Lancia Ypsilon Gemischte Gefühle

Gemischte Gefühle (Foto)
Die vierte Generation des Lancia Ypsilon steht ab dem 2. Juli beim Händler. Er kostet ab 12.500 Euro. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau, Hamburg
Echte Emotionen für Italo-Fans: Der kleine Premium-Italiener Ypsilon wurde komplett überarbeitet. Die vierte Generation betört mit grandioser Optik, schwächelt aber in vielen kleinen Details. News.de war mit Lancias kleinem Flaggschiff unterwegs.

Das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg lügt nicht: 2.916.260 Autos wurden im Jahr 2010 in Deutschland verkauft. Lediglich 1463 Stück davon kamen aus dem Hause Lancia, 386 waren Einheiten des Kleinwagens Ypsilon. Der Chef im B-Segment, der VW Polo, konnte im selben Zeitraum 96.945 Kunden überzeugen.

Grund genug für die Italiener, die Ärmel hochzukrempeln und dem Kleinen etwas mehr Beachtung zu schenken. Das war auch dringend nötig: Seit 2003 ist seine dritte Generation auf dem Markt - nahezu ohne Veränderungen und damit praktisch chancenlos gegen die Konkurrenz. Und der Neue? Soll mehr können, als nur das eigene Erbe verwalten.

Dass jeder Lancia ein Schönling, ein Design-Avantgardist sein muss, versteht sich von selbst. Gezeichnet ist der neue Kleine deshalb wie seine Vorgänger als eleganter Dreitürer. Doch die coupéhafte Linie täuscht über die hinzugewonnenen inneren Werte hinweg: Der Wagen ist ein Fünftürer und ausschließlich als solcher erhältlich. «Beim neuen Ypsilon haben wir besonderes Augenmerk auf eine erhöhte Praktikabilität gelegt. Der Laderaum ist gewachsen, allen Passagieren steht ein größeres Raumangebot zur Verfügung», sagt Markus Hauf, Pressesprecher von Lancia Deutschland.

Lancia Ypsilon
Das Original kehrt zurück
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Erfahren Sie mehr Details zum Design des neuen Ypsilon hier.

Die Materialauswahl kann den hohen Anspruch des kleinen Italieners nicht erfüllen. Er sieht dank Folierung zwar edel aus, fühlt sich aber nicht anders an als jeder Brot-und-Butter-Fiat. Die Armaturen sind mittig platziert. Das muss an sich nicht schlecht sein. Wenn aber deren ausladende Abmessungen jede Anmutung zerstören und dabei auch noch schlecht ablesbar sind - die rechte Hand am Lenkrad verdeckt einen Großteil der Informationen -, dann ist das mangelhaft. Immerhin: Das empfehlenswerte Sonnendach ist das größte im gesamten B-Segment und sorgt für ein luftiges Raumgefühl.

Motorseitig bedient sich der Ypsilon bei alten Bekannten aus dem Fiat-Baukasten. Zwei Benziner und ein Diesel stehen zur Verfügung. Zur news.de-Testfahrt arbeitete der ganze Stolz der italienischen Ingenieure im Bug, der Zweizylinder-Ottomotor mit TwinAir-Technologie. «Die Entwicklung des Aggregats hat sich der Fiat-Konzern 35 Millionen Euro kosten lassen», sagt Achim Betz von Fiat Deutschland.

Im Bug: Die «Engine of the year 2011»

Im Fahrbetrieb erwies sich der Antrieb als gewöhnungsbedürftig. Die grummelige Geräuschkulisse dürfte dabei die wenigsten Kunden stören: Im typischen urbanen Einsatz des Wagens zwischen Freisprechanlage, Kindergenörgel und Großstadtlärm steht klinische Ruhe im Innenraum im Hintergrund.

Doch der Motor scheitert beim mutigen Spagat zwischen spritzigen Fahrleistungen und moderatem Verbrauch: Entweder man gibt dem 900 Kubikzentimeter kleinen Aggregat die Sporen, dann steigt der Verbrauch. Will man hingegen möglichst sparsam fahren, dann kastriert der dafür vorgesehene Eco-Modus - aktivierbar durch eine Taste im Innenraum - den Motor auf ein sehr niedriges Leistungsniveau, das schnell nerven kann bei der Hatz zum nächsten Ampelstopp. Laut ECE-Norm soll der TwinAir-Zweizylinder im Ypsilon 4,2 Liter auf 100 Kilometer verbrennen.

Alternativ ist der kleine Italiener mit dem 1,2-Liter-großen Vierzylinder mit Zweiventiltechnik zu haben. Der Hersteller rechnet damit, dass sich 40 Prozent aller Käufer für ihn entscheiden. Bestseller soll laut Lancia der TwinAir sein. Er soll jeden zweiten Ypsilon antreiben. Lediglich eine Nebenrolle spielt wohl der Dieselmotor. Mit zehn Prozent Marktanteil rechnet Fiat. Skurril: Ausgerechnet er ist der sparsamste und gleichzeitig stärkste Antrieb.

Dünne Grundausstattung

Ein Sonderangebot ist der Lancia nicht. Er ist zwar ab 12.500 Euro in der Basisausstattung Silver zu haben, hat dann allerdings nicht einmal Radio oder Klimaanlage an Bord. Der Hersteller geht davon aus, dass die meisten Einheiten in der mittleren Ausstattungslinie Gold abgesetzt werden. Der Einstieg liegt dann bei 13.950 Euro. Die Luxusversion Platinum kostet mindestens 16.850 Euro.

Zum selbst auferlegten Premiumanspruch passt das in Anbetracht der dünnen Serienausstattung nicht so recht. Vielleicht wollte Lancia deshalb keine Angaben dazu machen, wie viele Einheiten vom Ypsilon verkauft werden sollen. Er steht ab Samstag, 2. Juli, bei den Händlern.

sca/ham/news.de

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