In den kleineren Hallen der IAA in Frankfurt zeigen Hochschulen und Universitäten Projekte mit Zukunft. Anders als bei Fahrzeugherstellern steht hier die Technik und nicht die Hostess im Vordergrund.Â
An den deutschen Universitäten wird fleißig an der fahrenden Zukunft gefeilt. Dass die finanziellen Mittel wesentlich geringer sind als bei den großen Fahrzeugherstellern, ist auf der IAA nicht nur an den fehlenden Standgirls zu erkennen: Der Stand der Hochschule Bochum zum Beispiel ist ein tageslichtarmer Gemeinschaftsstand des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW). Dabei wäre ein Platz an der Sonne oder zumindest in einer der großen Hallen angemessen. Denn hier wird die Fahrzeugtechnik von Morgen präsentiert.
Das BOmobil ist ein 4,2 Meter langer Elektrokleintransporter, den die Hochschule Bochum mit Partnern aus NRW selbst entwickelte. Autofreunde werden an den spartanisch wirkenden Fahrgastzellenaufbauten wie den beiden Vordersitzen und dem Armaturenbrett schnell erkennen, dass es zu Opel offensichtlich nicht nur eine räumliche Nähe gibt. Das 25-Mitglieder zählende Forschungsteam um Projektleiter Heinz Zöllner darf das Fahrwerk und auch Interieurbauteile aus der Zafira-Produktion nutzen, so dass es sich auf die technische Umsetzung des Elektroantriebs konzentrieren kann.
In drei Stunden wieder aufgeladen
Der 1000 Kilogramm leichte Kleintransporter mit einer Aluminium-Leichtbau-Karosserie verfügt über eine Zuladung von 500 Kilogramm und ist somit für Kleinunternehmer besonders interessant. Angetrieben wird der über 120 km/h schnelle Zweisitzer von bis zu sieben Lithium-Ionen-Batterieblocks, die für einen Dauerantriebsmoment von 1200 Newtonmetern und eine Reichweite von mehr als 150 Kilometern sorgen. Insgesamt verfügt der Bochumer über 70 PS und lässt sich an jeder Haushaltssteckdose innerhalb von zehn Stunden wiederaufladen.
Die ersten Testfahrten bereits hinter sich hat der «Mute» aus München. Der Prototyp der Technischen Universität stromert im Revier der E-Leichtgewichte. Der Vorteil des bayrischen Leichtbauautos mit einer Leistung von 20 PS liegt in der schnellen Ladezeit. Nach bereits drei Stunden an einer 230 Volt Steckdose ist der Hecktriebler wieder zu 100 Prozent aufgeladen. «Ob bei Vollgas oder im Stadtverkehr, wir garantieren eine Reichweite von mindestens 100 Kilometern», sagt Mitarbeiter Stephan Fuchs. Das maximale Drehmoment von 60 Newtonmetern hört sich im ersten Moment zwar sehr gering an, sorgt aber für eine angemessenen Beschleunigung von null auf 60 km/h in 6,8 Sekunden. Für den Fall, dass vielleicht irgendwann während der Fahrt der Strom ausgeht, haben die Münchener dem 120 km/h flotten Mute ein austauschbares Notstrompaket verpasst.Â
Monatliche Kosten bei 350 Euro
Auf die Frage nach Preisen wird sich sowohl in Bochum als auch in München in Schweigen geübt. Wobei aus Bayern zumindest der monatliche finanzielle Aufwand von weniger als 350 Euro aufgerufen wird, was ihm keinen Spitzenplatz beschert, ihn aber zumindest auf Augenhöhe mit aktuellen Kleinstwagen wie dem Smart oder Toyota Aygo wiederfinden lässt.Â
Was aus den ambitionierten Hochschulprojekten in Sachen Autobau wird, wird die Zukunft zeigen - vielleicht sogar eine der Automobilausstellungen der nächsten Jahre. Doch was ist jetzt angesagt? Wählen sie mit: Im news.de-Fotovoto entscheiden Sie über das tollste neue Auto 2011.
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