Steigende Spritpreise kosten Autofahrer viele Nerven. Geschieht das auch mit den Strompreisen? Eine Frage, die in Sachen Atomausstieg noch nicht geklärt ist. Doch sie hat große Auswirkungen auf die Zukunft der Elektromobilität.
War die Kernkraft vor zwei Jahren noch unverzichtbare Brückentechnologie, so hält die schwarz-gelbe Bundesregierung den schnellen Atomausstieg nach dem Unglück in Fukushima nun für machbar. Das sorgt in der Autoindustrie für Kontroversen.
Atomstrom könnte die Einführung von Elektroautos deutlich bremsen, ist Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, überzeugt. Der Strom aus regenerativen Quellen sei wegen höherer Erzeugungs- und Netzkosten etwa drei- bis fünfmal teurer als Atomstrom. Dadurch würden Elektrofahrzeuge einen erheblichen Teil ihrer wirtschaftlichen Vorteile im Bereich der Unterhaltskosten einbüßen.
Ferdinand Dudenhöffer, Automobilexperte an der Universität Duisburg-Essen, hält solche Bedenken für unbegründet. «Ein beschleunigter Ausstieg aus der Kernenergie würde der Elektromobilität überhaupt nicht wehtun», sagt er. Denn die Preise für Diesel und Benzin werden noch drastischer steigen, ist sich der Spezialist sicher. Diese Entwicklung sei angesichts schrumpfender Ölreserven und eines gesteigerten Energiebedarfs auf den neuen Wachstumsmärkten unvermeidbar.
E-Autos machen 0,3 Prozent des Strombedarfs aus
«Markteinführung von Elektrofahrzeugen und Atomausstieg beeinflussen sich überhaupt nicht», so Jörg Mühlenhoff, Referent für Energiewirtschaft bei der Agentur für erneuerbare Energien. Selbst bei einem massiven Strompreisanstieg würde der Kostenvorteil von Elektrofahrzeugen gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor eintreten.
Wie sich die Strompreise mit längerer Atomkraftnutzung beziehungsweise nach einem schnellen Ausstieg entwickeln werden, ist aber selbst für Experten eine Rechnung mit etlichen Unbekannten. Der Vergleich mit Frankreich, das einen Anteil von 85 Prozent Kernenergie im Strommix hat, zeige, dass Kernkraft den Strom nicht zwangsläufig verbilligt. «Dort sind die Strompreise am Großhandelsmarkt ähnlich hoch wie in Deutschland mit einem Anteil von 23 Prozent Kernenergie», erklärt ein Energieexperte.
Für die 17 deutschen Meiler müssen Kraftwerkskapazitäten von 21.000 Megawatt ersetzt werden. Diese Menge könnte laut Greenpeace von den geplanten und schon im Bau befindlichen Gaskraftwerken, Windstrom- und Solaranlagen geliefert werden - ohne Versorgungsengpässe oder deutliche Mehrkosten für die Endverbraucher. E-Mobilität kollidiert nach Einschätzung der Umweltschützer nicht mit dem Atomausstieg.
Elektroautos erfordern demnach keine Atomkraftwerke. Selbst eine Million dieser Fahrzeuge - so viel will die Bundesregierung 2020 auf den Straßen haben - würden nur 0,3 Prozent des derzeitigen Strombedarfs in Deutschland erfordern, erklären die Umweltschützer und berufen sich dabei auf eine Studie des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung.
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