Japan hält die Welt in Atem. Nicht nur wegen der Havarie in Fukushima. In etlichen Industriezweigen macht sich Furcht vor akuten Nachschubproblemen breit. Autobauer in Deutschland stellen sich offenbar wieder auf Kurzarbeit ein.
Vor allem die aus Japan bezogenen Elektronikteile werden in einigen Industriezweigen knapp. Davon betroffen sind neben den Autobauern auch die Zulieferer. Fehlt ein einziges Bauteil, kann die Produktion einer ganzen Modellreihe zum Erliegen kommen. In den USA haben Toyota und GM die Produktion bereits gedrosselt. Bei Opel in Eisenach fielen Anfang vergangener Woche Montageschichten wegen Teilemangels aus.
Auch den PSA-KonzernZum PSA-Konzern gehören die Automarken Citroen und Peugeot. hat die Lieferkrise erwischt. Als erster europäischer Autobauer hat der Hersteller die Fertigung an einigen Standorten heruntergefahren. Schiffslieferungen, die Japan noch vor dem großen Beben verlassen haben, werden erwartet und könnten die Situation entzerren. Vorerst jedenfalls. Wie sich die Lage in der Branche in den kommenden Wochen entwickelt, wenn auch der Nachschub verbaut ist, vermag zum jetzigen Zeitpunkt niemand zu sagen. Ab Mitte April könne sich die Situation drastisch verschärfen, befürchten Experten.
Expertenteam sucht bei VW nach Alternativen
Beim Volkswagenkonzern kommt derzeit täglich ein Expertenteam aus Logistikern und Einkäufern zusammen, um die Lieferkette tagesaktuell zu analysieren und bei drohenden Engpässen nach Alternativen zu suchen. Kommt der Nachschub aus Japan zum Erliegen, reiße die Belieferung nicht komplett ab, betont ein Konzernsprecher. Doch so leicht, wie es sich Logistiker wünschen, ist das Umschwenken auf Ersatzquellen nicht. Um zusätzliche Kapazitäten zu mobilisieren, bedarf es auch bei den Zulieferern einiger Wochen Vorbereitungszeit.
Verschiedene deutsche Automobilstandorte richten sich offenbar schon darauf ein, demnächst in Kurzarbeit zu gehen. Die Werksleitungen erkundigten sich, ob und unter welchen Voraussetzungen an deutschen Standorten mit der Japan-Krise begründete Kurzarbeit angemeldet werden könne, erläutert eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit. Nach Angaben der Bundesarbeitsagentur haben bereits Automobilwerke in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen in dieser Angelegenheit vorgefühlt.
An den heimischen Standorten der japanischen Autobauer wird weiterhin mit erheblichen Einschränkungen produziert. Mazda fertigt derzeit nur Ersatzteile und Komponenten für seine Werke außerhalb Japans, zudem werden Autos fertiggestellt, die sich schon vor dem Beben auf den Montagebändern befunden haben. Auch in den Honda-Werken Sayama und Suzuka stehen die Bänder still. Wie es danach weiter gehen wird, ist ungewiss, weil sich die Situation in der Zulieferindustrie auch vor Ort noch nicht überblicken lässt.
rli/ham/reu/news.de/pi