GPS-Ortung für Autos Gaunerjagd per Satellit

Wenn das Auto weiß, wo es steht, hat das Vorteile: Über GPS-Systeme kann bei Diebstahl Alarm ausgelöst werden. Mit den Koordinaten kann die Polizei das Fahrzeug genau orten. Doch Kunden wollen die Systeme bislang kaum.

Gaunerjagd per Satellit (Foto)
«Vehicle Tracking System» nennt Porsche sein GPS-Ortungssystem, das bei Diebstahl helfen soll. Bild: dpa

Gähnende Leere in der Parklücke - dabei stand das Auto doch gestern noch dort. So ergeht es manch einem Autofahrer. Gerade Fahrzeuge deutscher Premium-Marken sind bei Dieben beliebt. Jeden Tag werden in Europa 2700 Autos gestohlen, heißt es bei Porsche unter Berufung auf die Statistikbehörde Eurostat. Ist der Wagen geknackt, sind die Chancen auf Wiederbeschaffung gering. GPS-Ortungssysteme können helfen, Verbrechern das Handwerk zu legen. Doch den Durchbruch hat die Technik bislang nicht geschafft.

Die GPS-Technik könne Kfz-Diebstähle zwar nicht verhindern, erklärt Daniel Groß von Cobra Telematics, einem Anbieter für sogenannte Telematikdienste. Die Ortungssysteme des Unternehmens alarmieren aber sofort ein Kundencenter, wenn unbefugt die Autotür geöffnet oder der Wagen außerhalb eines vom Halter bestimmten Bereichs bewegt wird. «Per GPS wird das Auto dann geortet und die Polizei benachrichtigt», sagt Groß. «Manchmal sitzt der Dieb noch am Steuer, wenn die Polizei eintrifft.» 2010 hat Cobra nach eigenen Angaben das Wiederauffinden von 700 Autos ermöglicht. Gesamtwert: 35 Millionen Euro.

Ortungssysteme sind bei deutschen Herstellern Mangelware

Mit dem System lassen sich Fahrzeuge vieler Marken nachrüsten. Porsche bietet es seit 2005 als Extra für alle Neuwagen an. Die Einbauvorrichtung kostet je nach Modell bis zu 300 Euro. Hinzu kommen ein Steuergerät für knapp 1200 Euro sowie laufende Kosten, die der Servicepartner Cobra erhebt, erläutert Porsche-Sprecher Hermann-Josef Stappen. Laut Porsche funktioniert das System in Europa und Südafrika. Eine permanente Überwachung seines Standorts muss kein Porsche-Fahrer fürchten: Die Autos werden nur im Ernstfall aufgespürt, verspricht der Autohersteller.

Bei den als Diebesgut besonders beliebten Luxusautos deutscher Hersteller sind Ortungssysteme auf dem Heimatmarkt jedoch Mangelware. Mercedes-Benz hat seinen Fahrzeugortungsdienst inzwischen wieder eingestellt - keine Nachfrage. Und solange Kfz-Versicherungen für Fahrzeuge mit einem Diebstahlortungssystem keine Rabatte einräumen, bleibe das Thema in Europa eher uninteressant, so ein Sprecher von Mercedes-Benz.

Fahrzeugortung bei Diebstählen und Unfällen

Bei der Konzerntochter Audi wird dem Kunden die freie Wahl eingeräumt: «Alle neuen Audi-Modelle haben ab Werk die Vorrüstung für einen Ortungsassistenten», sagt Audi-Sprecher Oliver Strohbach. Nachrüstsets könnten beim Händler oder Importeur geordert werden. Kostenpunkt: zwischen 1000 und 1800 Euro. Hinzu kommen laufende Servicekosten von 250 Euro pro Jahr.

Der Autobauer Volvo schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Sein automatisches Notrufsystem onCall, das für alle größeren Baureihen für 850 Euro extra angeboten wird, ist auch bei Diebstahl nützlich. Denn wie bei schweren Unfällen die Koordinaten des Unfallorts an Einsatzkräfte gesendet werden, kann dies auch geschehen, wenn Langfinger zugegriffen haben - aus Sicherheitsgründen aber nur in Verbindung mit einer Diebstahlanzeige bei der Polizei.

rli/sca/ham/news.de/dpa

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