Sekundenschlaf Wenn ein Aussetzer das Leben kostet

Etwa jeder vierte tödliche Unfall auf der Autobahn ist auf den Sekundenschlaf zurückzuführen.  (Foto)
Etwa jeder vierte tödliche Unfall auf der Autobahn ist auf den Sekundenschlaf zurückzuführen.  Bild: dpa

Das größte Sicherheitsrisiko beim Autofahren bleibt der Fahrer selbst. Vor allem, wenn er übermüdet ist. Sekundenschlaf dauert nur etwas länger als ein Lidschlag. Mit fatalen Folgen: Jeder vierte tödliche Unfall ist darauf zurückzuführen. Darauf sollten Sie am Steuer achten.

Einmal kurz weg sein - das kann doch nicht so schlimm sein. Was soll schon in dieser Sekunde am Steuer passieren? Eine grob fahrlässige Wahrnehmung: Ein Autofahrer, der mit Tempo 100 unterwegs ist, legt während einer Sekunde Schlaf 28 Meter blind zurück. «Nahezu jeder vierte tödliche Unfall auf Autobahnen kann auf das Einschlafen am Steuer zurückgeführt werden», sagt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn.

«Die bisherigen Auswertungen zeigen, dass das als Sekundenschlaf bekannte Phänomen sehr individuell auftritt», sagt Marion Seidenberger, Verkehrspsychologin des österreichischen Autoclubs ÖAMTC. «Eine allgemeine Aussage über die Umstände, unter denen ein Autofahrer plötzlich weg ist, kann nach derzeitigem Stand nicht eindeutig getroffen werden.»

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Der verhängnisvolle Aussetzer tritt nicht nur nachts auf. Einschlafunfälle häufen sich nach Erfahrungen von Experten vor allem in den Morgen- sowie in den Nachmittagsstunden, oft auch nach einem opulenten Mittagessen. Die Ursachen für das kurze Eindösen am Steuer sind einfach - monotone Strecken und Übermüdung.

Wer übermüdet oder schläfrig ist, fährt generell mit einem erhöhten Risiko, denn seine Reaktionsfähigkeit beträgt nur knapp ein Viertel des normalen Werts. «In solchen Situationen», sagt Frank Volk vom Tüv Süd in München, «hilft nur, rechts ran, Augen zu machen und schlafen, alles andere ist Humbug».

Wer länger wach bleibt, ist früher tot

Mittels GPS-Peilsendern in Testfahrzeugen analysierte der ÖAMTC bei Probanden sowohl die Durchschnittsgeschwindigkeit als auch das Spurverhalten. «Es zeigten sich markante Schwankungen, die Testpersonen wechselten häufiger das Tempo und durchfuhren beispielsweise Kurven mit unterschiedlichen Radien», fasst die Verkehrspsychologin zusammen. ElektroenzephalogrammeTestverfahren zur Erfassung von Hirnströmen (EEG) der Testfahrer hätten zudem offenbart, dass vor allem lange Wachzeiten vor Fahrtantritt eindeutig zu Ermüdungserscheinungen führten, sagt die Verkehrspsychologin: «Auch die Schlafdauer der vergangenen Nacht spielt eine große Rolle.»

Je kürzer man geschlafen habe, je länger man wach sei, desto müder und gestresster setze man sich ins Auto mit den entsprechenden Folgen. Ebenfalls sehr wichtig sei das subjektive Müdigkeitsgefühl: Fühle man sich müde, schlapp und leistungsschwach, sei man es meist wirklich. Keinen messbaren Einfluss auf die Müdigkeit hätten Faktoren wie Alter, Geschlecht, Schlafgewohnheiten und Schlafqualität.

Tagträume haben am Steuer nichts verloren

Um dem verhängnisvollen Schlafbedürfnis auszuweichen, sollte man bereits vor Fahrtantritt Pausen einplanen, rät Marion Seidenberger. «Am besten wird die Fahrstrecke so gewählt, dass man nach spätestens eineinhalb bis zwei Stunden die erste Pause einlegen kann.» Man sollte nicht erst dann Pause machen, wenn man bereits müde sei, sondern die geplanten Fahrtunterbrechungen strikt einhalten.

«Driften die Gedanken ab und treten Tagträume auf, sind das bereits erste Alarmsignale», erklärt die ÖAMTC-Expertin. «Auch wenn man sich nur schwer oder gar nicht an die gerade zurückgelegte Strecke erinnern kann, sollte man besser sofort eine Pause einlegen.»

Weitere Vorboten seien unruhiges Sitzen, ein allgemeines Stimmungstief und Antriebslosigkeit. Stoppe man das Fahrzeug und lege ein Nickerchen ein, sollte dieses nicht länger als 20 Minuten sein, rät Seidenberger. Entsprechend sollte ein Wecker, beispielsweise im Mobiltelefon, aktiviert werden.

sca/rzf/news.de/dapd

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Pazifiko
  • Kommentar 1
  • 11.07.2013 22:52

Ein riesiges Problem haben seit eh und je Autofahrer, und unter diesen insbesondere Arbeitnehmer, aber sicher auch etliche Freiberufler, die finanzielle Einbußen durch einen Verkehrsunfall auf dem direkten Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte als Werbungskosten beim Finanzamt geltend machen wollen. Denn sie sind der Beamten Willkür einfach gnadenlos ausgeliefert. Wer dennoch gegen den Fiskus klagt, der riskiert bei Unterlegenheit vor dem Gericht auch noch die vollen Anwalts- und Prozesskosten tragen zu müssen. Ein unsägliches Faktum, das viele Geschädigte von vornherein resignieren lässt!

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