Toyota Auris Hybrid Kraftloser Stromer

Der Toyota Auris Hybrid kombiniert bewährte Hybridtechnik und bekannten Look. Im Praxistest zeigt sich, wie solide die Kompaktklasse ist. Deutlich wird aber auch: Die Stromnutzung ist beim Auris nur eine halbe Wahrheit.

Gelebte Enthaltsamkeit (Foto)
Der Toyota Auris Hybrid kombiniert die Technik des Prius mit dem Kleid der beliebten Kompaktklasse. Bild: pi

Toyota bietet seinen 136 PS starken Einstiegshybriden in der Basisversion für 22.950 Euro an. Diesen Mehrpreis holt in Sachen Kraftstoffersparnis niemand mehr heraus. Wer sich für den Hybriden entscheidet, der hat abseits aller Finanzen andere Gründe und will Zeichen setzen.

Mit der Optik gelingt das nur auf den zweiten Blick. Autofahrer müssen schon genau hinsehen, um dem Auris seine Stromgene entlocken zu können. Das Fahrwerk ist fünf Millimeter tiefer, das Toyotalogo blau hinterlegt und ein Dachkantenspoiler sorgt für eine Verbesserung der Aerodynamik. Kein Wunder: Wenn es beim Verbrauch um die Zehntel hinter dem Komma geht, wird mit filigranen Waffen gekämpft.

Ein Benzinmotor und ein zusätzliches Elektromodul leisten beim Toyota Auris Hybrid gemeinsam 136 PS. Gefühlt sind es eine ganze Ecke weniger, denn im Alltagsfahrbetrieb erscheint der Auris als ein wahrhaft müder Krieger. Der gerade einmal 99 PS starke Saugmotor ist alles andere als eine Bestbesetzung im Vorderwagen des Auris.

Toyota Auris Hybrid: Umweltfreundliche Schlaftablette

Daran ändert auch die Kombination mit einem 82 PS starken Elektromodul wenig. Wer mit dem Toyota unterwegs ist, sollte sich in Enthaltsamkeit üben. Starkes Beschleunigungen, dynamisches Fahren und längere Autobahnpassagen mit hohem Tempo sind nicht die Sache des japanischen Hybriden. Das stufenlose CVT-Getriebe nimmt dem Motorenduo jeglichen Tatendrang und schnürt den Piloten ein wie ein zu enges Hemd.

Ein träger Geselle

Von 0 auf 100 km/h in trägen 11,4 Sekunden sind kein überzeugender Wert und 180 km/h Spitze sind im realen Fahrbetrieb alles andere als eindrucksvoll. Insbesondere wenn klar wird, wie lange der Fronttriebler braucht, bis er in diese Grenzbereiche vorgedrungen ist. Denn bereits ab 130 km/h wird das flotte Fortkommen auf der Autobahn ein wahrhaft zähes Geschäft. Ein kurzer Überholvorgang verlangt Mut beim Auris-Fahrer und Geduld bei den Herankommenden.

Eindrucksvoll geht hier abgesehen von einem sprunghaft ansteigenden Motorengebrüll nichts. Der Vierzylinder mit seinen 1,8 Litern Hubraum will nicht im oberen Drittel seiner Drehzahlen bewegt werden. Sein Herz schlägt für das lässige Rollen in der City oder über Land. Im Praxistest pendelte sich der Verbrauch bei 6,1 Litern Super auf 100 Kilometern ein.

Immer wieder beeindruckend präsentiert sich jedoch der reine Elektromodus: Mit sanftem Gasfuß rollt der Auris Hybrid auf dem Weg in die Innenstadt - zu hören sind nicht mehr als die Abrollgeräusche der Reifen. Negativ fallen die Sitze auf, das Platzangebot ist dagegen ordentlich und auch in der zweiten Reihe lässt es sich Dank einer Gesamtlänge von 4,25 Metern angenehm sitzen.

Gutes Auto mit wenig Charme

Der Toyota Auris Hybrid präsentiert sich seinen Insassen mit einer ausgewogenen Abstimmung. Federung sowie Dämpfung sind komfortabel und in schnellen Kurven zeigt zumindest das Fahrwerk, das es mehr Tatendrang in sich trägt, als die träge Motor-Getriebe-Kombination. Für Sicherheit sorgen ESP, ABS und entsprechende Airbags. Bei den modernen Assistenzsystemen patzt der Auris Hybrid. Spurwechsel- oder Spurhalteassistent, Abstandstempomat oder ein intelligentes Lichtsystem gibt es nicht einmal gegen Aufpreis.

Unter dem Strich ist der Toyota Auris das bekannte, gute Auto mit etwas wenig Charme beim Außendesign und einem ansprechenden Inneren. Die 136 PS starke Antriebskombination des Hybriden ist dagegen alles andere als eine ideale Kombination. Hier bietet Toyota - gerade auch mit anderen Auris-Modellen - bessere Alternativen. Die sind günstiger und verbrauchen kaum mehr als Benziner oder deutlich weniger als Diesel.

rli/sgo/sis/news.de/pi

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Martin Kettling
  • Kommentar 1
  • 22.05.2011 19:14

Hier zeigt der Tester überdeutlich dass er überhaupt nicht erkannt hat, worum es diesem Fahrzeug geht: nicht hirnloses Autobahnrasen oder "sportliches" Spurten von roter Ampel zu roter Ampel ist angesagt, sondern gelassenes und intelligentes Vorankommen mit niedrigem Benzinverbrauch, ausreichendem Platzangebot und, im Vergleich zum Elektroauto, praxistauglicher Reichweite. Natürlich geht alles immer noch ein wenig besser und wer sucht findet neben viel Licht auch etwas Schatten, doch steht der Auris als Technologieträger im Vergleich zu preisähnlichen inländischen Fahrzeugen hervorragend da.

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