Di., 22.05.12

BMW 330d Cabriolet 05.07.2011 Das Dach verpatzt die Kür

Dachpatzer (Foto)
In der oberen Mittelklasse kann dem BMW 330d Cabriolet kein Konkurrent das Wasser reichen. Bild: pi

Der offene 3er BMW ist das sportlichste Cabriolet der Mittelklasse. Dynamischer und sparsamer als mit dem 330d kann man dabei kaum unterwegs sein. Allein das Klappdach und ein üppiger Preis stören ein nahezu perfektes Gesamtbild.

520 Newtonmeter Drehmoment lassen einen nicht erst oberhalb von Tempo 200 an einen BMW M3 denken. Es ist noch nicht lange her, da wäre man ähnlich bissig nur mit der sportlichsten 3er-Version und einem M im Signet unterwegs gewesen. Der 245 PS starke Sechszylinder-Diesel mit drei Litern Hubraum ist eine Glanzbesetzung in dem alles andere als leichten 3er Cabriolet. Fahrwerk, Motor, Automatikgetriebe - das Paket ist ebenso bekannt wie grandios. Offen ist das 3er Cabrio ein absoluter Genuss. Dennoch: Bei geschlossenem Dach könnten die Windgeräusche durchaus geringer sein. Der vielfach beschworene Vorteil vom Klappdach mag einem abgesehen vom weitgehend verhinderten Vandalismus kaum einleuchten.

Denn der größte aller Nachteile beim 4,61 Meter langen BMW 330d Cabriolet ist das Klappdach selbst. Die Bedienung des Daches ist so langsam, dass man in dieser Zeit per Hand auch eine überdimensionierte Origami-Faltung für den Regenschutz durchführen könnte. Noch ärgerlicher als die verschenkten Sekunden ist jedoch die fehlende Bedienmöglichkeit bei der Fahrt. Beim Tachoausschlag steht das Dach wie zur Salzsäule erstarrt. Peinlich für einen Sonnenanbeter, der sonst mit allen erdenklichen technischen Raffinessen ausgestattet ist. Statt Freude am Fahren bietet das Cabriolet zumindest kurzzeitig allenfalls Freude am Stehen.

Cabriofahrspaß im dritten Jahrtausend

Auf der Straße gibt es für den offenen Bayern keine Schwächen - im Gegenteil. Die Lenkung ist grandios präzise, die Federung straff, aber nicht zu hart. Einen großen Teil am Wohlfühlwert hat die sechsstufige Getriebeautomatik (2190 Euro Aufpreis), die vorbildlich mit dem Reihensechszylinder zusammenarbeitet. Eine - wenn auch sehr präzise - Handschaltung braucht im 330d niemand.

Zur Serienausstattung der mindestens 50.800 Euro teuren Sonnenterasse gehören unter anderem elektrische Sitzverstellung, Multifunktions-Lederlenkrad, Klimaanlage, Xenon-Scheinwerfer und ein CD-Radio. Ärgerlich: BMW verlangt selbst für Kleinigkeiten wie zusätzliche Ablagen und Getränkehalter in der Instrumententafel noch Aufpreise. Und selbst eine längst selbstverständliche Klimaautomatik kostet bei BMW 770 Euro Aufpreis. Zum Trost tut das optionale Harman-Kardon-Soundsystem alles, um einem den Aufenthalt an Bord akustisch zu versüßen. Unverändert wohltuend zeigt sich das Bildschirmnavigationssystem mit exzellenter Karte und vorbildlicher Bedienung. Wird eine Lokalität oder eine Straße einmal nicht im System gefunden, hilft eine Online-Google-Funktion. Das ist Cabriofahrspaß im dritten Jahrtausend.

Fahrmaschine mit unvergesslichem Makel

Abseits von Hightech bleibt das BMW 330d Cabriolet in erster Linie eine Fahrmaschine. Strammes Fahrwerk, perfekte Lenkung und bissige Bremsen. Fast ist man versucht, den Makel des Klappdaches zu vergessen - bis der nächste Öffnungs- oder Schließvorgang kommt. Da kann man nur auf den Nachfolger hoffen. Doch zum Jahresstart kommt der neue BMW 3er zunächst nur als Limousine. Das Cabriolet dürfte noch bis Ende 2013 auf sich warten lassen - vielleicht dann ja wieder mit einem Stoffdach.

rli/sgo/sca/news.de/pi
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