Nissan 370Z Z wie ziemlich zügig

Ziemlich zügig (Foto)
Noch nie war er dem Porsche 911 dichter auf den Versen: der Nissan 370Z.   Bild: auto.de

Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Paradies für Puristen: Der Nissan 370Z ist ein klassischer Sportwagen alter Schule. Der Motor zeigt sich als großvolumiger Sauger, der Antrieb erfolgt über die Hinterachse. Ein Attribut an den Fortschritt ist das Cockpit, das so wertig wie nie daherkommt. Der 370Z im news.de-Test. 

Es ist einsam geworden um den 370Z: Als einziger echter Sportwagen aus Japan - sein Markenbruder GT-R spielt eine Liga höher - muss sich die Flunder im Kampf mit der übermächtigen europäischen Konkurrenz behaupten. Mit Fahrzeugen wie dem Porsche Cayman S oder dem Audi TT RS stammt die zumeist aus Deutschland. Schon vor dem ersten Einstieg in die gute Sportstube aus Japan spielt sie auch schon ihren schärfsten Trumpf: Ab 38.690 Euro ist der Nissan mit sechs manuellen Schaltstufen zu haben. Zum Vergleich: Der Golf GTD, ein news.de-Redaktionstestwagen aus dem Jahr 2009, kostete damals schon deutlich mehr als 40.000 Euro - ein Kompaktdiesel mit 170 PS aus dem Hause Volkswagen.

Doch das Z-Coupé peilt ohnehin eine andere Zielgruppe an, will Freunde knackiger Heckschleudern begeistern. Dazu haben die Japaner deutlich an der Optik des Zweitürers nachgeschärft. Die Leuchten strahlen nun vorne und hinten im Bumerang-Look, vorne saugt das massive Haifischmaul gierig nach Frischluft. Trotzdem bleibt er seinem 40-jährigen Sportwagenerbe treu: Der höchste Punkt der Karosse ist die A-Säule. Dahinter fällt die Dachlinie nach hinten ab. Neu: Die hinteren Seitenfenster sind nach oben gezogen. Außen wie innen zieren zahllose Z-Logos das Fahrzeug. Traditionell thronen drei Zusatzelemente auf der Mittelkonsole.

Nissan 370Z
Der Japan-Porsche im news.de-Test
Der Japan-Porsche im news.de-Test (Foto) Zur Fotostrecke

Gegen den Strom

Trotzdem schwimmt der 370Z gegen den Strom: Entgegen dem Trend ist der Nissan im Rahmen seiner letzten Modellpflege kürzer geworden. Gut so, denn auch der Radstand ist geschrumpft - und verleiht dem Coupé zu noch knackigeren Handlingeigenschaften. In Zahlen hat der Sportler insgesamt 65 Millimeter Länge und 100 Millimeter Radstand eingebüsst. In Verbindung mit der größeren Spurweite erreicht der Zweitürer gegenüber seinem Vorgänger, dem 350Z, ein spürbares Mehr an Agilität.

Keinen Beitrag zur Agilität, wohl aber zum Wohlfühlfaktor liefert das Innenleben des Z-Sportlers. Noch im Vorgänger war das Cockpit ganz Nissan: funktional bis rustikal. Diese Zeiten sind 2011 vorbei. Die Materialien fühlen sich hochwertig an, auch die einst verbesserungswürdige Darstellung der Navigation ist nun tadellos. Typisch Sportler lässt die Übersicht zu wünschen übrig. Da tut die Rückfahrkamera gute Dienste.

Das bullige 3,7-Liter-Aggregat vertraut auf das klassische Prinzip des Saugmotors. Doch die Währung eines echten Sprinters ist nicht die schiere Leistung, sondern vielmehr das Leistungsgewicht. Auch hier hat sich der Nissan verbessert: 32 Kilogramm weniger als der 350Z wiegt der Wagen - 1583 Kilogramm.

Zu viel Speck auf den Rippen

Das ist für einen ambitionierten Renner dennoch ordentlich Speck auf den Rippen. So relativiert sich im Fahrbertrieb die Geschwindigkeitseinsparung ein wenig. Bei schneller Kurvenhatz gibt sich der Hecktriebler zwar gutmütig, wirkt aber bei schnellen Spurwechseln etwas zu behäbig. Auch der Motor kann nicht ganz das hohe Niveau halten, das die nackten Zahlen versprechen: Subjektiv ist der Ausritt ein Riesenspaß, natürlich hat der Wagen ordentlichen Bums. Doch gerade in hohen Drehzahlbereichen geht dem Japaner die Puste aus. Der Durchzug kann auch nicht die beeindruckenden Eckdaten auf die Straße bringen. Dafür ist die Übersetzung einfach zu lang. Das bringt Abzüge in der Alltagswertung.

Das Schalten selber ist jedoch ein Genuss: Im news.de-Testfahrzeug war das aufpreispflichtige Automatikgetriebe (2100 Euro) verbaut. Es verfügt über eine manuelle Schaltfunktion, die entweder über Schaltwippen am Lenkrad oder den Wählhebel in der Mittelkonsole betätigt werden kann. Die Schaltvorgänge verlaufen reibungslos und ohne Zeitverzögerung. Im Alltag verrichtet die Automatik gute Dienste und macht den Renner zu einem geschmeidigen Kätzchen, das sich sanft und zurückhaltend durch die sieben Gänge schnurrt. Diese Getriebevariante hat zudem ein sportliches Feature an Bord, das bei ambitionierter Fahrweise neben dem emotionalen Kick ganz zielorientiert für eine optimale Drehzahl bei Schaltwechseln führt: Downshift Rev Matching, kurz DRM. Das System gibt bei Hinauf- oder Hinunterschalten selbstständig Zwischengas und sorgt so automatisch dafür, dass der Wagen in der gewählten Getriebestufe bei optimaler Drehzahl einkuppelt.

Beim Handschalter ist der Kick für Zwischendurch erst in der einzig erhältlichen Evolutionsstufe des 370Z, als sogenannte Pack-Version, erhältlich. Sie beginnt bei einem Grundpreis von 41.250 Euro. Der gefahrene news.de-Testwagen steht mit 43.741 Euro in der Liste. Es war die Festplatten-Navigation samt Touchscreen verbaut, außerdem die sinnvollen Parkhilfen vorne und hinten (je 141 Euro). Mit an Bord waren zudem Optionen wie Fußmatten mit Z-Schriftzug (52 Euro), das sinnvolle Gepäcknetz für 92 Euro und die Kofferraummatte, ebenfalls mit dem Z-Logo (56 Euro).

Ein Sportler von ganzem Herzen

Eher nebensächlich ist die Tatsache, dass das Kofferraumvolumen auf bescheidene 235 Liter gewachsen ist. Außerdem ist der Wagen - typisch Sportler - bei beherztem Einsatz oder hohen Geschwindigkeiten laut. Das sollte Enthusiasten ebenso wenig stören wie die Tatsache, dass der Z bei beherzter Fahrweise um die 15 Liter Super Plus auf 100 Kilometer konsumiert. Hat man seinen Gasfuß im Zaum, sind Verbräuche von 10 bis 12 Litern realistisch. Doch der sollte beim Kauf eines Wagens mit 328 PS keine Rolle für den Interessenten spielen. Wer bei dieser Leistung weniger Sprit brauchen will, der muss Tesla fahren.

Ingesamt können Porsche und Co. aufatmen: Wer sich bisher für einen Renner aus Zuffenhausen entschieden hat, wird das auch künftig tun. Denn die meisten Kunden stellen ihn sich aus Prestigegründen, nicht aus Sportsgeist in die Garage. Auf dem Boulevard hat der Japaner weit weniger Strahlkraft. Na und? Der große Saugmotor ist die perfekte Basis für leistungssteigernde Maßnahmen. Der günstige Einstiegspreis lässt noch jede Menge Luft im Budget für den Rundkurs. Wer also einen waschechten Rundstreckenjäger sucht, der ist mit dem Nissan 370Z bestens beraten. Und spart knapp die Hälfte gegenüber einem vergleichbaren Modell aus Zuffenhausen. Wen interessieren da noch die Prolls vom Boulevard?

boi/rzf/cvd/news.de

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
Partnerangebot
Gebrauchtwagenbörse
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige