Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Alfa Romeos Giulietta ist alles andere als langweilig: Der Wagen hinterlässt Eindruck mit seiner Linienführung, seinem Interieur. Doch die italienische Schönheit ist nicht nur Model. Sie ist auch Diva. Denn praktische Funktionalität gehört nicht zu ihren Stärken.
Ohne Zweifel, die Giulietta hat es verdient, sich als italienische Schönheit bezeichnen zu lassen. Sportliches Fahrgestell, wilder Charakter - und alles was hinter ihr passiert, interessiert sie nicht. Mit Reizen wird nicht gegeizt. Außen nachtschwarzer Lack, innen bequeme, rote Ledersitze, auf denen nicht nur dem Fahrer auch im Winter ziemlich heiß wird, und ein durchaus schön verarbeitetes Cockpit.
Der Alfa Romeo ist also äußerst präsentabel, macht sich gut auf Bildern und zieht wunderbar vom Leder. Mit der Giulietta kann sich also nicht nur ein kerniger Kerl blicken lassen. Eine geistige Verwandtschaft zu Carla Bruni herzustellen, liegt deshalb gar nicht fern. Schließlich machen beide Damen nicht nur etwas her, sie haben beide auch ihre streitbaren Ecken und Kanten. Was bei Carla Bruni das wilde Affärenleben war, ist bei der Giulietta der italienisch-divenhafte Charakter: Alles muss schön aussehen. Aber auch praktisch sein zu müssen, ist wohl zu viel des Guten.
Da sind zum Beispiel die Ledersitze. Gut aussehend und bequem nimmt man gerne Platz. Doch beim Fahren wird's streitbar. Wer seinen Kopf jenseits einer Größe von 1,80 Meter in die Höhe reckt, macht im Auto bei normaler Sitzposition unliebsame Bekanntschaft mit dem Dach der italienischen Diva. Glücklicherweise lassen sich Fahrer- und Beifahrersitz in eine beinahe liegende Position verstellen. Andererseits: Wer mit nur wenig mehr als 1,50 Meter Größe auf den Fahrersitz gleitet, der wünscht sich, die Italiener hätten den Fußraum nicht so tief in den Motorraum gezogen. Der Kontakt mit Gaspedal, Kupplung und Bremse fühlt sich für kleine Fahrer nämlich immer etwas unsicher an.
Die verschiedenen Tasten und Knöpfe zu bedienen, ist ebenfalls nicht praktisch durchdacht. Ob Sitzheizung, Motorcharakter, Radio oder Navi - alles artet viel zu sehr in Angelei aus. Und dann ist da noch das Fahren selbst: Die Schallisolierung ist den Italienern leider misslungen. Wer sich eine dieselmotorisierte Giullietta leistet, hört bei Tempo 30 wie bei Tempo 130 eine knurrige Wildkatze. In Verbindung mit dem Fahrtwind, der trotz Windstille deutlich vernehmbar um die Fahrerkabine rauscht, ist die Geräuschkulisse selbst dann nicht zu überhören, wenn das Soundsystem sich tönend von seiner besten Seite zeigt.
Letztlich ist klar: Der Charakter dieser italienischen Diva ist eigenwillig. Wer sie zu nehmen weiß, findet aber eine Gefährtin. Bei Nicolas Sarkozy und Carla Bruni hat die Sache schließlich auch funktioniert.
som/sca/news.de