Lada Niva Der Genosse fürs Gelände

Dieser Jeep hat eine russische Seele. Er klappert wie Hexe Baba Jagas Knochen, säuft wie ein ganzer Kosakenchor, trotzt Kälte und Unwegsamkeiten wie Großväterchen Frost. News.de hat ihn getestet, den Lada Niva. Diesen neuen alten Offroader.

Der Genosse fürs Gelände (Foto)
Komfortverwöhnte Zeitgenossen, die nur mit Assistenten einparken können, brauchen gar nicht weiterlesen: Der Lada Niva ist Autofahren pur. Bild: news.de

Das dünne Hartplastiklenkrad und die Kippschalter sind noch immer die gleichen, wie die in den DDR-Ladas, damals in den 1980er Jahren. Als Ostkind fühlt man sich im Lada Niva sofort heimisch und schmunzelt in freudiger Erwartung vor sich hin. Einfache Technik trifft auf minimalen Komfort, und verspricht dennoch maximalen Fahrspaß.

In diesem puristischen Geländewagen geht es einzig um Fortbewegung. Das macht der Genosse von der Wolga sofort klar - durch die Geräuschkulisse und das Fehlen sämtlicher Annehmlichkeiten. Hier sind warme Unterhosen statt Sitzheizung angesagt, Kartenmaterial statt Bordcomputer, Daunenjacke statt Airbag, Sport-BH statt Superfederung - Waldweg statt Autobahn.

Der quadratische Retro-Russe erntet viele Blicke. Die sind selten neidischer Natur, sondern drücken eher Verwunderung aus. Seit 1976 wurde an der Optik des Lada Niva weder geschraubt noch gefeilt und so wirkt das Vehikel eher klassisch. Ein trotziger Frontbügel, das elektrische Schiebedach, getönte Scheiben, LED-Tagfahrlicht und Aufkleberdekor namens «Outback»sind die Extras unseres Testfahrzeugs. Letzteres beschert dem Retro-Look jedoch eher ein wenig Albernheit.

Russische Gemütlichkeit

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Lada Niva ist kein Fluchtauto. Der Geräuschpegel, der ab Tempo 100 nicht mehr mit authentisch verklärt werden kann, nervt und macht ein wirklich schnelles Wegkommen vom Tatort unmöglich. Auch die Wegfahrsperre, für deren Entsicherung man ein kleines Plastikstummelchen über einen Sensor halten muss, bis dieser zweimal piept, ist zeitraubend und eigentümlich.

Ebenso ungewöhnlich ist die Position des Zündschlosses: Das befindet sich nämlich nicht wie üblich rechts, sondern - wie im Porsche - links vom Lenkrad. Setzt sich der Vierzylinder-Benziner in Bewegung, kollert und rumpelt es im Innenraum, wahlweise heulen das Gebläse und der Motor beim Herunterschalten dazu. Eine Art russische Gemütlichkeit macht sich breit. Die Lüftung, die sich mittels Kippschalter nur in laut und ganz laut einstellen lässt, bläst aber sofort den Innenraum warm und die Frontscheibe frei.

Taiga, Tundra, Taunus

Los geht's. Drei Schaltknüppel warten auf ihren Meister: Der längste und hakeligste, der wie Baba Jagas Hühnerbein am Hexenhaus herausstakt, ist der Ganghebel. Das Einlegen des Rückwärtsgang braucht ein gekonntes Zusammenspiel von Muskel- und Gehirnmasse. Überhaupt ist beim Schalten viel Gefühl gefragt, denn die Gänge scheinen nicht immer dort zu sein, wo man sie vermutet. Ähnlich ergeht es einem mit dem Kofferaumhebel. Der befindet sich dort, wo sich bei allen anderen Autos der Welt die hintere Autotür öffnen lässt. Die Tankanzeige gleicht einem Wodka-Glas: Nie richtig voll und doch viel zu schnell leer, oder ist da noch ein Rest drin? Was auch immer der Grund für die schwankende Skala war, verlassen sollte man sich nicht auf sie.

Der Lada Niva ist kein Auto für die Großstadt, sondern für Taiga, Tundra, Taunus. In unwegsamem Gelände schlägt seine große Stunde. Aktives Fahren ohne technische Helferlein ist angesagt. Dann nimmt der rollende russische Quader souverän jede Steigung auch auf glitschig-lehmigen Waldwegen. Optimale Komplizen dafür sind das niedrige Gewicht, von 1285 Kilogramm und die kurze Karosserie mit gerade einmal 3,72 Metern Länge. Es macht also durchaus Sinn, dass Mitglieder der deutschen Landesjagdverbände beim Kauf eines Lada Niva zwölf Prozent Rabatt erhalten.

Fazit: Ein Lada Niva eignet sich für alle, die zeitlose Offroader lieben, Sinn für (N)Ostalgie haben und auf Schnickschnack verzichten können. Für Förster, Jäger, Erzgebirgler und andere Bergbewohner leistet der billigste aller allradgetriebenen Geländewagen auf dem deutschen Markt dank eines Verteilergetriebes mit Geländereduktion und einer Differentialsperre gute und zuverlässige Dienste.

wie/sgo/news.de

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