Atemberaubende Landschaften, Blockaden, Todesstraßen, Coca-Plantagen: Bei der Land Rover Experience Tour durch Bolivien stoppt die Adrenalinausschüttung niemals. Wir waren dabei.
Noch 20 Kilometer bis Caranavi, und jetzt wird es wirklich gefährlich. Es ist nicht nur stockdunkel, sondern auch neblig. Der aufgewirbelte Staub auf der trockenen Piste ist so dicht, dass man nur wenige Meter weit sieht. So muss sich ein Pilot bei einem Blindflug fühlen, wenn plötzlich die Instrumente ausfallen. Die einzigen Hilfen am Steuer des Land Rover Defender sind jetzt die starken Zusatzscheinwerfer und die fünf Sinne des Fahrers. Die Ohren sind messerscharf gespitzt und hören permanent den Funk ab.
«Achtung, Taxi von oben, sehr schnell», vermeldet Dag Rogge, Leiter der Land Rover Experience Tour durch Bolivien, per Funkgerät aus dem Führungsfahrzeug. Da schießt auch schon das Toyota-Taxi auf den Land Rover zu, natürlich unbeleuchtet. Jetzt braucht man keinen Schutzengel - der hat in dieser Staubhölle schon längst aufgegeben -, sondern schnelle Reflexe: Nach rechts ausweichen, dabei bloß nicht den steilen Abgrund übersehen, und blitzartig wieder in die Spur zurück.
12 bis 15 Stunden Abenteuerfahrt täglich
Solche Gewaltmärsche sind es, die bei der 1800 Kilometer langen Land Rover Experience Tour den Adrenalinspiegel immer auf Anschlag halten. 12 bis 15 Stunden Fahrt stehen täglich auf dem Programm. Das alles wird jedoch mehr als aufgewogen durch die faszinierenden Naturpanoramen, die das oft noch völlig unberührt wirkende Bolivien zu bieten hat. Besonders spektakulär ist die Fahrt über die nebelverhangene «Camino de la Muerte», die Straße des Todes von La Paz nach Coroico.
Vom Regenwald geht es innerhalb weniger Stunden hinauf zur Hochebene Altiplano und ins quirlige La Paz, wo sich der höchste Regierungssitz der Welt befindet. Auch wenn die meisten Bolivianer dem Land-Rover-Konvoi fröhlich zuwinken, mit ihrer Ortskenntnis die nicht vorhandenen Straßenschilder ersetzen und schon mal ein Handwerker für Reparaturen sein Schweißgerät ausleiht: In Bolivien gehen die Uhren anders. Das muss der Konvoi auf der Rückreise nach La Paz erfahren, als plötzlich in einem Ort wütende Indios aus Protest gegen die Regierung sämtliche Durchfahrtsstraßen blockieren.
Jetzt beginnt ein Katz- und Maus-Spiel. Der Konvoi muss sich unauffällig einen Weg durch Seitenstraßen bahnen, bevor die Demonstranten sämtliche Wege aus der Stadt abriegeln und der Konvoi vielleicht für mehrere Tage aufgehalten wird. Doch Blockade-Brecher mögen die Leute im Ort gar nicht. Als die 14 Land Rover ausscheren und quer durch die Rabatten fahren, fliegen die ersten Steine. Mit Geländeuntersetzung prügeln die Fahrer den Geländewagen im Eiltempo vorwärts, raus aus der Gefahrenzone. Im Gänsemarsch geht es schließlich mitten durch die Steppe an Alpaka-Herden vorbei in einem weiten Umweg nach La Paz. Mehr Offroad geht kaum. Doch genau solche Erlebnisse sind es ja auch, die die Teilnehmer der Abenteuer-Expeditionen suchen.
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