Mercedes ML 250 Schwäbisches Sparbrötchen

Mercedes (Foto)
Mercedes Bild: pi

Die Schwaben schicken die neue M-Klasse mit besseren Verbrauchswerten ins Rennen. Eine Tankfüllung des Mercedes ML 250 Bluetec soll bis zu 1500 Kilometer reichen. Ob das funktioniert, zeigt der Praxistest.

6,3 Liter pro 100 Kilometer - das ist für ein zwei Tonnen schweres PS-starkes SUV schon eine Ansage. Sie kommt von Lexus und macht den RX 450h mit Hybridantrieb zum sparsamsten Auto seiner Klasse. Selbst die Diesel-SUV der deutschen Premium-Konkurrenz, die so gern für ihre effizienten Motoren wirbt, können da kein Paroli bieten. Bis jetzt: Sechs Liter Durchschnittsverbrauch nach NEFZ-ZyklusAbkürzung für Neuer Europäischer Fahrzyklus. Besteht aus drei Ergebniswerten zum Spritverbrauch: Stadtverkehr, Landstraße und Mix. verspricht Mercedes für den sparsamsten Diesel der neuen M-Klasse.

Damit ist der allradgetriebene ML 250 Bluetec deutlich genügsamer als ein BMW X5 30d (7,4 Liter pro 100 Kilometer), Audi Q7 3.0 TDI (7,2 Liter) oder Porsche Cayenne Diesel (7,2 Liter). Gegen Aufpreis hat der Mercedes einen 93 statt 70 Liter großen Tank an Bord, damit versprechen die Schwaben bis zu 1500 Kilometer Reichweite.

Mercedes ML 250 Bluetec
Macht Mercedes diesen Brummer zum Sparmeister?

Von Barcelona bis Stuttgart

Nun ist der offizielle NEFZ-Verbrauch auf dem Rollenprüfstand ohne Zusatzaggregate, ohne Steigungen und mit einer kurzen Beschleunigung auf 120 Km/h eine Sache, der tatsächliche Durst auf der Straße erfahrungsgemäß eine ganz andere. Da hilft nur die Probe aufs Exempel: Vollgetankt steht die schwarze M-Klasse an der Stadtgrenze des sonnigen Barcelona, besetzt mit zwei Personen plus Gepäck und 1248 Kilometern bis Stuttgart vor der Brust. Auf den Felgen sitzen serienmäßig rollwiderstandsarme Reifen, die Klimaautomatik ist auf eine Temperatur von 22 Grad eingestellt.

Wenn der versprochene Verbrauch stimmt, müsste der Wagen also locker bis in seine Heimat kommen und dann noch genügend Sprit für rund 250 Kilometer im Tank haben. Der Plan ist klar: Verbrauchsorientiertes Fahren ja, aber keine unrealistische Kriecherei mit 90 Sachen im Windschatten eines LKW.

Vorbei an der ersten Mautstation geht es auf die Autobahn. Von 900 und ein paar Zerquetschten steigt die Reichweite schnell auf 1000, 1200 und 1300 Kilometer. Tempo 110 sind auf der Autopista del Mediterraneo erlaubt, die 204 PS des 2,2 Liter großen Vierzylinder-Diesels freuen sich über das Tempolimit. Vor allem aber ist es die leere Autobahn, die das gleichmäßige Fahren einfach macht.

Auf der A5 vermisst man sofort französische Verhältnisse: Die Autobahn ist voll, Baustellen schießen wie Pilze aus dem Boden. Jetzt geht es zum Endspurt über die A8 nach Stuttgart. Die Geschwindigkeit ist freigegeben, aber die Richtgeschwindigkeit von 130 Km/h und ein paar behutsame Zwischensprints auf 150 Km/h müssen genügen. Jede Tankstelle, an der man genüsslich vorbeifahren kann, ist Belohnung genug. Der Bordcomputer bleibt eisern bei 6,4 Litern Durchschnittsverbrauch.

Der Showdown an der Tankstelle

Nach 1269 Kilometern dann in Stuttgart die Stunde der Wahrheit an der Zapfsäule: Exakt 80,21 Liter Diesel sind bei der Tour durch drei Länder durch die Leitungen geflossen, knapp 13 Liter sind noch als Reserve im Tank. Die 1500 Kilometer würde der Wagen also wohl nur mit dem allerletzten Tropfen erreichen. Der tatsächliche Verbrauch liegt mit 6,3 Litern pro 100 Kilometer um ein Zehntel niedriger als vom Bordcomputer errechnet.

Beim hohen Autobahn-Anteil hätte man vielleicht sogar ganz knapp eine Fünf vor dem Komma erwarten können, den NEFZ-Teilverbrauch für Außerorts gibt Mercedes mit 5,4 bis 5,8 Litern pro 100 Kilometer an. Allerdings enthielt die Route auch Staus, zahlreiche Steigungen, einige Ortsdurchfahrten und wurde eben nicht unter praxisfernen Laborbedingungen gefahren.

6,3 Liter sind immer noch 0,3 Liter mehr als der NEFZ-Verbrauch, aber immerhin: Mit einer entspannten Fahrweise wird selbst die zwei Tonnen schwere M-Klasse zum Sparbrötchen, auch ohne dass man im Windschatten der Brummis klebt oder auf Gefällstrecken durch Gasverweigerung zum Verkehrshindernis wird.

Erfahren Sie mehr Fahreindrücke in unserer Bilderstrecke.

rzf/sgo/news.de

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