VW hat keinen Plugin-Golf? Dann bauen wir ihn eben selber, dachten sich ein paar junge Unternehmer aus Stuttgart. Der Golf R500 Plus kombiniert einen Verbrenner mit E-Motor und Wechsel-Akku. 530 PS machen nicht immer Sinn, aber viel Spaß.
Bei manchen jungen Auto-Fans ist es ein Ritual, Samstag Abends vor der Disko Haube und Kofferraum zu öffnen. Dann wird geprahlt, was das Zeug hält. Wenn Martin Ziegler die Heckklappe seines Golf öffnet, kommen dagegen nur drei längliche graue Kästen zum Vorschein. «Lithium-Polymer, 18 Kilowattstunden», sagt der Diplomingenieur und rückt seine Sonnenbrille zurecht, so als würde er gerade über die neuesten Breitreifen oder die fettesten Spoiler berichten.
Auf den ersten Blick sieht der weiße Viertürer wie ein normaler Golf R aus, doch schon der Schriftzug «R500 Plus» am Heck verrät, dass da etwas ganz anderes unter dem Blechkleid lauert. Unter der Haube arbeitet ein auf 345 PS getunter Zweiliter-Turbomotor und treibt die Vorderachse an. Ein Elektromotor mit einer Spitzenleistung von 135 kW nimmt sich die Hinterachse vor, das ursprüngliche Allradgetriebe wurde ausgebaut.
Raketenstart per Knopfdruck
Über Nacht tankt der Golf als Plug-In-Hybrid an der Steckdose, damit die Batterien beim Start voll aufgeladen sind. Die Ladezeit soll sechs Stunden betragen. Die Batteriezellen selbst kommen von einem chinesischen Hersteller, die Kombination der Zellen zum Akkupaket und die Steuerungselektronik haben die Stuttgarter entwickelt.
Per Knopfdruck schaltet Martin Ziegler den elektrischen Hinterradantrieb zu und gibt Vollgas. Der Spurt von 0 auf 100 Km/h soll in weniger als fünf Sekunden absolviert sein. Offizielle Fahrleistungen haben die Konstrukteure noch nicht ermittelt, der Wagen wurde auch erst kurz vor der Challenge Bibendum fertig. «Wir haben bis gestern noch geschraubt», berichtet Martin Ziegler.
Hybrid-Tuning ist kostspielig
Zusammen erzielen der getunte Benziner und der elektrische Synchronmotor eine Leistung von rund 530 PS. Der eigentliche Sinn des Plug-In-Systems ist natürlich die Verbrauchsreduzierung: Bei voll aufgeladener Batterie soll der Golf 80 Kilometer weit rein elektrisch fahren, ganz ohne Hilfe des Benzinmotors und bei einem maximalen Tempo von 160 km/h.
Martin Ziegler ist Geschäftsführer der 2009 gegründeten Firma HyLionTec, die Batteriesysteme für mobile und stationäre Anwendungen herstellt. Mit ihrem Extrem-Golf wollen die Stuttgarter junge Zielgruppen für alternative Antriebe begeistern. Noch ist das Hybrid-Tuning eine ausgesprochen kostspielige Angelegenheit: «Allein das Batteriesystem kostet 25.000 Euro», berichtet Martin Ziegler. Man arbeite aber bereits an einer All-Inclusive-Nachrüstlösung, die dann nur noch 15.000 Euro kosten soll.
rli/ham/sgo/news.de/pi
Mit diesen PS-Spielchen für zig-tausend Euro kommt die E-Antriebs-Idee nur sehr schlecht weiter? Wann endlich kümmern sich die Tüftler - wenn schon die grosse Autoindustrie zu blöd oder zu korrupt ist - um ein alltagsfähiges, bezahlbares E-Auto? Damit wäre der Durchbruch geschafft!
jetzt antwortenKommentar meldenEs macht Spaß, unterschätzt zu werden und dann gewisse Leute zu verblüffen. Dies ist nicht nur auf intelektueller Ebene so, sondern auch bei meiner kleinen Schwäche für schnelle Autos, denen man es nicht ansieht wie bei meinem früheren Superb TDI oder meinem jetzigen Wagen. Dieser Spaß ließe sich mit einem solchen Golf 500 Plus sehr weit steigern und könnte so manchen Premium-markenfahrer zur schieren Weißglut bringen. Wahnsinn! Ja, ja, ich weiß, ich weiß...Herr Kretschmann!
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