Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Großer Auftritt, kleine Schwächen: Alfa Romeos Giulietta ist der italienische Beitrag zur Kompaktklasse. Mit klassischem Stil und rassigem Design erfüllt die Turiner Schmiede die Erwartungen der Fans. Rationale Köpfe indes werden auch in Zukunft mit der Diva nicht warm werden.
Der große Auftritt ist seit jeher die Domäne von Alfa Romeo. Auch die Giulietta geizt nicht mit ihren Reizen: Der typische Scudetto, der schildförmige Kühlergrill, schmückt die Front und trotz der vier Türen besitzt der Wagen eine sportliche Form. Form statt Funktion. Der news.de-Testwagen schöpft optisch aus dem Vollen: Im Innenraum der schwarzen Karosse glänzt rotes Leder, schwarzer Klavierlack erfreut das Auge.
Ganz dem sportlichen Anspruch der Marke verpflichtet, versprüht das Interieur viel Dynamik. Dafür sprechen das in matter Aluminium-Optik gehaltene Armaturenbrett ebenso wie die in tiefen Röhren liegenden Rundinstrumente oder die Kippschalter - eine Reminiszenz an den Supersportler 8C Competizione. Bedienfreundlichkeit und Sitzkomfort auf Polstern mit hohen Seitenwangen zeugen davon, dass es bei aller Liebe zum sportlichen Detail um die Alltagstauglichkeit des Wagens gut bestellt ist.
Zweite Reihe gleich zweite Klasse
So haben Fahrer und Beifahrer ausreichend Knie- und Ellbogenfreiheit. In der zweiten Reihe finden zwei Mitreisende genügend Platz. Sehr groß gewachsen sollten die beiden aber nicht sein, denn dann kommt der Dachhimmel doch recht nah. Manch einer mag sich auch an den relativ kleinen Scheiben rundum stören. Deren Größe fällt aber nur bei der Sicht nach hinten ins Gewicht, da die breiten C-Säulen den Überblick zusätzlich einschränken. Die Investition von 360 Euro für Parksensoren ist deshalb ratsam.
Ein Manko im Passagierabteil sind die wenigen Ablagemöglichkeiten. Das eine oder andere Staufach mehr wäre wünschenswert. Der Kofferraum dagegen hat mit einem Fassungsvolumen von 350 Litern eine branchenübliche Größe. Bis auf die relativ hohe Ladekante stören keinerlei Ausbuchtungen die Nutzbarkeit des Stauraums. Nervig jedoch sind die vielen kleinen Schlampereien der Italienerin. Die Steuerung der Sitzheizung für den Beifahrer ist für den Piloten während der Fahrt beispielsweise nicht zugänglich. Richtig schlimm ist die Steuerung des USB-Sticks. Bei jedem Neustart des Wagens beginnt die Wiedergabe von vorn. Von ganz vorn. Außerdem ist die Menüführung zur Steuerung der externen Quelle unübersichtlich und kompliziert.
Einen besseren Eindruck hinterlässt die Steuerung der Fahrprogramme. Die Modi Dynamic, Normal und All Weather stehen zur Verfügung. Auf Knopfdruck lassen sich so Motorcharakteristik und Ansprechverhalten des Fahrzeugs verändern. Die einzelnen Programme sind individuell modifizierbar und auf die jeweiligen Bedürfnisse einstellbar. Alfa Romeo D.N.A.nennt das der Hersteller. Sport- und Technik-Puristen freuen sich zudem, dass Sie den Arbeitsverlauf des Turboladers beobachten können.
Durchschnittsverbrauch liegt 50 Prozent über der Werksangabe
Einen guten Eindruck hinterlässt der Antrieb. Der Zwei-Liter- Turbodiesel hat keine Mühe mit dem kompakten Wagen. Dem kommt der Umstand zugute, dass die Italienerin mit 1,4 Tonnen nicht allzu viel Hüftspeck mit sich trägt. Schon von unten schiebt das 140-PS-Aggregat kräftig an und schickt 320 Nm Drehmoment an die Vorderachse. Diesen Wert teilt sich der mittlere Selbstzünder mit dem Top-Diesel mit 170 PS. Der kleinste Ölmotor leistet 105 PS. Der news.de-Testwagen konsumierte im Schnitt 6,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Dieser Wert liegt mehr als 50 Prozent über den 4,5 Litern, die der Hersteller verspricht. Bei flotter Fahrweise verdoppelt sich der Normverbrauch fast. Das ist eindeutig zu viel.
Mindestens 25.450 Euro kostet der gefahrene Alfa Giulietta mit dem Tourismo-Ausstattungspaket und dem handgeschalteten 140-PS-Selbstzünder. Dann sind bereits unter anderem eine brauchbare Audioanlage, Zwei-Zonen-Klimaautomatik oder das Multifunktionsdisplay an Bord. Serienmäßig hat der Wagen auf jeden Fall reichlich Details, die die Herzen der Fans ansprechen werden. Kühl kalkulierende Kompaktklassen-Käufer wird der Alfa jedoch auch in Zukunft nicht begeistern können. Die werden sich an seinen nervigen Kleinigkeiten reiben und mit Golf, Astra und Co. glücklicher werden.
sgo/sis/news.de/dpad