Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Audi will die Mobilität von morgen überdenken. Doch die Gegenwart der Ingolstädter spricht eine andere Sprache. Echte Änderungen und Innovationen sind erst in vielen Jahren zu erwarten. Das ist gefährlich für Audi und den deutschen Automobilbau.
Vorsprung durch Technik. Der Werbeslogan von Audi suggeriert Fortschritt, Überlegenheit und Souveränität. Das mag in Teilen für den Status Quo gelten. Doch wenn es um progressive Antriebs- und Mobilitätskonzepte geht, dann heißt es für die Ingolstädter: Hinten anstellen!
Erst in diesem Jahr kommt die Einführung eines hybridbefeuerten Wagens – als Schlusslicht in der Riege der deutschen Autobauer. Ausgerechnet das SUV Q5, ein Wagen mit üppigen Dimensionen und stattlichem Durst, soll für Audi in die Bresche springen. Dafür bekommt die VW-Tochter nicht den grünen Daumen. Andere Projekte sollen weiß-blaues Zukunftsbewusstsein demonstrieren. Audi Urban Future ist eines davon.
Inspiration für Zukunftsfragen soll die Aktion bringen. Die Oberbayern wollen die Bereiche Stadtentwicklung und urbane Mobilität besetzen. Das ist richtig und – für über 60.000 Audi-Mitarbeiter und den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland – auch wichtig. Jetzt, im Jahr 2011 kommt die Idee spät. Zu spät? Im Automobilbau herrschen Planungs- und Vorlaufzeiten von fast zehn Jahren. 2025 ist also ein realistischer Zeitpunkt, zu dem der nun angeregte Diskurs Früchte tragen könnte. Auf den Straßen und vor allem in den Städten von morgen.
Doch hinter alldem steckt das Eingeständnis, bis jetzt die Zukunft verschlafen zu haben. Es bleibt offen, ob die Initiative nichts weiter als eine Blendgranate ist, eine Aktion, die vom eigentlichen Gebaren der Ingolstädter ablenken soll. Fakt ist, dass Audi für Automobile wie den A6 steht, den sie als erfogreichste Geschäftslimousine der Welt anpreisen: Große, schnelle Wagen mit durstigem Verbrennungsmotor, dafür steht Audi 2011. Toyota baut im Vergleich dazu lahme Enten. Aber der Prius surrt seit 1997 durch die Welt. In dasselbe Horn bläst Honda und auch die Franzosen von Renault richten sich radikal in Richtung Elektrozukunft aus.
Damit hat auch Audi das Dilemma, das viele große Autobauer, vor allem aus Deutschland, eint: Sie stehen hoch oben auf einer Burg und schlagen die Rückzugsgefechte der Automobile von gestern. Üppige Schlitten mit dicken Verbrennungsmotoren werden in die Schlacht geschickt. Die alte Idee folgt dem Markt dorthin, wo er sich gerade befindet. Kalifornien ist längst verloren, momentan brummt der Absatz in China, Russland und Nahost, bald vielleicht in Indien. Doch irgendwann wird die Schlacht verloren sein.
Deutschlands Autobauer, das zeigt Audis Beispiel, haben die Realität lange Zeit verdrängt. Die Ingolstädter scheinen nun aufgewacht zu sein. Andere sind aus dem Dornröchenschlaf schon vor langer Zeit erwacht. Noch haben Autos Made in Germany eine Ausnahmestellung. Es ist fraglich, ob das so bleibt.
mik/ham/news.de
Die Deutschen bauen Autos für die Reichen dieser Welt, derzeit werden diese immer zahlreicher in China. Solange es immer mehr reiche Chinesen gibt, werden Oberklassehersteller wie Audi satte Geschäfte machen. In Deutschland werden wohl die Asiaten immer beliebter, da diese auch kleine, pfiffige und sparsame Autos bauen, die zudem nicht viel kosten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Straßen in China und Indien verstopft sind und dann macht Autofahren keinen Spaß mehr.
jetzt antwortenKommentar melden