-Siegel für «Geprüfte Sicherheit». Gute Sitze kosten laut der Stiftung Warentest zwischen 100 und 80 Euro. Einige Modelle ab 50 Euro seien ebenfalls sicher.

Wer zwei Kinder gleichzeitig auf dem Rad transportieren will, sollte eins nach vorne und eins nach hinten setzen. «Dann noch sicher zu fahren ist aber nicht ohne, dafür braucht es Übung», sagt Bergmeier. Er empfiehlt, vor der Mitnahme von Kindern unter einem Jahr den Kinderarzt zu konsultieren. «Für ganz kleine Kinder kann das Rütteln bei der Fahrt eine Belastung sein, das sollte man abklären.»

Huhn zufolge sind die meisten Eltern beim Radfahren mit Kindersitz aber ohnehin verantwortungsbewusst: «Früher haben Eltern ihr Kind einfach mit einem Kissen auf dem Gepäckträger sitzen lassen, heute sieht man das so gut wie nie. Die meisten wissen, wie wichtig ein guter, schützender Sitz ist.»

Doppelt hält besser

Zusätzlich zum Kindersitz empfiehlt Andreas Bergmeier vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat einen Doppelständer fürs Rad. «Das Fahrrad lässt sich damit wie ein Mofa aufbocken und fällt weniger leicht um». Erst wenn das Rad sicher steht, heben die Eltern das Kind in den Sitz, schnallen die Gurte fest und steigen dann selbst auf.

news.de/dpa

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