Allergiker leben in der Pollensaison gefährlich - vor allem als Autofahrer. Läuft die Nase und jucken die Augen, haben die Leidgeplagten ein bis zu 30 Prozent höheres Unfallrisiko im Straßenverkehr, so der ADAC. News.de zeigt, worauf Allergiker achten müssen.
Das Frühjahr bringt Allergiker besonders häufig ins Schleudern, warnt der ADAC jedes Jahr aufs Neue. Wie gefährlich dies aber in der Realität aussieht, beschreibt Heimo Vedernjak, Mediziner des österreichischen Nachbarclubs ÖAMTC in Wien: «Weil man kurzzeitig völlig blind fährt, kann man bei einem Niesanfall leicht die Kontrolle über sein Auto verlieren.»
Im Klartext: Der Fahrer wird sekundenlang zum Passagier. Wie der ADAC ausgerechnet hat, führt eine Niesattacke bei einem Tempo von 50 Stundenkilometern zu einem Blindflug von fast 14 Metern - bei Tempo 80 sind es über 25 Meter. Deshalb rät Frank Volk vom Tüv-Süd, die Fahrt während eines Allergieschubs aus Sicherheitsgründen zu unterbrechen.
Medikamente trüben Wahrnehmungsfähigkeit
Neben den Allergie-Symptomen selbst können auch Medikamente wie Antiallergika die Verkehrstüchtigkeit beinträchtigen. «Deren mögliche Nebenwirkungen dürfen nicht unterschätzt werden», warnt Vedernjak. Außerdem: «Wer versucht, seine allergische Überreaktion mit Hilfe einer Impftherapie zu verbessern, sollte bis etwa drei Stunden nach der Injektion keinesfalls ein Fahrzeug lenken», betont der ÖAMTC-Experte. Der ADAC weist zudem darauf hin, dass die Präparate am Abend vor der Fahrt eingenommen werden sollten, damit sie tags darauf nicht müde machen. Grundsätzlich sollte man Arzt oder Apotheker auf das Thema Autofahren und Nebenwirkungen ansprechen.
Um die Pollen gar nicht erst ins Fahrzeuginnere gelangen zu lassen, empfehlen sich Pollenfilter. Aktuelle Modelle sind vielfach bereits ab Werk damit ausgestattet. Ältere Autos lassen sich in der Regel in einer Fachwerkstatt nachrüsten. Die Pollen- oder Partikelfilter sitzen üblicherweise unterhalb der Windschutzscheibe hinter dem Gebläse und fangen die Pollen auf ihrem Weg ins Fahrzeuginnere ab.
Pollenfilter regelmäßig wechseln
Damit das Wageninnere eine pollenfreie Zone bleibt, muss der Filter von Zeit zu Zeit erneuert werden, zum Beispiel im Rahmen einer Inspektion. «Notieren Sie sich am besten den jeweils letzten Filterwechsel. Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Wirkung nachlässt, können Sie den Wechsel des Pollenfilters vorziehen», sagt Tüv-Mitarbeiter Volk. Der ADAC geht da schon weiter: Er empfielt, den Filter jährlich zu wechseln - oder nach einem Intervall von 15.000 Kilometern.
Damit der Pollenfilter im Auto aber wirke, müsse das Schiebedach geschlossen bleiben. Das gleiche gelte für die Fenster. Beim Durchfahren von besonders belasteten Gebieten kann nach ADAC-Angaben auch kurzzeitig die Umluftanlage eingeschaltet werden, denn diese verhindere, dass keine Luft von außen angesaugt wird. «Das sollte nur einige Minuten dauern, weil sonst die Konzentration des Fahrers mangels Frischluftzufuhr nachlässt», heißt es in der ADAC-Pressemitteilung.
Nicht unter Bäumen parken
Beim Parken solle man beachten, dass Bäume nicht nur Schatten spenden, sondern auch Pollen aufs Fahrzeug regnen lassen. Ein Stellplatz abseits von Bäumen ist daher eine gute Wahl. Bei der Rückkehr zum geparkten Auto sollten darüber hinaus Mantel oder Jacke besser im Kofferraum verstaut werden, damit sich anhaftende Pollen nicht im Fahrzeuginneren verteilen können.
Doch auch außerhalb des Autos können Allergiker versuchen, ihre Belastung zu verringern. Zwischen zwei und vier Uhr früh ist mit besonders hoher Pollenbelastung zu rechnen. Erst mit dem sich später bildenden Morgentau finden die Pollen den Weg zum Boden und werden in der Feuchtigkeit festgehalten. «Eine ungestörte Nachtruhe kann daher nur mit geschlossenem Fenster gewährleistet werden», betont ÖAMTC-Mediziner Vedernjak. Denn durch die Allergie hervorgerufene Schlafstörungen wirkten sich ebenfalls negativ aufs Fahren aus. Und der Mediziner hat noch einen unterstützenden Tipp für Allergiker parat: «Vor dem Zubettgehen ist Haare waschen sinnvoll, um alle Pollen auszuspülen und ungestört schlafen zu können.»
sca/sgo/news.de/dapd