Die digitale Wolke schwebt über allem. Auch das Auto wird gerade vom digitalen Wolkenbruch gekapert. Vor allem Mercedes-Benz will mit aller Macht die Technik voranbringen. Braucht die betagte Käuferschaft aber wirklich die Cloud?
Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein - sonst wäre in der Datenwolke längst schon ein heilloses Gedränge angesagt. Alle Autobauer zieht es in die Cloud. Audi-Chef Rupert Stadler hat vor Jahresfrist auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas erläutert, wie er sich die digitale Zukunft im Auto vorstellt. BMW lässt just in Time bei Google-Earth suchen. Toyota verlinkt im neuen Yaris optional das Navi mit Google Maps. Und jetzt zeigt auch Mercedes-Benz, woran seine Informatiker im kalifornischen Paolo Alto arbeiten: an der Vernetzung der Welt - auch im Auto.
Steffen Neumann ist einer von ihnen. Zusammen mit einer halben Hundertschaft von Kollegen arbeitet er im Silicon Valley an der Zukunft. In seiner Powerpoint-Präsentation finden sich die Logos der bekannten Marken aus der Nachbarschaft: Von Apple über LinkedIn und Google bis zu Facebook - das Who is Who der Web-Gesellschaft. Über ein Dutzend davon will Mercedes während der nächsten Jahre ins Auto bringen.
Wenn die neue B-Klasse auf den Markt kommt, dann kann sie zum Beispiel optional auch mit dem neuen Comand Online geordert werden. Das System verwendet ein Smartphone als Schnittstelle zwischen Fahrzeug und Internet. Nicht nur Google gelangt als intelligente Erweiterung des Navigationssystems auf das große Display im Armaturenbrett - mit einer Facebook-App klinken sich Auto und Fahrer auch ins soziale Netzwerk ein. Funktionen gibt es reichlich. So lassen sich über Facebook zum Beispiel automatisch an die Freunde Statusmeldungen absetzen, wo man gerade steckt, es lassen sich Neuigkeiten Austauschen oder Ziele in das Navigationssystem einspeisen. «Always On» heißt bei Mercedes-Benz, im schönsten Web-Slang, die Überschrift.
Um die Produktzyklen von Auto und Smartphones halbwegs synchron zu bekommen, setzt Daimler einen «Vehicle Backend Server» ein. Der sorgt im Hintergrund nicht nur automatisch dafür, dass die unterschiedlichen Bedienoberflächen im Web und im Auto miteinander können. Er sorgt auch für die jeweils neuesten Software-Updates und Applikationen. Und er fischt die Informationen aus der globalen Datenwolke, die der Nutzer im Auto gerade sucht. Das Ganze läuft über eine geschützte VPN-Datenverbindung. Nach der B-Klasse soll es Comand Online auch für den SLK sowie für C- und M-Klasse geben.
Systeme kommunizieren ohne Passwort
Unterhalten sich Smartphone und Auto bei Comand Online noch über das herkömmliche Bluetooth miteinander, so steht für 2013 bei Mercedes ein bequemerer Weg zum Datenaustausch an: die Near Field Communication (NFC). Das funktioniert dann ohne das von vielen Nutzern als umständlich empfundene Vorgeplänkel aus Gerätesuche und Passwort-Eingabe. Bei NFC wird das dafür geeignete Handy einfach nur noch sehr nahe an das Gegengerät im Auto gehalten - und die Verbindung kommt zustande. Der maximale Abstand: fünf Zentimeter. Die Datenübertragungsrate: 424 kBit/s.
Auch innerhalb der Fahrzeugelektronik soll es künftig schneller zugehen - zumindest in den Premium-Fahrzeugen der Marke. Ab der nächsten S-Klasse nutzt Mercedes-Benz das neue Bussystem MOST150. Das ermöglicht dann Datentransferraten von 150 MBit/s - eine sechsmal höhere «Transportkapazität» als bisher.
«Ohne Mobilfunk, E-Mail, Internet & Co. geht längst nichts mehr», sagt Peter Häußermann, bei Daimler für die Bereiche Elektrik, Elektronik und Telematik verantwortlich: «Und immer mehr Menschen verbringen sehr viel Zeit unterwegs - gerade auch im Auto. Auch da möchten sie möglichst jederzeit vernetzt bleiben.» Dass der typische Mercedes-Benz-Kunde mit einem Durchschnittsalter von 56,1 Jahren nicht unbedingt der Generation Internet entspricht, scheint sich in die Entwicklungsabteilung noch nicht durchgesprochen zu haben.
sgo/sis/news.de/pi
Das ist sinnloses Geraffel, das kein Mensch braucht. Je mehr Elektronik, desto anfälliger die Autos. Da reicht ein nichtfunktionierendes, kleines Bauteil aus und die ganze Kiste steht still. Internetsurfen im Auto ist ok, aber das Handy ist verboten ! So ein Schmarrn !
jetzt antwortenKommentar meldenEs scheint sich bei dem Artikelschreiber noch nicht herumgesprochen haben, das sich die jetzt 56 jährigen demnächst aus einer Gruppe zusammen setzen die mit dem Internet fast schon groß geworden sind. Ein 66 jähriger der damit ganz locker umgehen kann.
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