Kombivergleich Der Sieg der Vernunft

Der Sieg der Vernunft (Foto)
Im News.de-Kombitest: Honda Accord Tourer (links) und Passat Variant (rechts). Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Der Passat ist des Deutschen Lieblingslastesel. Da weiß man, was man hat. Bisher konnte die Konkurrenz aus Fernost dem Platzhirsch nicht gefährlich werden. Zurecht? News.de bat den Honda Accord Tourer zum Duell mit dem Passat Variant.

Das hatte niemand auf der Rechnung: Beim news.de-Vergleich von Mittelklassekombis aus Japan und Deutschland weht italienisches Flair über unseren Hof, dank des Honda Accord Tourer. Mit rassig-sportlicher Optik spricht der Japaner schon im Stand die Sinne an. Scharfe Kanten, eine dynamische Seitenführung, dazu eine keilförmige lange Schnauze und ein gieriger Kühlerschlund signalisieren: Nutzwert und emotionale Optik müssen sich nicht ausschließen.

Typisch deutsch hingegen das Äußere des Passat: Aufgeräumt, klar und in bester Tradition. Nur leicht modifiziert gegenüber seinem Vorgänger tritt der Wolfsburger zum news.de-Test an. Streng schaut er drein, passend zum inzwischen einheitlichen VW-Markengesicht. Gefällig sieht er ja aus, aber auch zurückhaltend mit der ganzen Gelassenheit als Klassenprimus. 9514 Passat konnte VW im September 2011 absetzen, Honda nur 205 Einheiten des Accord. Die Rollen sind also klar verteilt, der Accord ist der Außenseiter.

Kombivergleich
Honda Accord Tourer vs. VW Passat Variant

Im Innenraum setzt sich das fort, was sich schon außen andeutete: Gediegener Mainstream im Passat, der Accord gibt sich charakterstark und gedrungen. Gewöhnungsbedürftig ist der Wählhebel für den VW-Tempomat auf der linken Seite, der im Praxistest oft mit dem Blinker verwechselt wurde. Immerhin liegt die Verarbeitung auf gewohnt hohem Niveau.

Der Tempomat ist beim Accord besser: Auch beim Wechsel der Gangstufe behält er die gewünschte Reisegeschwindigkeit bei. Das ist praxisnah und verbrauchsschonend. Die dominierenden Materialien im Innenraum des Japaners sind hochwertiges Hartplastik kombiniert mit Alu-Applikationen. Höhepunkt ist der in Leder eingefasste Schaltknauf aus Leichtmetall. Wie der Passat zeigt auch der Accord keine Schwächen in seiner Verarbeitung. Eine Erwähnung wert sind noch die Sitze: Sie sind schlicht perfekt und mit das Beste auf dem Markt. Der Halt ist überragend, ohne ein übertrieben sportlich beengtes Gefühl zu vermitteln. Die Materialien, vor allem die ledernen Seitenwangen, bieten höchsten Sitzkomfort.

Beide Kombis haben gute Fahreigenschaften

Gleichauf zeigen sich beide Testkandidaten in Sachen Fahreigenschaften. Auch hier bleibt der Passat seiner stoischen Linie treu und bleibt fern jeder Überraschung. Er zieht gutmütig seine Kreise und schirmt externe Störfeuer wie schlechten Fahrbahnbelag oder unliebsame Lenkeinflüsse weitgehend vom Piloten samt Insassen ab. Die adaptive Fahrwerksregelung DCC (1085 Euro Aufpreis) tut ihr Übriges und gibt dem Fahrer noch mehr Möglichkeiten, den Wagen optimal auf die Umgebung abzustimmen.

Dabei helfen dem Passat neben DCC noch eine ganze Armee von Fahrassistenten, die aus dem Luxuskreuzer Phaeton nach unten in den Passat gewandert sind. Die Automatische Distanzregelung ACC samt Notbremsfunktion (1210 Euro) oder der Abstandsregeltempomat seien hier exemplarisch genannt. Doch der Accord kann mithalten: Im Testwagen verbaute Honda sein Advanced Safety-Paket (2450 Euro). Darin enthalten ist ebenfalls ACC, außerdem ein Spurhalteassistent und ein Notbremssystem. Die Komponenten verrichteten im Testbetrieb ihren Dienst ebenso tadellos wie die im Wolfsburger Kombi.

Honda Accord: Sportlich, aber nicht unkomfortabel

Auch der Accord glänzt mit guten Fahreigenschaften, geht dabei allerdings immer eine Spur direkter zu Werke, steht in einer intensiveren Interaktion mit dem Fahrer als beim Passat. Das Fahrwerk ist elektronisch nicht regelbar, deckt aber trotzdem ein breites Einsatzspektrum ab. Einziges Manko im Fahrbetrieb ist die Anfälligkeit des Japaners für Querfugen, die mag er gar nicht. Ansonsten ist er trotz munterer 180PS ein stets gutmütiger Fronttriebler.

Beide Testkandidaten verfügen über Vierzylinderaggregate. Der Honda Accord ist ein Selbstzünder und setzt auf Common-Rail-Direkeinspritzung. Er hat 2,2 Liter Hubraum. Der Ottomotor des Passat TSI gibt sich mit 1,8 Litern Hubraum zufrieden und produziert dank Turboaufladung 160 PS – die sich als überaus muntere Tiere erweisen. Beide Aggregate sorgen für vergleichbare Fahrleistungen: Der Japaner knackt nach 8,7 Sekunden die 100 km/h-Marke, sein Vortrieb kommt erst bei 217 km/ zum Erliegen. Der Wolfsburger erledigt den Spurt in 8,5 Sekunden, Schluss ist bei 220 Sachen.

Lesen Sie mehr über die Aggregate der beiden Kombis in unserer Bilderstrecke.

Unsere beiden Testkandidaten schenkten sich nichts, auch nicht beim Preis: Der Honda Accord Tourer 2.2 i-DTEC in der edlen Executive-Ausführung kam auf 43.575 Euro. Der news.de-Testwagen aus Wolfsburg, ein Passat Variant Comfortline 1,8 TSI, kostete 45.368 Euro. Ausstattungsbereinigt ist der Honda jedoch  wesentlich günstiger. Es gilt die alte Regel, dass bei deutschen Herstellern jeder Luxus außer dem rechten Außenspiegel extra bezahlt werden muss.

Das spiegelt sich auch in nackten Zahlen wieder: Der Testpassat in der relativ spartanisch ausgestatteten Comfortline ist bereits ab 30.675 Euro zu haben. Mehr als 15.000 Euro an Extras steckten in unserem Wolfsburger Testkandidaten. Der Accord kam zu news.de mit dem Top-Diesel in der höchsten Ausstattungslinie und kostet so zwar bereits 38.290 Euro – ist damit allerdings weitgehend voll ausgestattet. Am Testfahrzeug kamen lediglich das Sicherheitspaket (2450 Euro), das DVD-Navi (2400 Euro), eine Metallic-Lackierung (550 Euro) und eine abnehmare Anhängerkupplung (660 Euro) dazu. Als vergleichbarer Benziner, 2.0i-VTEC mit 156 PS ist der Accord schon ab 34.240 Euro zu haben.

Das Fazit

Die Rollen waren von Anfang an klar verteilt: Der Passat ist der biedere Klassenprimus, der Honda ein Herausforderer, der mit seinen Reizen nicht geizt. Doch paradoxerweise sind es rein emotionale Gründe, die einen zum Passat greifen lassen: sein Image, seine Vertrautheit – Passat, da weiß man, was man hat. Und wertstabil ist er sowieso. Nach den übrigen Kriterien der Vernunft allerdings, ist der Accord die bessere Wahl. Er bietet mehr fürs Geld, kann nichts schlechter als der Passat, hat dazu einen dynamischen Gesamtauftritt und sich im 100.000-Kilometer-Dauertest zudem als echter Siegertyp erwiesen. Lediglich in den Kapiteln Platz und Flexibilität muss er dem deutschen Lokalmatador das Feld überlassen. So endet dieser Vergleich mit einer dicken Überraschung: Der Accord gewinnt. Nicht weil er das rundere, sondern das rationalere Gesamtpaket ist.

Erfahren Sie mehr Details zum news.de-Test in unserer Bilderstrecke.

bok/news.de

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kazuya
  • Kommentar 4
  • 15.10.2011 21:07

Ich bin froh dass ich kein Passat mehr fahren muss im Aussendienst ! Auf den ersten 100TKM wurden Turbo, Zylinderkopfdichtung , etc. getauscht. Insgesamt war der Wagen 6 mal in 14 Monaten in der Werkstatt... soviel dazu ! Ich finde es mal gut dass ein Japaner gewinnt und seien wir mal ehrlich , rein von der Optik ist der Accord einfach nur geil !

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  • senfdazugeber
  • Kommentar 3
  • 15.10.2011 20:33

Da ein Japaner aber definitiv nicht so oft eine Werkstatt von innen sieht wie eine "Premiummarke" geht diese Rechnung nicht auf. Tatsächlich ist es (hauptsächlich in den alten Bundesländern) so daß man eher zur deutschen Marke greift da diese vertraut ist, und warum etwas Altbewertes gegen "die Katze im Sack" eintauschen? Allerdings haben die Japaner in vielen Bereichen mehr als nur aufgeholt. Würde die deutsche Autolobby nicht dermaßen Einfluß auf unseren Importmarkt haben würden deutsche Marken mächtig untergehen. Und irgendwann ist auch die Generation Golf zu alt zum Autofahren.

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  • Ritchi
  • Kommentar 2
  • 14.10.2011 17:49
Antwort auf Kommentar 1

Dachte ich es mir doch: kaum unterliegt ein VW im Vergleich (stellt sich hier doch die Frage, was wie verglichen wurde; Sieg durch Abstimmung unter den Kollegen?), kommen die Meckerer aus den Löchern. Ich bin in meinem Leben viele Marken gefahren und unterm Strich ist ein VW (oder Audi) doch immer die bessere Wahl gewesen. Auch wenn ein VW meist etwas teurer ist als ein Franzosen- oder Japanvehikel, bei der Individualisierung oder dem Ersatzteilkauf ist die Differenz gleich wieder wett gemacht. Versuch mal einem Außendienstler seinen VW wegzunehmen, der wird dir was erzählen...

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