Fahrassistenzsysteme Ins Lenkrad gegriffen

Zunehmend bauen Hersteller in ihre Fahrzeuge Assistenzsysteme ein. Inzwischen setzen sich diese auch in Autos der Mittel- und Kompaktklasse durch. Die Extras erhöhen die Sicherheit merklich.

Ins Lenkrad gegriffen (Foto)
Immer mehr Hersteller bauen in ihre Fahrzeuge Assistenzsysteme ein. Bild: pi

Wer vor zwanzig Jahren den Führerschein machte, lernte noch die Stotterbremse. Doch in der Schrecksekunde treten die meisten instinktiv mit aller Kraft auf die Bremse - die Reifen blockieren. Was der Mensch nicht kann, muss die Technik übernehmen.

Dafür wurde das Antiblockiersystem (ABS) ersonnen. Nimmt bei einem Bremsvorgang die Drehzahl der Räder unverhältnismäßig ab, werden automatisch Ventile geöffnet, die den Bremsdruck vermindern. Durch das Wirken einer elektrischen Pumpe erhöhen sich Bremsdruck und Bremswirkung anschließend wieder. Das passiert in schneller Folge ungefähr zehnmal pro Sekunde - zuverlässiger als jeder Mensch es könnte. Die Mercedes-S-Klasse war 1979 das erste Serienfahrzeug, in dem ABS verfügbar war.

Fahrassistenzsysteme: Technik schlägt Mensch

Doch ABS machte nur den Anfang. Fast unmerklich setzte der Siegeszug elektronischer Assistenzsysteme im Auto ein. Beinahe genauso verbreitet wie ABS ist heute das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP). Es korrigiert Fahrfehler bei Kurvenfahrten. Nimmt das System an, dass das Fahrzeug ins Schleudern kommt, bremst es ein oder mehrere Räder ab, bis der Wagen wieder stabil fährt. Ein deutlicher Sicherheitsgewinn insbesondere bei Nässe, Glätte oder Rollsplitt. Fast alle Neuwagen sind heutzutage serienmäßig mit ESP ausgestattet.

Automatische Notbremsen und kürzere Bremswege

In der Oberklasse hingegen gehen die Hersteller anders zur Sache. Lexus, Pionier beim Einsatz von Fahrassistenzsystemen, baut das so genannte «Advanced Pre-Crash Safety-System» in seine Limousinen ein. Bei Bedarf leitet es mittels Notbremsassistent und Spurhalteassistent geeignete Gegenmaßnahmen ein. Ist ein Aufprall unvermeidbar, werden die Gurte vorgespannt und die Pre-Crash-Kopfstützen aktiviert.

Mercedes-Benz bietet für seine Modelle einen zusätzlichen Bremsassistenten (BAS) und eine Anti-Schlupf-Regelung (ASR) an. Im Bedarfsfall wird der Bremsdruck optimiert, so kann der kürzest mögliche Bremsweg erreicht werden.

Noch mehr erhält der Mercedes-Kunde, wenn er noch ein paar Euro dazu legt und sich aus dem Katalog der Sonderausstattungen bedient. Für das Fahrassistenz-Paket Plus von Mercedes-Benz wird der Bremsassistent mit Abstandsregeltempomaten kombiniert. Bei BMW heißt ein ähnliches System «iBrake» und bei VW und Audi fährt man mit einer «adaptive cruise control» (ACC). Volvo hingegen offeriert seine City-Safety-Technologie serienmäßig ohne Aufpreis in seiner Oberklasse. Dieses Kollisionswarnsystem kann auf der Straße laufende Fußgänger erkennen und Auffahrunfälle verhindern - selbst dann, wenn der Fahrer nicht rechtzeitig reagiert.

Assistenten gegen den Sekundenschlaf

Weitere sinnvolle Extras sind der Spurhalte- und der Totwinkelassistent. Der Spurhalteassistent soll die Folgen des verhängnisvollen Sekundenschlafs verhindern. Dafür überwacht eine Kamera die Straße und errechnet den optimalen Lenkwinkel, um der Spur zu folgen. Kurz bevor eine Fahrbahnmarkierung überfahren wird, macht das System den Fahrer akustisch darauf aufmerksam. Ganz ähnlich arbeitet ein Totwinkelassistent. Er überwacht mittels Radar oder Kameras die Nachbarspur und wird aktiviert, sobald der Blinker betätigt wird. Ist ein Hindernis im Messbereich, wird der Fahrer darauf aufmerksam gemacht.

In den vergangenen Jahren haben sich die Hersteller verstärkt einem anderen Handicap zugewandt: der Seeschwäche bei zunehmender Dunkelheit. Mercedes bietet dafür ein «Intelligent Light System» an: Sobald die Infrarotkamera am Innenspiegel keinen weiteren Verkehrsteilnehmer erkennt, wird auf Fernlicht umgeschaltet. Wird entgegenkommender Verkehr erkannt, wird wieder abgeblendet. Ähnliche Systeme bieten auch VW, BMW und Audi an.

Für zusätzliche Sicherheit im Klein- und Kompaktwagen muss bislang ein aufmerksamer Beifahrer sorgen. Der Unfallstatistik zufolge verursachen Alleinfahrer doppelt so viele Unfälle wie Reisende mit Beifahrer. Vier Augen sehen eben mehr als zwei.

rli/ham/reu/news.de/pi

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