50 Jahre Parkscheibe Eine runde Revolution

Kleine Scheibe, große Wirkung: Heinz Hille hat vor 50 Jahren die Parkscheibe erfunden. Dabei wollte der damalige Kasseler Polizeipräsident doch nur den Kaufleuten in der Innenstadt helfen. News.de erzählt die Geschichte von einem blau-weißen Stück deutschen Alltags.

Schnee in Berlin (Foto)
Allzweckwaffe: Eine Parkscheibe kann auch als Eiskratzer dienen. Heinz Hille hat sie vor 50 Jahren erfunden. Bild: ddp

Vor 50 Jahren hat Kassel als erste deutsche Stadt die Parkscheibe eingeführt: Der Erfinder des Zeitmessers aus Pappe wohnt heute noch im nahen Baunatal. Heinz Hille, ehemaliger Polizeipräsident und Bürgermeister Kassels, schrieb mit dem Einfall Geschichte. Heute, mit 87 Jahren und längst im Ruhestand, prophezeit Hille seiner Parkscheibe nach wie vor eine Zukunft - obwohl sich mittlerweile vielerorts gebührenpflichtiges Parken durchgesetzt hat.

«Ich habe mir das bei Nacht und Nebel ausgedacht», erinnert sich Hille. Anfang der 1960er Jahre habe er als Polizeipräsident nach einer neuen Parkregelung für die neu erbaute Kasseler Innenstadt gesucht. «Dauerparker blockierten die Plätze, die die Kraftfahrer unter den Kunden dringend brauchten», sagt Hille. Geld für eine Parkuhrenregelung gab der städtische Haushalt nicht her. Also dachte Hille über eine Alternative nach, eine Kurzparkregelung, die den Geschäftsleuten und ihrer motorisierten Kundschaft nutzen sollte. Erst skizziert, dann gebastelt, die allererste Parkscheibe schuf der damalige Polizeipräsident selbst.

Erfindung ohne Patent

Doch während sich der Handel begeistert gezeigt habe, «waren Innenminister und Regierungspräsident dagegen», berichtet der Erfinder. Nicht rechtssicher, lautete das Argument. Dabei bot nach Ansicht des ausgebildeten Juristen Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung eine ausreichende Grundlage. Darin heißt es: «Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.»
Hille nahm es dennoch in die Hand, die Neuheit juristisch wasserdicht zu machen. Einen befreundeten Makler habe er ermuntert, Klage einzureichen. Drei Instanzen und eineinhalb Jahre später folgte das willkommene Urteil.

«Dann kamen eine Menge Anfragen aus anderen Städten und auch der Städtebund hat darauf hingewiesen», berichtet Hille. Ein Patent auf seine Erfindung anzumelden, habe er versäumt. «Mir ging es ja nicht ums Geld, mir ging es um die Sache», stellt der 87-Jährige ohne Reue klar. Fünf Jahre war er Polizeipräsident, später 14 Jahre Bürgermeister Kassels und er betont: «Mir hat es Spaß gemacht, Initiativen für die Zukunft zu entwickeln.»

«Parkscheibe hat sich bewährt»

Überzeugt ist er immer noch von seiner Parkscheibe: «Eines Tages wird die Kurzzeitregelung von den Städten wieder übernommen werden. Ansonsten werden die Leute die Innenstädte links liegen lassen und sie werden veröden, aber das ist nicht mehr mein Bier.»

Zuspruch kommt auch vom ADAC. «Die Parkscheibe hat sich schon bewährt und nach wie vor ihre Berechtigung», sagt ADAC-Verkehrsexperte Ralf Stock. Vor allem in kleineren Städten kann die Kurzzeitregelung seiner Ansicht nach immer noch sinnvoll sein. Grundsätzlich sei zwischen der monetären und temporären Bewirtschaftung von Parkflächen zu unterscheiden. Die neueste Form sei die Entrichtung der Parkgebühren per Handy, die schon in ein paar Städten möglich sei. «Schließlich haben wir mehr Handys als Einwohner», sagt Stock. «Das kommt und greift immer mehr.»

sgo/news.de/dapd

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