50 Jahre Volvo P 1800 Ein Schweden-Märchen

Schweden-Märchen (Foto)
Das schöne Coupé wurde zum Fernsehstar und beliebten Youngtimer. Bild: pi

Vor 50 Jahren stellte Volvo den P 1800 vor. Das schöne Coupé wurde zum Fernsehstar und beliebten Youngtimer. Unvergessen bleibt der Lifestyle-Kombi 1800 ES. Eine Spritztour mit dem «Schneewittchensarg».

Pelle Petterson entwarf 1957 den Volvo P 1800, der 1961 als eins der schönsten Volvo-Modelle aller Zeiten in Serie ging. In Großbritannien wurde der Wagen sogar zum TV-Star. Roger Moore jagte als Privatdetektiv Simon Templar Ganoven über die Insel und fuhr auch privat einen P 1800. Bis zum Produktionsende 1972 liefen knapp 40.000 Autos vom Band. Die seltenste, aber faszinierendste Version ist der 1800 ES. Der Lifestyle-Kombi mit den pfostenlosen Seitenscheiben war zwar nicht das erste Auto seiner Art, aber eins der elegantesten.

Für schicke Autos war damals der Begriff Kombi fast eine Beleidigung, deshalb wurde der 1800 ES lieber als Shooting Brake bezeichnet. In Deutschland hatte der Wagen schnell den Spitznamen Schneewittchensarg weg. Das gläserne Heckabteil des Volvo ist wirklich eine Schau, auch ohne schlafende Schöne. Es ist mit Teppich ausgekleidet, zum Öffnen der grün getönten Glasklappe muss man sich mit einem eigenwilligen Drehknopf anfreunden. Mit ein paar Handgriffen wird der schicke Schwede sogar zum Kombi. Bei umgelegter Rückbank bietet der Volvo-Veteran 991 Liter Stauraum.

50 Jahre Volvo P 1800
Unterwegs im Schneewittchensarg
Unterwegs im Schneewittchensarg (Foto) Zur Fotostrecke

Den Youngtimer gibt es ab 20.000 Euro

Auch das Cockpit gibt sich edel, es verwöhnt den Piloten mit einem gemütlichen Ledersitz samt Lordosestütze. Wer die Gurtschnalle nicht in das beleuchtete Schloss führt, wird sofort mit der Sicherheitsanweisung konfrontiert, wenn das rote «Bitte anschnallen»-Lämpchen am Armaturenbrett aufleuchtet. Solche Warnungen sind auch aus Saab-Youngtimern bekannt. Immerhin bleibt der Fahrer vom Gepiepse und Geträller moderner Gurtwarner verschont. In den frühen 1970er Jahren aber, die noch keine Gurtpflicht kannten, war schon die kleine Warnleuchte eine geradezu penetrante Funktion.

Wer heute einen 1800 ES in gutem Zustand ergattern möchte, muss laut Youngtimer-Preisnotierung mindestens 20.000 Euro einplanen. Und wer sich einen gesichert hat, gibt ihn so schnell nicht wieder her. Insgesamt liefen kaum mehr als 8000 ES vom Band.

Sportlichkeit war nie das Aushängeschild

Doch so sportlich der Shooting Brake aussieht, er fährt sich nicht so. Unter der lang gestreckten Haube verrichtet ein Zweiliter-Vierzylinder mit 125 PS seinen Dienst. Der Motor hängt noch gut am Gas und an die hakelige Viergangschaltung hat man sich nach ein paar Kilometern gewöhnt. Doch die gefühllose Lenkung vermittelt null Kontakt zur Fahrbahn. Die hintere Starrachse trampelt über Bodenwellen. In Kurven gibt sich der Wagen trotz seines Gewichtes von nur 1,2 Tonnen ziemlich schwerfällig. Selbst 1971 gab es viele Autos, die mehr Fahrspaß boten.

Doch ob Kombi oder Coupé, die Sportlichkeit war ohnehin nie das Aushängeschild des P 1800. Dass der Wagen ein zäher alter Schwede ist, hat Irv Gordon bewiesen. Der Amerikaner kaufte sein P 1800 Coupé im Jahr 1966 und hat seitdem mehr als 2,8 Millionen Meilen (4,5 Millionen Kilometer) mit ihm zurückgelegt. Bald will er die Drei-Millionen-Marke knacken. Eigentlich wollte Gordon sein Rekordfahrzeug einem Museum übergeben, doch dann besann er sich anders. Er fuhr ihn weiter, und wenn er ihn irgendwann einmal verkauft, dann wohl nur für einen stolzen Preis: «Natürlich für drei Millionen Dollar», so der Amerikaner mit Vorliebe für Schwedenstahl.

rli/ham/news.de/pi

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