Schwarze 0-Nummer Nissan Deltawing

Schwarze 0-Nummer (Foto)
Nissan Deltawing Bild: pi

Der Deltawing von Nissan zog die Besucher des 24-Stundenrennens von Le Mans in seinen Bann - fiel aber nach 1.005 Kilometern durch einen Unfall aus.

"Es ist schon ein kleines Wunder, dass wir heute da sind, wo wir sind - in Le Mans", verrät Ben Bowlby. Dem Designer des seit Jahren wohl auffälligsten Teilnehmers der 24 Stunden von Le Mans, dem Nissan Deltawing, steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. "Ich sage zwar nicht, dass der Deltawing die Zukunft des Rennsports oder gar des Automobils ist, doch haben wir die Möglichkeit die Sichtweise von Menschen in Bezug auf das, was ist bei einem Automobil cool und was hot ist, zu verändern", erklärt er weiter.

Der Deltawing, soviel steht lang vor dem eigentlichen Start des Rennens fest, fällt für die knapp 250.000 Zuschauer unter die Rubrik cool. Während sich die jugendfreien Kommentare zwischen "Oh mein Gott, sieht der geil aus" und "Star Wars lässt grüßen" stetig ähneln, wollen die meisten eigentlich nur eines: "Er soll endlich losfahren!" Doch bevor er das macht, werden noch brav die technischen Daten heruntergebetet und mit einem Strahlen in den Augen und einem Aufleuchten des Kamerablitzlichtes der historische Moment für die Ewigkeit festgehalten. Historisch auch aus dem Grund, da das Nissan-Team die im Jahr 1963 zuletzt genutzte Box 56 besetzen darf. Sie wird nämlich nur an Teams mit alternativen Konzepten vergeben und in den vergangenen 60 Jahren war den Veranstaltern kein Konzept alternativ genug, um es mit dem Einzug in die Box zu belohnen.

Schwarze 0-Nummer
Nissan Deltawing

Das ohne Fahrer und leerem Tank nur 475 Kilogramm leichte Gefährt, welches von oben starke Ähnlichkeit mit dem Überschall-Tarnkappenbomber Lockheed SR-71 hat, verfügt über 300 PS. Der aus dem Nissan Juke stammende aber natürlich stark modifizierte Vierzylindermotor mit 1,6 Litern Hubraum wird durch ein Fünfganggetriebe im Zaum gehalten und beschleunigt den Japaner in 3,3 Sekunden auf Tempo 100. Der vom Klang her recht unspektakuläre Deltawing ist 4,75 Meter lang, zwei Meter breit und nur 1,03 Meter hoch. Anders als der erste Blick vermuten lässt, fährt er auf vier Rädern, denn unter der spitz zulaufenden Front verbergen sich zwei nur jeweils zehn Zentimeter breite Reifen.

Die Renntaktik, soviel sickerte im Vorfeld des Starts durch, ist sehr defensiv, sprich materialschonend ausgerichtet. Von Platz 29 startend fährt der Deltawing daher zwar keine rekordverdächtigen Zeiten ein, doch schauen die anderen Teams nicht schlecht, wenn der außer der Konkurrenz rasende schwarze Renner mit der Startnummer Null in bestechender Konstanz die Ziellinie überquert. "Wenn man überlegt, dass wir nach nur 100 Tagen Entwicklungszeit in diesem Moment die 24-Stunden von Le Mans fahren, ist das für mich immer noch unglaublich", erklärt Ben Bowlby.

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Video: sony pictures

Umso tragischer ist die Tatsache, dass nach 1.005 Kilometern das Rennen für ihn vorbei ist. Der Re-Start des Rennens, welcher durch eine langen Safety Car-Phase bedingt war, ist zugleich sein Ende. Eine Kollision mit einem Toyota, der ihn aus einer Linkskurve drückt, zerstört die Vorderradaufhängung. Selbst der 90-minütige Reparaturversuch von Fahrer Satoshi Motoyama bringt ihn nicht mehr ins Rennen. Das Regelwerk in Le Mans schreibt nämlich vor, dass, solange das Fahrzeug nicht in der Box ist, nur der Fahrer Hand anlegen darf. Da half auch das engagierte Handeln eines auf der gegenüberliegenden Seite stehenden japanischen Fotografen nichts mehr, der dank seiner an Nissan gesendeten Bilder den am Zaun stehenden Ingenieuren zumindest einen virtuellen Blick auf die andere Seite des Deltawings verschaffen konnte.

pi/news.de

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