Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Konkurrenzlos groß: Der Chrylser Voyager war seit jeher einer der geräumigsten Vans. Nach der Übernahme durch Fiat ist der Wagen ab sofort ein Lancia. Seit heute steht er zu Preisen ab 39.990 Euro beim Händler. News.de war mit dem dicken Italo-Amerikaner unterwegs.
Ehrlich währt am längsten. Deshalb versucht Lancia erst gar nicht, die Identität seines neuen großen Vans zu verbergen. Der nämlich war früher ein Chrysler Voyager und ist jetzt folgerichtig ein Lancia Voyager. Unter dem US-Emblem war der Van seit jeher geprägt von den beiden großen P: Platz und Plastik. Ersterer Charakterzug machte ihn traditionell zum Verbündeten von Großfamilien, Outdoor-Freunden und Baumarktgängern. Zweitere Eigenschaft indes vermieste den qualitätsverwöhnten Europäern schon mal die Freude am trostlosen Innenleben und der zweifelhaften Verarbeitung des dicken Cowboys.
Riesige Ausmaße und miese Qualität. Viel Schein, wenig Sein. Als Chrysler war der Voyager in den Augen vieler deutscher Autolenker ein typischer US-Wagen. Lancia will nun die fürstlichen Platzverhältnisse mit ansprechendem Interieur kombinieren. Amerika trifft Italien. Was der dicke Onkel allerdings auch aus der Neuen Welt mitgebracht hat, sind schlechte Eigenschaften wie ein stattlicher Durst und ein schlaffes Fahrwerk.
Hoher Verbrauch
So flossen während der news.de-Testrunde 9,4 Liter Diesel pro 100 Kilometer im Durchschnitt durch die Einspritzdüsen des Wanderers zwischen den Welten. Dieser Verbrauch ist in Anbetracht von 163 PS nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Noch weniger gilt das für die einzig erhältliche Antriebsalternative, einen 3,6-Liter großen Sechszylinder-Benziner mit 287 PS. Ist er schon im realitätsfernen EU-Zyklus mit 10,8 Litern Benzinkonsum auf 100 Kilometer angegeben, so bescheinigen ihm Praxistests einen Durst, der bei mehr als 13 Litern liegt. Willkommen in der Steinzeit. Kleiner Lichtblick ist das in beiden Varianten gut funktionierende Sechsgang-Automatikgetriebe.
Besser ist der Eindruck vom Innenraum. Die Italiener von Lancia haben ihren Anspruch verwirklicht, der fahlen Plastikwüste auf die Sprünge zu helfen. Obwohl das Auto noch immer in Übersee produziert wird, sind die trüben Tage vorbei und ein Hauch italienischer Noblesse hat Einzug ins Interieur gefunden. Holzleisten, Chromapplikationen, Lederlandschaften. Lancia verpflanzt dem Ami Dolca Vita. Im Zentrum der Mittelkonsole thront ein klassischer Chronograph. Erfreulich ist die gute Bedienbarkeit. Anzahl und Anordnung der Schalter ist übersichtlich.
Platz, Platz, Platz
Dank der schieren Größe des Fahrzeugs ist das Thema Platz schnell abgehakt. Mehr Raum bietet nur eine Turnhalle - oder Kleintransporter wie der Opel Movano oder der VW T5. News.de hat die beiden getestet. In Sachen Fleixibiltät rühmen sich die Italiener ihres Klappsystems Stow'N'Go. Der Vorteil gegenüber den Lösungen der Mitbewerber: Mit nur einem Handgriff lassen sich alle Sitze der zweiten und dritten Reihe in den Boden verstauen. Ein Ausbau ist nicht nötig und nach der Maßnahme steht eine komplett ebene Ladefläche mit bis zu 3912 Litern Volumen zur Verfügung.
Praktisch war das Auto allerdings auch schon mit Chrysler-Logo. Italienische Eleganz im Innenraum hat der Voyager erhalten, keine Frage. Doch ein neues Auto ist er deswegen nicht. Im Gegenteil. Technisch, vor allem motorseitig, wirkt der Lancia angestaubt. Er ist durstig, Start-Stop ist noch nicht erhältlich und ein fortschrittlicher elektrischer Antrieb ist noch nicht in Sichtweite. Damit hat Lancia wieder einen großen Van im Programm zu einem akzeptablen Einstiegspreis von 39.990 Euro, egal ob Benziner oder Diesel. Ein großer Wurf allerdings ist den Italienern damit nicht gelungen.
Lesen Sie hier den Kommentar von news.de-Redakteur Sascha Gorhau zum Thema Chrysler wird Lancia.
sgo/rzf/news.de
Leider warte ich schon zu lange auf den neuen und zeitgerechten G-V. Meine Enttäuschung ist dafür groß. Ausstattung-gut, Aussehen-gut, Platz-gut, Leder-sieht billig aus, Amaturenbrett-beim Phedra ablagefreundlicher, Kraftstoff-Verbrauch-unvorstellbar!!! Wir haben 2011! Nach meinem USA Test hoffte ich auf eine zeitgerechte europäische Motorisierung. Weit gefehlt. Das Management steht außerhalb der Realität. Welches Klientel soll erreicht werden? Familien mit durchschnittlichem Einkommen sicher nicht. Ich werde nach zwei Phedra die Marke wechseln.
jetzt antwortenKommentar melden