Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Auffallend: Nicht nur mit greller Farbe wusste der news.de-Testwagen zu glänzen. Viel Nutzwert verbindet der Ford Focus Turnier mit ansprechendem Aussehen und einem kräftigen Turbo-Benziner. Lesen Sie in unserem Praxistest von viel Licht und etwas Schatten.
Zwei Testwochen im Ford Focus Turnier beginnen mit einer sicheren Erkenntnis: Dieses Auto wird auf keinem Parkplatz verloren gehen. Mustard-Olive-Yellow, zu deutsch Senfgelb, ist die Außenhaut des kompakten Kölner Kombis gefärbt. Die helle Lackierung hat neben der Sichtbarkeit den Vorteil, nicht wie dunkle Töne die Form zu schlucken. Denn die ist bei der aktuellen Focus-Generation gut gelungen. Der Auftritt des Kombis ist gestreckt und wohlproportioniert. Vor allem die Front wirkt dynamischer als der Designeinheitsbrei der Vorgängergenerationen und sieht mit dem trapezförmigem, tief nach unten gezogenen Kühlergrill gut aus.
Ford legt Wert darauf zu betonen, dass der Focus nicht gewachsen sei, man nicht dem Trend zu immer wuchtigeren Fahrzeugen folge. Dennoch ist der Turnier mit einer Fahrzeuglänge von mehr als 4,5 Metern ein ausgewachsener Vertreter. Solche Dimensionen hatte zum Vergleich der Mondeo-Vorgänger Sierra, ein ausgewachsenes Mittelklassefahrzeug. Demzufolge fällt das Platzangebot für die Vorderleute üppig aus und auch in der zweiten Reihe ist für Kompaktverhältnisse viel Platz. Positiv hervorzuheben ist die Langstreckentauglichkeit des Gestühls in der zweiten Reihe.
Gute Übersicht, durchschnittliche Fahreigenschaften
Im Gegensatz zum unübersichtlichen Konzernbruder C-Max vermittelt der Kölner Kombi ein gutes Gefühl für die Fahrzeugabmessungen und vor allem -grenzen. Die letzten Zweifel gegenüber dem alltäglichen Umgang mit dem Focus Turnier wischt der optional erhältliche Parkassistent beiseite. Er identifiziert selbstständig geeignete Parklücken, parkt vollautomatisch ein und funktionierte im Alltagstest problemlos.
Das Fahrwerk ist ein guter Kompromiss zwischen stabiler Straßenlage und dynamischen Eigenschaften. Bei flotter Fahrt hält der Wagen sicher die Spur, poltert aber hör- und spürbar, und hinterlässt insgesamt keinen souveränen Eindruck. Die Bremsen sind für den Alltag ausreichend. Die große Reise mit viel Beladung meistert der Wagen indes klaglos. Der im news.de-Test gefahrene 1,6-Liter-Ecoboost-Benziner mit 150 PS darf 542 Kilogramm zuladen, da schlucken Konkurrenten wie Opel Astra und VW Golf mehr. Dasselbe gilt für das Kofferraumvolumen des Focus, das von 476 bis 1516 Litern reicht. Doch der vorhandene Raum überzeugt mit guter Nutzbarkeit und praktischen Details wie Gepäcknetz und Zurrösen. Die niedrige Ladekante unterstützt den hohen Nutzwert des Kombis.
Im Alltag eher gewöhnungsbedürftig ist die Bedienbarkeit. Allein das Volant erschlägt den Piloten mit zahllosen Bedienungs- und Kontrollmöglichkeiten. Bereits bekannt aus anderen Ford-Baureihen ist die zerklüftete Mittelkonsole. Der Multifunktionsbildschirm konnte hingegen einen guten Eindruck hinterlassen. Aufgeräumt und klar strukturiert ist zudem die Steuerung der Belüftung und Klimatisierung.
Kräftiger, durstiger 150-PS-Ecoboost-Benziner
Der kleinere Ecoboost-Benziner im Bug erweist sich als sinnvolle Motorisierung für den Kompaktkombi. Schon bei niederen Drehzahlen bietet er kräftigen Durchzug und ermöglicht so spritsparende und schaltarme Fahrweise. Im sechsten Gang steht im Stadtverkehr immer genug Schub zur Verfügung. Auf Landstraße und Autobahn zahlt sich dann die lange Übersetzung der letzten Schaltstufe aus, da man mit nicht allzu hohen Drehzahlen flott unterwegs ist.
Leider wird der Turnier bei schneller Fahrt ziemlich laut und beginnt zu trinken. Wer zügig reisen will, muss mindestens neun Liter Durchschnittsverbrauch einkalkulieren. Im Schnitt pendelte sich der Durst des 150-PS-Benziners während unseres zweiwöchigen Praxistests bei 7,8 Litern Superbenzin pro 100 Kilometer ein. Das überbietet die realitätsfernen Angaben des EU-Testzyklus um 1,8 Liter.
Mit Topausstattung sind schnell 25.000 Euro fällig
Bereits ab 18.650 Euro ist ein Ford Focus Turnier zu haben, dann in der Basisausstattung Ambiente mit 105-PS-Benziner. In der Ausstattungslinie Trend sind mindestens 20.300 Euro für den Kölner Kombi fällig. Das news.de-Testfahrzeug verfügte über die üppige Titaniumvariante - unter anderem mit serienmäßiger Klimaanlage, Berganfahrassistent und Tempomat. Dafür sind mit dem 150-PS-Ecoboostmotor im Bug mindestens 24.650 Euro fällig. Die zahlreichen elektrischen Assistenten verkauft Ford in verschiedenen Fahrer-Assistenz-Paketen.
Der Turnier ist kein Schnäppchen, sondern bewegt sich im klassenüblichen Rahmen. Den sprengt der Kompakte mit seinen vielen technischen Assistenzsystemen und erfreut zudem das Auge mit gelungenem Design. Leider leistet er sich viele kleine Teufel im Detail: Die Verarbeitung im Innenraum weiß nicht immer zu überzeugen, die Kofferraumklappe scheppert beim Schließen und der Motor kann bei Bedarf mächtig saufen. Der Focus Turnier ist kein perfektes Auto, aber er verfügt über viele technische Leckerbissen. Und in Senfgeld wird der Kombi garantiert niemals von einem Schneepflug gerammt.
ham/kat/news.de
Habe mir nach einigen Diskussionen mit Autoverkäufern von VW und Ford den meiner Meinung nach sicher gleichwertigen C-Max gekauft. Hauptgrund war letztlich das hochnäsige getue des VW-Verkäufers, der nach meiner Probefahrt mit einem Golf auf meine Nachfrage zur Inzahlungnahme meines gebrauchten Ford doch tatsächlich sagte, dass er sich noch genau überlegen müsste, ob er einen "Ford" überhaupt in Zahlung nehmen würde. (Wohlgemerkt nicht eine Uraltkiste sondern einen 6 Jahre alten gut erhaltenen Ford C-Max mit ca. 50tkm)...
jetzt antwortenKommentar meldenes gibt zum Glück den Ford auch noch in andere Farben!!! Ihr Deutsche messt alles mit VW, seht nur im VW das Gute und Fehler sucht man bei den Anderen! Aber Gott sei gesdankt der VW ist auch kein Perfektionist! Es wäre aber schön einmal von deutschen Jounalisten objektives Urteil zu lesen können und sich nicht von Qualitätseindrücken,Raum-gefühlen und Geräuscheindrücken leiten zu lassen. Frohne Festtage. Heinz Tanzer
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