Motorradsaison So bleiben Biker auf der Strecke

Aufwärmtraining für Biker (Foto)
Sicher im Sattel sitzen: Gerade in den ersten Wochen der Bikesaison ist es wichtig, es langsam angehen zu lassen. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Andreas Schloder
Die ersten langen Sonnentage im Frühling sind da: Damit steigen nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Todeszahlen im Straßenverkehr. Für Motorradfahrer ist der Frühling die gefährlichste Zeit. News.de klärt auf, wie der Start in die Saison unfallfrei gelingt.

Motorradfahrer können den 1. April gar nicht schnell genug herbeisehnen. Ab diesem Stichtag dürfen sie mit dem Saisonkennzeichen endlich in den Biker-Frühling starten. Und das Cruisen ist beliebter denn je: Nach ADAC-Angaben ist der Motorradbestand in der Bundesrepublik in den vergangenen 15 Jahren um 176 Prozent angestiegen - um die vier Millionen Maschinen stehen in Deutschlands Garagen oder auf Parkflächen.

Doch die meisten Biker kommen zum Saisonstart nur langsam in die Gänge. Mit verheerenden Folgen. Im Frühling 2011 starben 32 Prozent mehr Biker als im Vorjahr. «Je sonniger das Wetter ist, desto schneller steigen die Unfallzahlen», erklärt Josef Maurus, Verkehrsexperte des ADAC Südbayern. Die ersten drei Wochen der Saison seien am schlimmsten.

Eicma in Mailand
Heißer Herbst in Norditalien
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Autofahrer noch nicht auf Biker eingestellt

Das Problem: Zum einen befinden sich viele Verkehrsteilnehmer trotz Frühlingsgefühlen noch im Winterschlaf. Sie sind mental noch nicht auf die Fahrer auf zwei Rädern eingestellt und nehmen sie auch nicht wahr. Zum anderen hat der Winter deutliche Spuren auf Deutschlands Straßen hinterlassen. «Vielerorts liegt noch Rollsplit auf der Straße, der in den Kurven den Biker aus dem Gleichgewicht und zum Sturz bringen kann», warnt Maurus, der selbst seit 45 Jahren leidenschaftlicher Motorradfahrer ist. Schlaglöcher als Frostschäden tun ihr Übriges und werden zum Sicherheitsrisiko.

Doch der größte Unsicherheitsfaktor bleibt der Biker selbst. Gerade zu Beginn der Saison. Denn nicht nur die Maschine, auch der Fahrer muss wieder auf Touren kommen. «Nach dem langen Winter haben die Motorradfahrer meist noch Defizite, den richtigen Bremspunkt zu finden», berichtet Maurus. Auch das richtige Gefühl für Straßenlage und Verkehrssituation hat sich noch nicht so recht eingestellt. Komme es dann zu einem Unfall, kann es schon zu spät sein. Nach Angaben des Verkehrsexperten haben Biker ein 16-fach höheres Todesrisiko als Autofahrer.

Umso wichtiger sei es, ruhig und besonnen in die Saison zu starten. «Letztendlich kann man nur an die Vernunft des Fahrers appellieren. Motorradfahren kann ein herrliches Vergnügen sein, aber es kann auch Leben nehmen», mahnt der ADAC-Fachmann.

Um wieder Vertrauen in die eigenen Fahrkünste zu bekommen, empfehlen sich zum Eingewöhnen kurze Ausfahrten im Flachen. Das Aufwärmtraining sollte zwischen 200 und 500 Kilometern betragen. Von kurvenreichen Bergetappen sollte man die Finger lassen.

Zudem sei es wichtig, sich Meter für Meter an das richtige Bremsen, Schräglagenfahren und rechtzeitiges Reagieren heranzutasten. Das kann Maurus zufolge auch abseits der Straße passieren. Wer ungestört an seinem Fahrstil feilen will, dem seien leere Parkplätze oder geteerte Freiflächen empfohlen.

Motorradsicherheit
Luftsack in Kinderschuhen
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Nicht zu viel Gummi auf der Straße lassen

Doch was hilft die beste Fahrweise, wenn die Maschine noch nicht aus dem Winterschlaf aufgewacht ist? «Für die Maschine sind neben dem Batteriecheck ein paar technische und kosmetische Handgriffe notwendig, um das Motorrad fit für die neue Saison zu machen», rät Stefan Kerbl, Techniker des österreichischen Autoclubs ÖAMTC in Wien. Hans-Ulrich Sander, Motorrad-Experte beim Tüv-Rheinland und selbst passionierter Biker, wird da konkreter: «Überlebenswichtig ist der einwandfreie Zustand von Reifen und Bremsen.»

So sollte das Profil der Gummis deutlich über der gesetzlichen Mindestanforderung von 1,6 Millimetern liegen. Um den Zustand der Reifen am besten kontrollieren zu können, sollte die Maschine dafür aufgebockt werden. Dabei die Räder langsam von Hand drehen und nachsehen, ob Risse, poröse Stellen oder eingefahrene Gegenstände einen Wechsel notwendig machen.

«Fabrikneue Reifen müssen in der Regel vorsichtig eingefahren werden, bis sie genügend Grip aufgebaut haben», sagt Sander. Wichtig für die Fahrstabilität sei, den Luftdruck am kalten Reifen zu kontrollieren.

Es nicht auf die Bremse ankommen lassen

Der Bremsanlage kommt als eine Art Lebensversicherung eine zentrale Bedeutung zu. «Nach der langen Winterpause empfiehlt sich eine Probefahrt, um dabei die Bremswirkung zu testen. Hand- und Fußbremse sollten gleichmäßig und ordentlich dosierbar zupacken», sagt ÖAMTC-Fachmann Kerbl.

Sein Kollege Sander vom Tüv rät: «Die Bremsscheiben nach der Winterpause mit speziellen Reinigern aus dem Fachhandel säubern. Außerdem Beläge und Klötze auf ausreichende Stärke kontrollieren.» Bei Trommelbremsen zeige eine Skala am Gehäuse an, ob die Belagstärke noch in Ordnung sei.

Nicht nur der Fahrer kommt in die Jahre, auch die Bremsflüssigkeit: Da sie aufgrund ihrer Zusammensetzung einem Alterungsprozess unterliegt, sollte sie alle zwei Jahre gewechselt werden. Wer sie nicht tauscht, riskiert Bremsprobleme. «Bremsleitungen und -schläuche müssen absolut dicht sein und dürfen keine Risse oder Scheuerstellen aufweisen», betont Sander.

Auch den Motorölstand sollte der Biker im Blick haben. Die meisten Hersteller empfehlen jährlich einen Ölwechsel. Die Kontrolle von Kühlmittel und Hydraulikflüssigkeit gehört ebenfalls zum Pflichtprogramm zum Saisonstart.

Die Antriebskette muss stets mit ausreichend Schmierstoff versorgt sein. Auch auf die richtige Spannung ist zu achten. Dabei gilt die Faustregel: Die Kette sollte sich rund zwei Fingerbreit auf und ab bewegen lassen. Zudem muss die Funktion von Blinker, Licht und Hupe geprüft werden.

ham/rzf/news.de/dapd

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Niklas
  • Kommentar 2
  • 23.03.2012 16:13
Antwort auf Kommentar 1

Soweit ich weiß sind die neuen Decken talkumiert damit der Händler sie möglichst lange ohne Schäden lagern kann bis sie dann verkauft werden ! Diese Schicht muß erst abgefahren werden , aber mit äußerster Vorsicht da die eigentlichen Reifeneigenschaften noch nicht zum tragen kommen können . Dafür reichen normalerweise so 70 - 100 km aus .

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  • bikerfreund
  • Kommentar 1
  • 22.03.2012 13:48

Ganz wichtig: Neue Reifen unbedingt einfahren. Riskiert man maximale Schräglage mit nagelneuen Reifen, ist der Abflug vorprogrammiert. Leider wissen das die wenigsten.

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