Lancia Thema Al Capone würde ihn kaufen

Al Capone würde ihn kaufen (Foto)
Würde Al Capone in der Gegenwart leben, der neue Thema wäre seine erste Wahl für die Straßen von New York. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Italiener mit US-amerikanischen Wurzeln: Lancias neue große Limousine war früher ein Chrysler. Trotz einer Milliarde Dollar Investitionen bleibt der Thema ein Ami. Dafür bietet er zum günstigen Preis eine üppige Ausstattung - und klassische Limousinen-Optik in bester Ganoven-Manier.

Dirk Bott, Markenmanager von Lancia Deutschland, redet erst gar nicht um den heißen Brei herum: «Der Thema ist lediglich ein Ergänzungsfahrzeug in unserem Sortiment.» Einen Kassenschlager sollte man auch nicht erwarten, denn der aktuelle Beitrag Lancias zur oberen Mittelklasse ist ihr erster in diesem Segment seit 1994. Richtig neu ist das Auto allerdings nicht, handelt es sich doch im Grunde um einen Chrysler 300C, den Fiat nach der Chrysler-Übernahme überarbeitet und mit einem Lancia-Logo versehen hat.

Auch wenn die Presseverantwortlichen nicht müde werden zu betonen, dass rund eine Milliarde Dollar in den Umbau der großen Limousine gesteckt worden sind: Dieses Auto ist nicht neu. Die Mehrlenker-Hinterachse zum Beispiel ist die der alten Mercedes E-Klasse - ein Kind der vergangenen Ehe zwischen Chrysler mit Daimler. Von außen wurden die Lampen etwas modifiziert und der wabenförmige Kühlergrill des Amis ist einem Modell mit Rippen gewichen.

Lancia Thema
Diese Limousine ist ein Versprechen

Viele Modifikationen, doch der Kern bleibt gleich

Die Optik des 300C war wuchtig und daran können Lancias Retuschen wenig ändern. Auch wenn Klaus Schühle, verantwortlich für die Homologationsmaßnahmen bei Fiat Deutschland, darauf hinweist, dass 90 Prozent der Grundstruktur des Fahrzeugs verbessert worden seien – die Gene des alten 300C bestimmen Optik und Technik des neuen Thema.

Wenigstens sieht der Lancia dank oben genannter Maßnahmen nun etwas filigraner und gefälliger aus, bleibt dem individuellen Anspruch der Marke treu. Im Innenraum hat sich die Anmutung im Vergleich zum Chrysler verbessert, was allerdings kein Kunststück darstellt. War das Cockpit der Ami-Limousine in bester Plastik-Tradition US-amerikanischer Wagen, so setzt Lancia seine Philosophie gehobener Optik und Haptik um. Das geht allerdings nur teilweise auf. Denn während Holz, Leder und Chrom das Auge erfreuen, nerven Details wie eine klapprige Mittelarmlehne und billiger Kunststoff an den Unterkanten der Türen.

Kein Start-Stopp, kein Hybrid, keine Elektromotoren

Motorenseitig gibt es keine Überraschungen: Zwei Diesel und ein Benziner stehen zur Auswahl. Die beiden Sechszylinder-Selbstzünder mit je drei Litern Hubraum leisten 190 beziehungsweise 239 PS, der 3,6-Liter-Benziner mobilisiert 286 PS. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die zeitgemäße Achtgangautomatik aus dem Hause ZF, während die Diesel mit betagten Fünfgangautomaten Vorlieb nehmen müssen. Der hat zwar genügend Kraft zur Verfügung, ist aber schaltfaul und hinterlässt keinen souveränen Eindruck.

Den allerdings vermittelt das gute Fahrwerk. War der 300C noch typisch amerikanisch viel zu weich gefedert und neigte zu unangenehmen Nick- und Wankbewegungen, so liegt der Lancia straff und souverän auf der Fahrbahn. Dem guten Fahrverhalten kommt außerdem zugute, dass die große italienische Limousine nun endlich über einen Heckantrieb verfügt.

Selbstzünder ab 41.400 Euro

Die eigentliche Stärke des neuen Thema ist jedoch sein verführerischer Preis. In Kombination mit einer sehr guten Ausstattung ist der kleine Diesel bereits ab 41.400 Euro zu haben. In der Top-Ausstattung Executive kostet der Wagen dann mit dem großen Diesel oder dem potenten Benziner 50.900 Euro. Damit liegt der Italiener 10.000 bis 15.000 Euro unter den Preisen der deutschen Konkurrenz in Form eines Audi A6, BMW 5ers oder einer Mercedes E-Klasse.

Zweifellos ist der neue Thema individuell und stilsicher. Ob er allerdings den hohen Qualitätsstatus der oberen Mittelklasse permanent erfüllen können wird, ist angesichts der nicht konsequent guten Verarbeitung unklar. Wer sich auf diese Ungewissheit einlässt, der bekommt fürs Geld auf jeden Fall mehr geboten als bei der deutschen Konkurrenz. Und bei dieser klassischen Limousinen-Optik kann man sicher sein: Würde Al Capone in der Gegenwart leben, der neue Thema wäre seine erste Wahl für die Straßen von New York.

Lesen Sie hier den Kommentar von news.de-Redakteur Sascha Gorhau zum Thema Chrysler wird Lancia.

beu/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • werner
  • Kommentar 1
  • 12.11.2011 12:24
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