Von news.de-Redakteur Andreas Schloder
Der ADAC-Test ist nur eine Stichprobe, wie es um die deutschen Raststätten und Autohöfe bestellt ist. Die Qualität der Anlaufstationen hat sich gebessert. Deutschland liegt in Europa vorn, doch es gibt noch etliche Baustellen.
Der Automobilklub hat 50 Raststätten und Autohöfe unter die Lupe genommen. Fazit der Experten aus München: Nur der Sieger konnte ein «sehr gut» erzielen. 24 Mal wurde mit «gut» bewertet, 23 Mal mit «ausreichend», zwei Mal mit «mangelhaft».
So durchschnittlich das Ergebnis auch auf den ersten Blick klingen mag, im europaweiten Vergleich schneidet die Bundesrepublik nicht so schlecht ab. «Deutschland liegt im oberen Drittel», analysiert ADAC-Testleiterin Simone Saalmann. Zwar könne man die Ergebnisse des deutschlandweiten Tests nicht eins zu eins auf die Situation in den europäischen Nachbarländern ummünzen, jedoch ließe sich eine Tendenz herauslesen.
Was jedoch feststeht, ist die zunehmende Qualität der Raststätten. Das liegt unter anderem an den jährlich stattfindenden Tests des Automobilclubs. «16 Raststätten waren schon beim letzten Test vertreten, zwölf davon haben sich verbessert», erklärt Regina Ammel von der ADAC-Pressestelle. Beste Beispiele: die Raststätten Bad Bellingen (West) in Baden-Württemberg sowie Hildesheimer Börde (West) in Niedersachsen. Beide wurden mit «gut» bewertet, während sie in den vorangegangenen Test mit «mangelhaft» und «ausreichend» abgestempelt worden sind.
Doch eine große Baustelle bleibt bis dato ungelöst auf deutschen Autobahnraststätten und -höfe: die Verkehrssicherheit auf den Anlagen bildet die schlechteste Kategorie im Test. Bei 36 Anlagen war kein Übergang für Fußgänger von den Parkplätzen zum Gebäude markiert, was vor allem die Raststätten ins Minus brachte. Dazu gab es bei knapp der Hälfte aller getesteten Anlagen entweder gar keine Fußwege entlang der Parkplätze oder nur für einen kleinen Teil. Die Wagschale mit den Negativwertungen neigt sich hier sehr deutlich in Richtung Autohöfe. Am Ende schlossen fast zwei Drittel aller Testobjekte in der Kategorie Verkehrsgestaltung mit einem Mangelhaft oder sehr Mangelhaft ab.
Dass dies immer noch so schwierig in Deutschland, liege an einer Besonderheit. Eigentlich wäre es einfach, einen Zebrastreifen zu installieren. «Doch das ist nur in geschlossenen Ortschaften erlaubt», erklärt Saalmann.
In punkto Verkehrssicherheit können die Deutschen viel vom französischen Nachbarn lernen, erklärt die Testleiterin – auch von Österreich, die den europaweiten Vergleich in der Kategorie anführen. Selbst Italien hole kräftig auf.
Ein weiterer Kritikpunkt, der Deutschland in Europa runterzieht, ist die Diskrepanz aus hohem Preis und mangelnder Qualität – sei es beim Essen, im Shop oder im Sanitärbereich. Wie im europaweiten Tankstellentest Anfang April herausgefunden wurde, kostet eine Tasse Capuccino im Durchschnitt 2,28 Euro in Deutschland – unangefochtener Spitzenplatz. In Tschechien muss der Gast nur umgerechnet 65 Cent zahlen. Ebenso liegt der Reisende für eine halbe Flasche stilles Wasser im Schnitt 1,72 Euro auf die Ladentheke, in Frankreich sind es 0,77 Euro. Von der Qualität der Speisen mal ganz abgesehen: Auch hier haben Frankreich und Österreich die Nase vorn.
Eine weiter Lücke klafft auch bei der Hygiene. Die Benutzung von Raststätten-Toiletten im Sanifair-System kostet inzwischen meist 70 Cent Gebühr, 50 Cent davon bekommt man bei einem Einkauf zurückerstattet. Dafür werden saubere und gepflegte Sanitäranlagen versprochen. Meistens waren sie das auch, zumindest optisch. Allerdings gab es in dieser Hinsicht auch bei den Autohöfen nur selten etwas zu meckern. Einen markanten Unterschied zwischen den gebührenpflichtigen Raststätten-Toiletten und ihren kostenlosen Kollegen auf den Autohöfen gab es nicht.
cvd/news.de